The Founder

25.04.2017 Walter Gasperi

John Lee Hancock zeichnet die Anfänge der McDonald´s Korporation nach – oder vielmehr wie der eiskalte Geschäftsmann Ray Kroc die McDonald´s-Brüder ausstach. – Kein großer Film, aber flüssig erzählt und mit dem Antagonismus der McDonald´s und dem von Michael Keaton großartig gespielten Kroc auch bestechend die Mechanismen des Kapitalismus aufzeigend, ohne dass diesen wirklich bissig abzurechnen.


Anfang der 1950er Jahre reist Ray Kroc (Michael Keaton) als mäßig erfolgreicher Handelsvertreter für Milchshake-Mixer durch die USA. Stutzig wird er, als ein Schnellimbiss in Kalifornien gleich acht Mixer auf einmal bestellt. Begeistert ist er sogleich vom Unternehmen der McDonalds-Brüder. Denn musste er bei allen anderen Schnellimbiss-Restaurants lange warten und erhielt dann auch vielfach noch das falsche Essen, so erhält er hier postwendend seinen Burger mit Getränk, benötigt weder Geschirr noch Besteck und der Unternehmer spart sich auch die Lohnkosten für Bedienungen.

Gerne zeigen die Brüder Richard «Dick» McDonald (Nick Offerman) und Maurice McDonald (John Carroll Lynch) Kroc den Betriebsablauf und erzählen ihm auch gleich über ihre früheren Geschäftsideen und die Entwicklung der Idee dieses neuen Fast-Food-Konzeptes.

Leichthändig kann Hancock, der stimmig mit Pastellfarben, Kostümen und alten Autos die 1950er Jahre zum Leben erweckt, so in kurzer Zeit viel erzählen, und beglaubigt die Geschichte durch – zumindest teilweise wohl auch fingiertes - schwarzweißes Archivmaterial und Fotos.

Kroc denkt gleich an eine Ausweitung der Geschäftsidee auf weitere Bundesstaaten, doch das Interesse der Brüder hält sich in Grenzen. Dennoch erreicht er, dass ein Vertrag aufgesetzt wird, durch den er zum Partner der Brüder wird. Rasch findet er nun Investoren, die Land kaufen und genau nach den Vorgaben der Brüder Filialen errichten. Zum Geschäft wird es für Kroc aber erst, als ein Banker ihn darauf hinweist, dass er selbst das Land kaufen und dann an Betreiber verpachten muss, denn mit dem Grund und nicht mit den Burgern wird das große Geld gemacht.

Die McDonald´s-Brüder, die gegen jede Veränderung sind und Coca-Cola-Werbung auf den Speisekarten ebenso ablehnen wie die Umstellung der Produktion von Milchshakes mit Milchpulver statt mit echter Milch, stören Kroc freilich bei seinen Geschäftsplänen zunehmend, sodass er sie sukzessive auszubooten versucht.

Diese Brüder Dick und Maurice McDonald sind für den Film ein entscheidender Gegenpol zu dem eiskalten Geschäftsmann Kroc, der von Michael Keaton mit sichtlichem Vergnügen und großem Engagement gespielt wird. Keineswegs als genial zeichnet ihn Hancock, sondern – geschult durch eine Schallplatte zu Verkaufstechniken - vor allem als hartnäckig, aber auch mit einer guten Hand bei der Wahl seiner Mitarbeiter, die ihm immer wieder entscheidende Tipps geben.

Der Antagonismus von Raubtierkapitalismus, in dem Menschlichkeit keinen Platz hat, auf der einen Seite und der Gutmütigkeit der Brüder, denen die Qualität der Produkte ein hohes Anliegen ist, ist die Triebfeder von «The Founder», aus diesen Reibungen entwickelt der Film seine Spannung.

Hancock zeichnet Kroc aber nicht nur auf dieser Ebene als negative Figur, sondern auch durch die kalte Beziehung zu seiner Frau als zu emotionalen Kontakten kaum fähig, sondern einzig an seinem Job und dem Geschäft interessiert. Keine Nähe gibt es zwischen den Ehepartnern, großartig spielt Laura Dern die an Krocs Seite verkümmernde Ehefrau, bei der man sich nur fragt, wieso sie diesen Mann nicht schon längst verlassen hat. Gleichwohl gelingt es Keaton durch sein Spiel dafür zu sorgen, dass dieser Kroc ambivalent bleibt, man ihn zwar nicht liebt, ihn aber auch nicht wirklich hassen kann, sondern für seine Energie auch bewundern muss.

Plastisch arbeitet Hancock nicht nur heraus, wie letztlich nicht nur im Krieg, sondern auch im Wirtschaftsstreit der Sieger die Geschichte schreibt und der Name des Verlierers getilgt wird, sondern auch, welche Aspekte zum Erfolg des Unternehmens beitrugen. Nicht nur die auf äußerste Effizienz getrimmte Produktion gehört dazu, sondern eben auch das Logo mit dem großen «M» und den gelben Bögen bis hin zum Namen «McDonald´s», der ganz andere Zugkraft hat als beispielsweise «Kroc».

Das Unternehmen McDonald´s und seine Esskultur an sich stehen hier freilich nicht zur Diskussion. Kritische Durchleuchtung in diese Richtung interessiert Hancock nicht, wirbt zwar nicht offen dafür, macht aber doch mit stets glücklichen Familien und Kindern vor den blitzblanken Restaurants doch mehr Lust auf einen Burger als davor abzuschrecken.

Für einen großen Film, der nachwirkt, fehlen «The Founder» zwar Schärfe und Bitterkeit, denn wie ein Burger immer gut konsumierbar soll dieser Film sein. Aber eine unterhaltsame Lektion in Sachen Kapitalismus und marktwirtschaftlichen Praktiken gelingt Hancock, der mehr solider Handwerker als genialer Regisseur ist, hier allemal – nicht zuletzt dank Michael Keaton, dem zwei Stunden lang zuzuschauen großes Vergnügen bereitet.

Läuft derzeit im Cinema Dornbirn und im Cineplexx Hohenems
TaSKino Feldkirch im Kino Rio:
1.5. bis 4.5. (engl. O.m.U.)

Trailer zu «The Founder»

TaSKino Feldkirch
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