Die geheimnisvolle Insel (1961)

18.05.2017 Walter Gasperi

Wie geschaffen für große Abenteuerfilme sind die fantastischen Romane von Jules Verne – und sind dabei auch Spielwiesen für Trickspezialisten wie Ray Harryhausen. Seine Kreationen sind folglich auch die größte Attraktion von Cy Endfields Verfilmung, die bei Koch Media auf Blu-ray erschienen ist.


Jules Vernes 1874 erschienener Roman wurde schon mehrmals verfilmt. Schon 1916 wurde er von Stuart Paton mit Vernes Vorgänger-Roman «20.000 Meilen unter dem Meer» verknüpft, 1941 nahm man sich in der Sowjetunion des Stoffes an, 1972 entstand mit Omar Sharif in der Hauptrolle ein mehrteiliger Fernsehfilm und zuletzt verwendete man 2012 bei «Die Reise zur geheimnisvollen Insel» Motive der literarischen Vorlage.

Cy Endfields Verfilmung aus dem Jahre 1961 gehört zwar sicher nicht zu den großen Werken der Filmgeschichte, strahlt aber auch heute noch durch die Tricks von Ray Harryhausen einigen Charme aus und unterhält dank der temporeichen Erzählweise und der zahlreichen Überraschungen immer noch. Tiefgang darf man freilich nicht erwarten.

Dürftig bleibt nämlich die Figurenzeichnung und auch die wenig bekannten Schauspieler können ihren Charakteren kaum Profil verleihen. Zudem packt Enfield zu viel in seinen einfach gestrickten Abenteuerfilm, als dass ein Aspekt wirklich weiterentwickelt werden könnte, andererseits ist es gerade diese Fülle, die den Film für den Zuschauer zu einem munteren Trip macht.

Recht krud prallen hier freilich Gegensätze aufeinander. Dramatisch beginnt der Film mit einer Schlacht im amerikanischen Bürgerkrieg, bei der einigen gefangenen Soldaten der Nordstaaten die Flucht mit einem Heißluftballon gelingt. Ein Sturm trägt sie über den ganzen amerikanischen Kontinent, bis sie auf einer Pazifikinsel landen.

Fantastik kommt in die historische Geschichte, wenn die fünf Gestrandeten bei der Erkundung der Insel auf eine Riesenkrabbe, später auf ein überdimensionales Huhn und riesige Bienen stoßen.

Für spannende Szenen bieten sich diese Begegnungen freilich an, doch wirklich blutig und grausam wird es hier nie, denn sichtlich als Abenteuerfilm für Kinder und Jugendliche ist «Die geheimnisvolle Insel» angelegt.

Mehr komödiantische als ernste Züge erhält so auch der Kampf mit dem Riesenhuhn - nicht zuletzt durch die Musik von Bernard Herrmann, der zu dem Film einen starken Soundtrack beisteuerte. Star dieser Szenen ist aber Ray Harryhausen. Kein kaltes Effektfeuerwerk wird hier geboten, sondern man spürt die Leidenschaft und die Liebe zum Detail, mit denen der Trickspezialist seine Kreaturen schuf und mit Stop-Motion-Technik zum Leben erweckte.

Was dabei zunächst nach urzeitlichen Wesen aussah, bekommt schließlich mit der Begegnung mit Kapitän Nemo, der hier in einer Höhle sein legendäres U-Boot Nautilus «geparkt» hat, einen Dreh, durch den «Die geheimnisvolle Insel» einen durchaus aktuellen Akzent gewinnt.

Zu viel packt Enfield freilich hinein, wenn mit dem Auftauchen von zwei weiblichen Schiffbrüchigen sich auch noch eine Liebesgeschichte entwickeln muss, wenn schließlich auch noch Piraten angreifen und ein Vulkanausbruch droht, bei dem eine Unterwasserexpedition gestartet werden muss, die durch eine versunkene Stadt à la Atlantis führt. – Für reichlich Augenfutter und Abwechslung sorgen freilich auch diese Szenen.

An Sprachversionen bietet die bei Koch Media erschienene Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen Sprachen. Die Extras umfassen neben dem amerikanischen und den deutschen Trailer ein Interview mit Ray Harryhausen sowie Features zur Karriere Harryhausens und zur Stop-Motion-Technik.

Trailer zu «Die geheimnisvolle Insel»

artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.