Lakonische Profis, unabhängige Frauen: Howard Hawks und seine Filme

15.05.2017 Walter Gasperi

Der 1896 geborene Howard Hawks gehört unbestritten zu den ganz großen Meistern des amerikanischen Kinos. Die Professionalität seiner Helden zeichnet auch seine Filme aus. Hawks war ein Meister der Lakonik, des geradlinigen, schnörkellosen, mit trockenem Humor unterlegten Erzählens. - Das Stadtkino Basel zeigt eine Auswahl aus den zahlreichen Meisterwerken dieses Vollprofis, der sich selbst nur als versierten Geschichtenerzähler sah.


»Sternberg bläst ein Nichts zu einer riesigen Sache auf; ich nehme eine große Sache und spiele sie herunter«, charakterisierte Howard Hawks selbst seine Filme. Seinen meisterhaften Western »Rio Bravo« (1959) drehte er aus Verärgerung über das unprofessionelle, weil zögerliche und ängstliche Verhalten des Sheriffs in Fred Zinnemanns »High Noon« (1952).

Angst scheinen die Hawks´schen Männer in der Tat nicht zu kennen. Mit größter Selbstverständlichkeit nehmen sie ihre Aufgaben auf sich und erledigen sie ohne große Worte. So beginnt »Rio Bravo«, dessen Thema Hawks so sehr faszinierte, dass er es in »El Dorado« (1966) und seinem letzten Film »Rio Lobo« (1970) nochmals aufgriff und variierte, zwar ernst und grimmig, doch mit Fortdauer wird der Erzählton gelassener und souveräner, sodass der Showdown mit den Verbrechern schließlich geradezu eine Spielerei ist.

Ob Western, Rennfahrerfilm (»The Crowd Roars«, 1932; »Red Line 7000«, 1965), Fliegerfilm (»Only Angel Have Wings«, 1939) oder Abenteuer unter Großwildjägern (»Hatari«, 1962) - immer stehen Männerfreundschaften unter Profis im Mittelpunkt. Geprägt zeigt sich Hawks hier von seinen eigenen Erfahrungen: Schon im Alter von 16 Jahren nahm er an einem Autorennen teil und im Ersten Weltkrieg war er Fliegerleutnant.

An die Seite dieser coolen Männer, die auch den Tod als etwas Selbstverständliches akzeptieren, stellt Hawks aber immer unabhängige, den Männern überlegene Frauen. Die sprichwörtlich gewordene Hawksian Woman zeigt dem Mann schließlich, wo es lang geht: Joanne Dru bringt Montgomery Clift und John Wayne im Western «Red River» (1948) zur Vernunft, Angie Dickinson steht zumindest gleichwertig neben John Wayne und Dean Martin in »Rio Bravo« und Jean Arthur wirkt auf Cary Grant in »Only Angels Have Wings« ein.

Seine Vollendung findet dieser Frauentyp aber in Lauren Bacall und ihrem Zusammenspiel mit Humphrey Bogart in dem Abenteuerfilm »To Have and Have Not« (1945) und dem Film noir »The Big Sleep« (1946).

Ins Zentrum der Handlung rückt dieses Aufeinanderprallen der Geschlechter in Hawks´ Komödien, die nicht nur hinsichtlich ihres horrenden Tempos immer noch unerreicht sind. Die Männer sind hier völlig degeneriert, die Frauen stehen mit beiden Beinen im Leben.

In »Bringing Up Baby« (1938) muss Katharine Hepburn einen weltfremden Anthropologen erziehen, in »Ball of Fire« (1941) bringt Barbara Stanwyck als Tingeltangel-Sängerin eine Gruppe von Sprachforschern durcheinander, in »Gentlemen Prefer Blondes« (1953) umgarnen Jane Russell und Marilyn Monroe auf einem Ozeandampfer Millionäre und in »His Girl Friday« (1940) liefern sich Cary Grant als Zeitungsredakteur und Rosalind Russell als seine Ex-Frau und beste Reporterin ein fintenreiches Duell.

An Tempo mit diesen Komödien mithalten kann höchstens »Scarface« (1932), in dem die Härte des Gangstermilieus und die Maschinenpistolensalven durch das Stakkato des Schnitts vermittelt werden. Doch bei aller Rasanz, bei aller Schnörkellosigkeit und Effizienz gelang es Hawks immer auch starke Figuren zu zeichnen.

Unvergesslich ist, wie markante Nebenfiguren für den für Hawks typischen Humor sorgen, wie Red Buttons sich in »Hatari« über seine Fangmaschine freut, mit wie viel Engagement Walter Brennan in »Rio Bravo« am Kampf teilnimmt und sich für Dean Martin freut, wenn dieser vom Alkohol loskommt, und in »Red River« auf eine Versöhnung von Wayne und Clift hofft.

Und zu den großen Sterbeszenen des Kinos zählt schließlich, wie Boris Karloff in »Scarface« gleichzeitig mit dem letzten Kegel in die Knie geht und wie Thomas Mitchell in »Only Angel Have Wings« bei einem Flugzeugabsturz durch einen Genickbruch umkommt.

In den Filmen von Hawks, der am 26. Dezember 1977 in Palm Springs starb, gibt es kein Sinnieren über Gott und die Welt, denn die Weltsicht ist hier direkt in Aktion und in die Konfrontation der Figuren umgesetzt. – Philosophie entwickelt sich hier aus der Geschichte heraus und wird nicht auf sie drauf gestülpt: Amerikanisches Kino par excellence, zeitlos und allgemeingültig in seiner Schlackenlosigkeit.

Trailer zu «Scarface» (1932)

  • Howard Hawks (1896 - 1977)
  • Scarface (1932)
  • Bringing Up Baby (Leoparden küsst man nicht, 1938)
  • Only Angel Have Wings (1939)
  • The Big Sleep (1946)
  • Red River (1948)
  • Gentlemen Prefer Blondes (1953)
  • Rio Bravo (1959)
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