Niels Bierbaumer empfiehlt Denkpausen

29.04.2017 Bernhard Sandbichler

Dösen, duseln, dämmern, dümpeln: So schöne D-Wörter für herumsumpern und leerlaufen! Und allesamt sind sie gut für diese anderen Tätigkeiten: denken, tüfteln, grübeln. Eine Empfehlung.


  • Achse 1: Diagnose
    «Dein Gehirn weiß mehr, als du denkst» war Titel eines ersten gemeinsamen Buchprojekts des Tübinger Neurowissenschafters Niels Bierbaumer mit dem Wissenschaftsjournalisten Jörg Zittlau. Ihr zweites widmen sie dem Phänomen, dass «dein Gehirn» sozusagen «mehr denkt, als man weiß» - und insofern auch ganz einfach einmal nicht denkt.
     
  • Achse 2: Prognose
    Überall wittert unser «katastrophisches Gehirn» Gefahr. «Und das bedeutet in unserer hektischen und komplexen Welt, dass unsere Gedanken permanent mit Gefahrenabwehr beschäftigt sind.» Man muss also schon klug vorgehen, um sich aus dem Karussell zu bringen.
     
  • Acchse 3: Entwicklung
    Unsere Defense-Systeme, in den tieferen Hirnregionen ruhend und seit Jahrtausenden entwickelt, sind im Dauereinsatz: Das zehrt an den Kräften und bahnt Krankheiten den Weg.
     
  • Achse 4: Intelligenz
    Den hirnigen Alarmzustand zu unterbrechen und unsere Defense-Systeme herunterzufahren, ist klug. «Positive Leere freilich», sagt Birbaumer, «gibt es nur, wenn wir uns ihr kompromisslos und vertrauensvoll hingeben und nicht betrauern, was wir durch sie verlieren.»
     
  • Achse 5+6: Körper und Psyche
    Aufschrei: Das darf nicht sein - Leere, Nichts, Vakuum, Langeweile! Echo: Leere kann eine Pause schaffen und für Entlastung sorgen. Durch sie verlieren die Dinge an Bedeutung und damit auch an Problematik. Floating Tanks oder Meditation z.B. erzeugen niederfrequente Hirnströme und interesselose Achtsamkeit.
     
  • Achse 7: Alltag
    Rhythm is it: Auch Musik, Tanz und Sex, Bergsteigen, Marathon oder Bügeln wirken entleerend, sofern sie das Gehirn eintakten - just do it!
     

Niels Bierbaumer und Jörg Zittlau: Denken wird überschätzt. Warum unser Gehirn die Leere liebt. Berlin: Ullstein Buchverlag 2016, 256 Seiten, 20,60 EUR

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