Showdown at Abilene - Schüsse peitschen durch die Nacht

25.05.2017 Walter Gasperi

Ein vom Bürgerkrieg traumatisierter Sheriff gerät zwischen die Fronten von aufstrebendem Rinderbaron und alteingesessenen Farmern. Charles F. Haas schnörkelloser Western ist bei Koch Media als 45. Titel der «Western Legenden» auf DVD erschienen.


Jack Trask (Jock Mahoney) hat für die Südstaaten im Bürgerkrieg gekämpft, jetzt ist er auf dem Weg nach Hause. Unterwegs begegnet er einem anderen Reiter, der vor dem Krieg sein Freund war und im Krieg für die Nordstaaten kämpfte. – Der Riss, den der Sezessionskrieg brachte, zog sich mitten durch die Städte, doch jetzt wollen die Männer ihre Uniformen ablegen und in Frieden leben.

Statt mit der Ankunft eines Fremden beginnt so dieser Western mit der Ankunft eines Heimkehrers in seiner Stadt. In dieser ist die Zeit aber nicht stehen geblieben, sondern es haben sich durch die wirtschaftliche Entwicklung Fronten gebildet. Mit dem Ausbau der Eisenbahnstrecke – im Film sieht man diese nie – hat Dave Moseley die Chance entdeckt mit Viehhandel reich zu werden. Sukzessive hat er den alteingesessenen Weizenfarmern, die er mit seinen Revolvermännern eingeschüchtert und terrorisiert hat, ihr Land billig abgekauft. Wirtschaftliche Macht und Staatsgewalt gehen hier Hand in Hand, denn Mosley hat freilich auch einen seiner Männer als Sheriff eingesetzt – nachdem dessen Vorgänger ermordet wurde.

Die Bürger sehen im heimkehrenden Jack Trask, der einst Sheriff in Abilene war, einen Hoffnungsträger, der Mosley Paroli bieten könnte. Doch Trask fühlt sich Moseley verpflichtet und will zudem keine Waffe anrühren. Scheinbar ungerührt nimmt er auch hin, dass seine frühere Geliebte Peggy, die glaubte, dass er im Krieg gefallen sei, nun Moseley heiraten will.

Langsam bekommt der Zuschauer Einblick in das Trauma des Kriegsheimkehrers, sieht aber auch, wie sich durch seine Rückkehr das Beziehungsgefüge in der Stadt zu bewegen und die Konflikte zu eskalieren beginnen. Auf Dauer kann in diesem Krieg in Friedenszeiten auch Trask nicht neutral bleiben und er wird schließlich Farbe bekennen und Position beziehen müssen. Denn das Volk lässt sich nicht alles gefallen, droht zur Selbstjustiz zu greifen, als gerade der Farmer, dem Trask am Anfang des Films begegnete und der den Krieg unbeschadet überlebte, von Moseleys Männern brutal malträtiert wird.

Ein kleiner, schnörkelloser Western ist Charles F. Haas mit dem 1956 in Technicolor gedrehten «Showdown at Abilene» gelungen. Gerade mal 77 Minuten benötigt Haas, der mehr für Fernsehserien wie «Bonanza», «Perry Mason» oder «77 Sunset Strip» als fürs Kino arbeitete, lässt seinen Film direkt beginnen und knapp, ohne groß ausgespieltes Happy-End enden.

Obwohl es um einen Rinderbaron geht, sieht man große Herden so wenig wie prächtige Landschaftstotalen. Sichtlich mit kleinem Budget gedreht wurde dieses B-Movie. Mehr Wert als auf Action legt Haas auf die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander. Um Schuldgefühle und daraus resultierenden freiwilligen Verzicht und Hingabe geht es dabei ebenso wie um Streben nach Reichtum – vor allem aber um die Sehnsucht nach einem ruhigen Leben in Frieden.

Bei Koch Media ist «Showdown at Abilene», dessen deutscher Titel «Schüsse peitschen durch die Nacht» nur reißerisch, aber wenig aussagekräftig ist, als 45. Titel der «Western Legenden» erschienen. An Sprachversionen wird die englische Original- und die deutsche Synchronfassung – aber keine Untertitel – angeboten, die Extras beschränken sich auf eine Bildergalerie und ein Booklet mit einem lesenswerten zweiseitigen Artikel von Fritz Göttler, der vor allem auf den Regisseur und die Schauspieler eingeht.

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