The Prowler - Dem Satan singt man keine Lieder

11.05.2017 Walter Gasperi

Joseph Losey gelang 1951 mit seinem vierten Spielfilm ein kühler Film noir über einen frustrierten Polizisten, der aus Gier zum Mörder wird. Bei Schröder Media ist der von einem großartigen Van Heflin in der Hauptrolle getragene Thriller auf DVD erschienen.


«The Prowler» – absurd wieder einmal der deutsche Titel «Dem Satan singt man keine Lieder», treffender schon der alternative Titel «Der Getriebene» – entstand zu einer Zeit, zu der Senator Joseph McCarthys Kommunistenjagd schon in vollem Gange war. Während Ko-Autor Dalton Trumbo deshalb schon 1947 zu elf Monaten Haft verurteilt worden war und für «The Prowler» wie für zahlreiche weitere Filmen bis Ende der 1950er Jahre nur ungenannt oder unter Pseudonym Drehbücher verfassen konnte, emigrierte Joseph Losey, der nur kurzzeitig Mitglied der Kommunistischen Partei war, nach seinem nächsten Film – einem Remake von Fritz Langs «M» – nach England.

Sozialkritische Züge fehlen auch in diesem Film noir nicht, wird doch der Arbeiterschicht die Oberklasse gegenübergestellt. Begehrlichkeiten weckt der Reichtum von Susan (Evelyn Keyes) und ihrem Mann beim Streifenpolizisten Webb Garwood (Van Heflin), als dieser wegen eines Landstreichers bei Susan vorbeischaut.

Fasziniert ist er vom großzügigen Haus, besucht Susan bald wieder – zunächst in Uniform, dann privat. Ihr Mann ist als Radiosprecher nachts oft abwesend, so kann Webb seine Besuche wiederholen. Als er zudringlich wird, wird er von Susan zwar aus dem Haus geworfen, doch bald kommt er wieder und schließlich beginnen sie eine Affäre, denn zufällig hat Webb ja auch das Testament des Mannes entdeckt.

Zur Gänze nachts und vorwiegend im Haus Susans spielt die erste Hälfte des Films, bis der Weg für das Paar frei zu werden scheint. Glücklich werden können sie freilich nicht, denn gerade das vermeintlich größte Glück stellt für Webb und Susan die größte Gefahr dar, sodass sie in eine Geisterstadt in der Mojave-Wüste fliehen müssen.

So spielt die zweite Hälfte zwar am hellen Tag, doch statt in Luxus zu leben, wie es Webb so ersehnte, müssen sie mit einer halbverfallenen Hütte, durch die der Wind bläst, vorlieb nehmen. Hier werden Losey/Trumbo nochmals gesellschaftskritisch, wenn Webb sein Handeln damit rechtfertigt, dass letztlich jeder Mensch böse sei, der Politiker Stimmen kaufe, der Geschäftsmann Steuern hinterziehe und immer Gier die Triebfeder für das menschliche Handeln sei.

Etwas sprunghaft wirkt «The Prowler» zwar mit den emotionalen Wendungen, die sich zwischen einzelnen, zeitlich doch nicht allzu lange auseinanderliegenden Szenen abspielen, doch davon abgesehen ist das Drehbuch von Trumbo und Hugo Butler bestechend aufgebaut.

Ebenso kühl wie schnörkellos und konzentriert ist die Regie von Losey. Beinahe nur mit dem von Van Heflin stark gespielten Webb und Susan kommt der Film in der ersten Hälfte aus, erst danach weitet sich der Raum und mehr Personen kommen dazu, doch konsequent wird auch hier die Handlung weitergetrieben und die Situation der Protagonisten sukzessive aussichtsloser.

Auffallend ist an diesem Film noir, der etwas an Billy Wilders «Double Indemnity» erinnert, die äußerst negative Zeichnung eines Polizisten, anders als bei den Klassikern dieser Filmgattung gibt es hier aber keine Femme Fatale, denn Susan ist hier keine treibende Kraft, wird vielmehr von Webb benutzt. Wie dieser sich freilich nach materiellem Reichtum sehnt, so macht sie die Vernachlässigung durch den Ehemann für Webbs Werben empfänglich.

An Sprachversionen bietet die bei Schröder Media erschienene DVD die englische Original- und die deutsche Synchronfassung. Untertitel fehlen leider ebenso wie Extras.

Trailer zu «The Prowler - Dem Satan singt man keine Lieder»

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