Gold

18.04.2017 Walter Gasperi

Mehr Gold an sich und die Suche danach als der dadurch mögliche Reichtum interessieren Kenny Wells, andere freilich glauben an einem großen Goldfund in Indonesien finanziell profitieren zu können. Richtigen Drive und Biss entwickelt Stephen Gaghans Mix aus Abenteuer- und Börsenfilm nur selten, aber ein großartiger Matthew McConaughey in der Hauptrolle und die wendungsreiche Handlung sorgen für solide kapitalismuskritische Unterhaltung.


Tradition hat die Goldsuche in der Familie von Kenny Wells (Matthew McConaughey), denn schon sein Großvater hat die Washoe Mining Corporation in Nevada gegründet. Anfang der 1980er Jahre ist Kenny ein junger und engagierter Mitarbeiter in der Firma seines Vaters und die Zukunftsaussichten für das Unternehmen scheinen gut. Kenny kommentiert selbst mit Voice-over das Geschehen. Retrospektiv ist sein Blick, als Befragung durch das FBI werden sich diese Anmerkungen etwa in der Mitte des lose auf dem kanadischen Bre-X-Skandal beruhenden Films erweisen.

Stephen Gaghan verlegt diesen angeblich größten Goldminen-Schwindel der Geschichte von 1997 in die späten 1980er Jahre und von Kanada in die USA. Nach dem Prolog überspringt der Film sieben Jahre, um den ersten Absturz von Wells zu vermitteln. Sichtbar wird dieser schon an der äußeren Wandlung des jungen Verkäufers, denn dieser hat inzwischen einen ziemlichen Wampen sowie eine Halbglatze und tendiert zudem zum Alkoholismus.

In Kennys Äußerem spiegelt sich die Situation seines Unternehmens, denn die Washoe Mining Corporation steht vor dem Bankrott. Keinen Cent mehr will die Bank angesichts von Wells´ Schulden investieren, selbst sein Haus musste er schon verkaufen und wohnt bei seiner Freundin Kay (Bryce Dallas Howard). Doch dann hat Kenny einen Traum von einem Goldfund in Indonesien. – Im doppelten Sinne ein Traum ist dies freilich, denn einerseits träumt er ganz konkret, andererseits ist dies auch sein Lebenstraum.

Nicht Gier treibt ihn an, vielmehr ist es die Faszination an der Suche nach Gold und das Edelmetall selbst. Ungemein kraftvoll und dynamisch spielt Matthew McConaughey, der für diese Rolle 25 Kilo zunahm, diesen Windhund, den niemand so richtig ernst nehmen will.

Im Geologen Mike Acosta (Edgar Ramirez) findet er einen Partner und während Kenny mit Malaria im indonesischen Dschungel im Lager liegt, macht Mike den großen Fund.

Nun zeigt plötzlich die Bank, die Kenny zuvor abblitzen ließ, großes Interesse an Investitionen, bald folgt ein Anruf von der Wall Street und rasant schießt die Aktie beim Börsengang in die Höhe.

Vom einfachen Ambiente der Kneipen Nevadas wechselt der Film zu luxuriösen Festen in New York, in warmen Farben und viel Gold glänzen nun auch die Bilder von Kameramann Robert Elswitt, der auch mit satten Grüntönen in den Regenwald von Indonesien eintauchen lässt.

Vorherzusehen ist freilich auch aufgrund des retrospektiven Voice-overs der Absturz Kennys, der ein lukratives Angebot einer großen Bergbaufirma ausschlägt, weil ihm der Name seiner Firma wichtig ist. Nicht erst hier wird klar, dass Kenny mit Leidenschaft hinter der Sache steht, dass der Gewinn für ihn schon fast eine nette Nebenerscheinung ist, aber dass es ihm in erster Linie um den Stolz auf die eigene Firma geht.

Kein gewiefter Stratege, sondern in erster Linie ein Glücksritter ist dieser Goldsucher, nimmt bei Geschäftsverhandlungen kein Blatt vor den Mund und reagiert immer wieder höchst emotional, während sein Partner Acosta stets beherrscht und zurückhaltend auftritt.

Passend zu diesem unzuverlässigen Kenny ist auch der Erzählton Stephen Gaghans, der Anfang der 2000er Jahre mit dem Drehbuch für Steven Soderberghs «Traffic» und seinem eigenen Regiedebüt «Syriana» bekannt wurde, die letzten elf Jahre dann aber fürs Fernsehen arbeitete. Locker erzählt er, lässt mit sorgfältiger Ausstattung von ungepflegten Frisuren bis zu knallbunten Klamotten in die 80er Jahre eintauchen und sorgt mit einem abwechslungsreichen Soundtrack für Schwung.

So richtig dramatisch wird es aber nur, als Kenny in einen Tigerkäfig steigen muss. Zu unentschlossen pendelt «Gold» zwischen Abenteuerfilm und Börsensatire, um wirklich zu einem großen Film zu werden. Viele Aspekte werden zwar angeschnitten, in der rasanten Erzählweise aber wenig ausgelotet.

Durchgängig unterhaltsam ist das mit zahlreichen überraschenden Wendungen und der damit verbundenen Achterbahnfahrt Kennys durchaus, aber den Biss und die Wucht von Börsenfilmen wie «The Big Short» oder «Wolf of Wall Street» entwickelt «Gold» nicht.

Zu sehr wird der Film auch zu einer One-One-Show McConaugheys, dessen Kenny Gaghan als Nachfolger der klassischen amerikanischen Pioniere zeichnet und seine Hartnäckigkeit und sein Festhalten an seinen Träumen feiert. Deutlich Kritik am Kapitalismus und am Bankenwesen wird auch geübt, wenn diesem leidenschaftlichen Visionär, der für eine Sache richtig brennt, Banker und Investoren gegenüberstellt werden, die nur am schnellen Geld interessiert sind, das angebotene Produkt nicht lange prüfen, wenn es erfolgversprechend klingt, und sich blindlings von der allgemeinen Begeisterung anstecken lassen.

Läuft derzeit im Cineplexx Hohenems

Trailer zu «Gold»

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