A United Kingdom

11.04.2017 Walter Gasperi

Politik und Romanze fließen zusammen, wenn Amma Asante die wenig bekannte Geschichte von der Liebe zwischen dem schwarzen König von Bechuanaland (des heutigen Botswana) und einer weißen Londoner Büroangestellten erzählt. Denn das Paar musste sich in der Mitte des 20. Jahrhunderts nicht nur gegen Rassismus, sondern auch politische Machtspiele der britischen Kolonialmacht behaupten.


Den ganz alltäglichen Rassismus bekommt Seretse Khama (David Oyelowo), der Thronfolger des britischen Protektorats Betschuanaland, 1947 in London zu spüren, wenn er im Boxring vom weißen Gegner auf unfairste Weise niedergeschlagen wird und das weiße Publikum den Sieger feiert. Aber auch als Kämpfer, der nicht so schnell klein beigibt, hat er sich in dieser Eröffnungsszene präsentiert.

Liebe auf den ersten Blick ist es sowohl bei ihm als auch bei der Büroangestellten Ruth Williams (Rosamund Pike), als sie sich bei einer Veranstaltung der Londoner Missionary Society kennenlernen. Beim Tanz heißt der Jazz heizt nicht nur die Gefühle an, sondern verleiht Amma Asantes Historiendrama in diesen ersten Szenen auch Schwung.

Von rassistischen Übergriffen gegenüber Seretse und den Anfeindungen ihr gegenüber lässt sich Ruth nicht beeindrucken. Man spürt an der Zeichnung dieser starken Frau, die auch später praktisch gleichwertig neben ihrem Politiker-Gatten stehen wird, dass hier eine Frau Regie führte.

Sie heiratet Seretse, obwohl ihr Vater sie deshalb verstößt und die britische Regierung sie daran ebenso hindern will wie Seretse der noch für ihn regierende Onkel. Wenig begeistert reagieren die Bewohner Betschuanalands auf die weiße Frau, verhalten sich zunächst reserviert und ablehnend, doch echte Feindseligkeit bekommt sie vor allem von den weißen Frauen der Kolonialbeamten zu spüren.

Außer Frage steht, dass die offene und herzensgute Ruth die Bevölkerung für sich gewinnen wird, wie auch Seretse mit einer mitreißenden Rede trotz Ablehnung des Onkels von der Kgotla, der Versammlung der Männer, zum König bestimmt wird. Die britische Regierung versucht ihn mit politischen Intrigen freilich zu stürzen, denn weltpolitische Überlegungen kommen hier angesichts der Einführung der Apartheid in Südafrika und des Kalten Kriegs ins Spiel. Keine Chance scheint das Paar gegen die Großmacht zu haben, doch die Briten haben nicht mit Seretses und Ruths Hartnäckigkeit und ihren geschickten Manövern gerechnet.

Ganz so rund wird sich die Geschichte wohl nicht abgespielt haben und so ohne jede Trübung wird die Ehe zwischen Seretse Khama und Ruth Williams wohl auch nicht verlaufen sein. Ecken und Kanten sucht man in «A United Kingdom» zwar vergebens, andererseits muss man schon bewundern, wie prächtig es Asante gelungen ist die sich über mehrere Jahre erstreckende Handlung auf 110 Minuten zu verkürzen, die private Geschichte zwar zu forcieren und damit Emotionen zu schüren, gleichzeitig aber auch die politische Komponente nie außer Acht zu lassen.

Scharf rechnet Asante mit dem politischen Taktieren der britischen Kolonialmacht und der Arroganz der einstigen Weltmacht ab, arbeitet aber auch den Konflikt von persönlichem Glück und politischem Handeln, in den Seretse gerät, überzeugend heraus.

Modernes Kino wird hier freilich nicht geboten, sondern vielmehr knüpft dieses gefühlvolle Historiendrama an die Tradition der Epen eines David Lean an. Mit den zwei hervorragenden und hervorragend harmonierenden Hauptdarstellern David Oyelowo und Rosamund Pike kann Asante darauf vertrauen, dass die Sympathien klar verteilt sind und der Film mit dem plastischen Freund-Feinschema emotionale Kraft entwickelt.

Große Romanze, Plädoyer gegen Rassismus und politisches Taktieren und Denkmal für einen wenig bekannten Staatsmann und seine starke Frau fließen hier ineinander, und damit der Sehgenuss nicht zu kurz kommt, fehlen selbstverständlich auch großartige Totalen der endlosen braunen afrikanischen Steppenlandschaft nicht.

Läuft derzeit im Cinema Dornbirn und im Kino Rio in Feldkirch

Trailer zu «A United Kingdom»

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