Der und die AppleTon

10.05.2017 Rosemarie Schmitt

Man hat unzählige CD’s und neben dem CD-Player türmt sich ein Stapel jener Scheiben, die man immer wieder, weil am liebsten hört. Sie kennen das? Gut möglich, dass sich alle Musiker diesen Platz, ganz oben auf dem CD-Stapel wünschen. Eine dieser Stapel-Scheiben lag bei mir seit Jahren ganz oben auf. Um genau zu sein seit 1996! Randy Crawfords Best-of-Album war das. Dann kam Pat.


Pat Appleton kam mit ihrem Album «A Higher Desire», was bedeutet: ein höherer Wunsch. Es war nicht der Titel des Albums, der die Crawford von ihrem Thron stubste, sondern es war diese so besondere Stimme, dieses Timbre, dieses ganz bestimmte Gefühl, was Appletons Songs bei mir auslösen. 3sat bezeichnete Pat Appleton als eine der wichtigsten Stimmen des zeitgenössischen, deutschen Jazz. Für mich hat Jazz allerdings keine Nationalität. Jazz ist Jazz. Dass Pat Appleton in Berlin lebt und deshalb dieses Album in Deutschland entstand, ist korrekt.

Für ihre Texte und ihren Gesang erhielt Appleton in Zusammenarbeit mit den Nighthawks und der Jazzkantine schon zwei Jazz-Awards der Deutschen Phono-Akademie (BVMI). Aufmerksam und hellhörig wurde ich, als ich sie zum ersten Mal auf dem Album «Private», als Frontfrau von DePhazz hörte. «Ihr» Album «A Higher Desire» finde ich jedoch noch etwas privater! Ich liebe diese Stimme, das, was sie sagt, wenn sie singt! Vom Ohr direkt ins Herz. So muss für mich Musik «funktionieren».

Wie das Album entstand? Vor einiger Zeit begegnete Pat Appleton bei einem Auftritt von Wolfgang Lackerschmid in Görlitz vier Jazzmusikern aus Berlin. Erst stellten sie fest, dass sie alle in Berlin quasi Nachbarn sind und meist aus Kreuzberg und Neukölln kommen. Dann trafen sie sich anfänglich um Standards einzustudieren und stellten noch etwas fest, nämlich, dass sie musikalisch so gut harmonieren und die Zeit besser für das Schreiben eigener Songs verwenden sollten. Sie, das sind: Pat Appleton (Vocals), Olaf Casimir (Bass), Sebastian Weiß (Piano), Martin Auer (Trumpet) und Michael Kersting (Drums).

Pat Appleton sagt, dass die Initialzündung, ein Album zu machen, immer eine persönliche Krise sei. Wenn man satt und glücklich sei, genieße man einfach nur das Leben. Wenn das zutrifft, dann muss sie sehr sehr hungrig und unglücklich gewesen sein, als «A Higher Desire» (Content/Edel) entstand. So gut ist es! Anspruchsvoll, erdig, reif, pur, ehrlich.

«Der Niedergang der Wertigkeit von Musik in den letzten Jahren hat mir sehr zu schaffen gemacht.» (Pat Appleton). Mir auch Mrs. Appleton, mir auch! Doch dem großen Kürbis sei Dank, gibt es Musikerinnen wie Sie (und Musiker selbstverständlich auch) !

«Bei meinem eigenen Album wollte ich die Stimme in den Vordergrund stellen und mich endlich mal so hören, wie das bei mir im Kopf klingt.» (Pat Appleton)
Klasse klingt’s bei ihr im Kopf und ich bin froh, dass sie mich mithören lässt! Ob es wohl schwierig war, das rauszulassen, frage ich mich.

«Das Härteste an dem Ganzen war das Mischen, da musste man schließlich auswählen was letztendlich auf die Platte kommt, und an dem Sound feilen – es war einfach so viel Schönes dabei und natürlich auch die gelegentliche falsche Note», sagt Appleton.

Also im Album ist keine einzige falsche Note zu finden, sie trifft ihn, den richtigen Ton, den Apple-Ton eben!

Herzlich,
Ihre Rosemarie Schmitt

  • Pat Appleton; (c) Foto: Katja Kuhl

artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.