The Monster

04.05.2017 Walter Gasperi

Harmlos ist noch der Unfall den Kathy und ihre zehnjährige Tochter Lizzy in einer Regennacht auf einer einsamen Waldstraße haben, denn bald müssen sie weit Bedrohlicheres fürchten. Bei Koch Media ist Bryan Bertinos minimalistischer Horrorfilm, der im Kern von einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung erzählt, auf DVD und Blu-ray erschienen.


Ein Kindervers stimmt auf die Monster ein, vor denen sich die zehnjährige Lizzy (Ella Ballentine) fürchtet, doch der reine Horror ist zunächst einmal ihr Alltag. Denn statt dass sich ihre Mutter Kathy (Zoe Kazan) um ihre Tochter kümmert, muss sich das Mädchen um die alkoholsüchtige Mutter kümmern, muss die Wohnung aufräumen, die Mutter wecken.

Doch das soll jetzt ein Ende haben, denn Kathy soll die Tochter für immer zu ihrem Vater bringen. Auf der Fahrt dorthin kommt es aber in einer Regennacht zu einem Unfall in einer einsamen Waldgegend. Einen Wolf scheint die Mutter angefahren zu haben, der Kamerablick aus dem Wald auf die verregnete Straße insinuiert aber immer wieder, dass hier noch Bedrohlicheres lauert.

Pannendienst und Rettung werden zwar per Handy alarmiert, aber noch ehe ersterer eintrifft, verschwindet der Wolf von der Straße. Endgültig klar wird, dass hier ein Monster in der Dunkelheit lauert, als kurz nach Eintreffen des Mechanikers ein abgetrennter Arm gegen die Windschutzscheibe von Kathys Auto fliegt.

Bestechend aufgebaut ist Bryan Bertinos Horrorfilm. Nach einer präzisen Exposition lässt er den Schrecken langsam wachsen, kontrastiert die lebensbedrohliche Situation im Wald immer wieder mit kurzen Erinnerungen Lizzys, die Einblick in ihre sehr schwierige Beziehung zu ihrer Mutter bieten.

Gleichzeitig zeigt Bertino, wie diese Beziehung unter der Extremsituation im Wald wieder intensiver wird, die Mutter, die in der Vergangenheit Lizzy immer wieder heftig beschimpfte, nun bereit ist, alles für ihre Tochter zu geben.

Aber auch Lizzy macht eine Wandlung durch, wächst in dieser Nacht nicht nur über sich hinaus, sondern verabschiedet sich auch von ihrer Kindheit, wenn sie schließlich ihren Plüschhund als Waffe einsetzt. So versteckt sich in diesem Horrorfilm im Kern ein Drama, das von der Beziehung und der Entwicklung der beiden stark gespielten Protagonistinnen erzählt.

Große Überraschungen hinsichtlich der Handlung darf man freilich kaum erwarten. Beeindruckend ist aber auf jeden Fall, wie minimalistisch Bertino die Handlung angelegt und sich damit selbst beschränkt hat, wie er von der Exposition und den Rückblenden abgesehen sich auf einen Ort beschränkt und quasi in Echtzeit erzählt. Weitgehend kommt er dabei auch mit den beiden Hauptdarstellerinnen aus, nur kurz treten der Mechaniker und zwei Sanitäter auf.

Geschickt arbeitet er zunächst auch mit der Fantasie des Zuschauers, wenn man das Monster lange erahnen muss. Bekommt man es dann doch zu Gesicht, so breitet Bertino dessen Inszenierung nicht breit aus, verzichtet auf große Effekte und Spektakel und beschränkt sich darauf schnörkellos und kompakt zu erzählen. – Ein kleiner, aber feiner Genrefilm von einem Regisseur, dessen weitere Entwicklung man im Auge behalten sollte.

An Sprachversionen bietet die bei Koch Media erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. Die Extras umfassen neben dem englischen und deutschen Trailer Aufnahmen vom Set und ein Featurette über das Geschehen während der Dreharbeiten sowie kurze Interviews mit den Produzenten William Green und Aaron Ginsburg sowie den Darstellern Zoe Kazan und Aaron Douglas.

Trailer zu «The Monster»

artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.