The King´s Choice - Angriff auf Norwegen

29.06.2017 Walter Gasperi

Am 9. April 1940 griff die deutsche Wehrmacht Norwegen an. Der norwegische König stand vor der Entscheidung zu kapitulieren oder Widerstand zu leisten. Erik Poppe zeichnet in seinem Drama sachlich und nüchtern nicht nur die Ereignisse, sondern auch den Druck und die moralischen Dilemmata nach, die auf den Protagonisten lasteten. Bei Pandastorm Pictures ist Poppes Geschichtslektion auf DVD und Blu-ray erschienen.


Mit Archivmaterial rekapituliert Erik Poppe kurz die Einführung der parlamentarischen Monarchie in Norwegen 1905 und die Wahl des dänischen Prinzen Christian Frederik Carl Georg Valdemar Axel von Dänemark zum König von Norwegen. Ein Schnipsel von einem NS-Parteitag deutet auch den Aufstieg des Nationalsozialismus an, ehe mit einer Nachrichtenmeldung von der Torpedierung von drei norwegischen Schiffen, die eigentliche Handlung einsetzt.

An die Stelle der Schwarzweißbilder des Archivmaterials rückt damit Farbfilm, doch fahl bleiben die Farben, milchig und kalt das Licht. Nur vom 9. bis zum 11. April 1940 spannt sich der Handlungsbogen, Inserts mit exakten Angaben zu Ort und Uhrzeit der Ereignisse strukturieren den Film, sollen nicht nur für Authentizität sorgen, sondern dem Geschehen auch Nachdruck verleihen.

Als ganz normalen Bürger mit Familienleben zeichnet Poppe König Haakon (Jesper Christensen) zunächst, wenn er diesen beim Versteckspiel mit seinen Enkeln zeigt. Doch bald wird klar, wie schwer in dieser Zeit das Amt auf seinen Schultern lastet. Denn als die Regierung aufgrund des deutschen Angriffs zurücktritt, will er dies nicht akzeptieren, muss aber dennoch zusehen, wie der faschistische Vidkun Quisling in einem Staatsstreich eine neue Regierung ausruft, die aber vom Volk nicht unterstützt wird.

Während sich der deutsche Gesandte Curt Bräuer (Karl Markovics) bemüht, den König zur Kapitulation zu bewegen und so eine Fortführung des Krieges zu verhindern, verweigert Haakon, dessen oberstes Motto «Alles für Norwegen» war, die Unterzeichnung eines Abkommens mit den deutschen Besatzern.

Poppe arbeitet differenziert die moralischen Problemfelder heraus, in denen sich der König, aber auch der deutsche Gesandte befanden, und kann dabei auch auf die gewohnt stark agierenden Jesper Christensen und Karl Markovics vertrauen. Dazu kommt auch noch das Schicksal eines jungen Soldaten, über den das Kriegsgeschehen in den Film Eingang findet und auch deutlich wird, welchen Preis das Land für die Entscheidung des Königs zahlen musste.

Durchaus solide ist das inszeniert, bietet durch sorgfältige Rekonstruktion eine interessante Lektion in norwegischer Geschichte. Zu viel packt Poppe allerdings insgesamt hinein, sabotiert quasi die erzählerische Kraft des Stoffs durch zu häufige Schauplatzwechsel und den Versuch gleichzeitig ein Bild der schwierigen Situation des Königs zu zeichnen und zumindest ansatzweise einen spektakulären Kriegsfilm zu bieten.

Auch das Bemühen um historische Exaktheit erweist sich hier letztlich gerade als Schwäche. Zu sehr klebt «The King´s Choice» damit nämlich an den Fakten, entwickelt dafür die einzelnen Szenen zu wenig, sodass sich kaum mitreißendes Erzählen entwickelt, sondern eher in gewissem Maße akademische Leblosigkeit einschleicht.

An Sprachversionen bieten die bei Pandastorm Pictures erschienene DVD und Blu-ray die norwegisch-deutsche Originalfassung, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, sowie die deutsch synchronisierte Fassung. Die Extras beschränken sich auf den Trailer zum Film.

Trailer zu «The King´s Choice - Angriff auf Norwegen»

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