Die toten Augen des Dr. Dracula

13.04.2017 Walter Gasperi

Eine Serie von Todesfällen führt einen Inspektor und einen Arzt in ein abgelegenes Dorf. Sie stoßen nicht nur auf Angst und Misstrauen, sondern auch auf einen Fluch, der scheinbar über dem Dorf lastet. Bei Koch Media ist Mario Bavas visuell brillanter Horrorfilm in einer edlen Box auf DVD und Blu-ray erschienen.


Absurd ist der deutsche Titel von Mario Bavas 1966 entstandenem Horrorfilm. Macht der Originaltitel «Operazione Paura» noch gewissen Sinn, so führt «Die toten Augen des Dr. Dracula» völlig in die Irre. Denn abgesehen vom Umstand, dass Dracula sonst nie einen Doktortitel verpasst bekommt, kommt der Fürst der Vampire hier auch gar nicht vor. Erinnerungen weckt der Titel freilich an Fritz Langs Klassiker «Die toten Augen des Dr. Mabuse». Mit diesem verbindet den wohl in England im späten 19. Jahrhundert spielenden Film aber auch nur die alptraumhafte Atmosphäre.

An Dracula lässt freilich der Beginn denken, wenn eine Frau verwirrt durch einen Schlossgarten läuft und schließlich gepfählt wird, als sie sich von einem Turm auf einen Eisenzaun stürzt. Auch die Ankunft des Gerichtsmediziners Dr. Eswai (Giacomo Rossi-Stuart) in einem abgelegenen Dorf, erinnert an Dracula-Filme, doch dies sind auch die einzigen Parallelen.

Eswai soll Inspektor Kroger (Piero Lulli) bei der Ermittlung in einer unheimlichen Todesserie unterstützen und die soeben verstorbene Frau obduzieren. Die Dorfbevölkerung verhält sich den beiden Männern gegenüber aber misstrauisch und versucht die Obduktion zu verhindern. Die Recherchen führen den Arzt und den Inspektor in ein nahe gelegenes Schloss, in dem scheinbar die Wurzeln eines Fluchs liegen, der über dem Dorf lastet.

Mario Bava bedient sich klassischer Motive, wenn er den abergläubischen Dorfbewohnern das rationale Denken der beiden Städter gegenüberstellt – Tim Burton hat sich inhaltlich und atmosphärisch bei «Sleepy Hollow» sichtlich von Bavas Film inspirieren lassen - und spielt zudem mit dem Gegensatz von Schloss und seiner adeligen Bewohnerin und einfacher Dorfbevölkerung. Hass und Angst, die sich aus den sozialen Gegensätzen einst entwickelt haben, sind die zentralen Triebfedern des Handelns.

Wichtiger als die geradlinig erzählte Handlung ist aber, wie Bava erzählt. Mit expressiver Inszenierung wie schnellen Zooms, starken Untersichten und markanten Einstellungen erzeugt er Aufmerksamkeit und akzentuiert Momente. Gothic Horror erster Güte und dichte Atmosphäre wird hier nicht nur mit gleitenden Kamerabewegungen, Bodennebel und engen Gängen erzeugt, sondern mehr noch durch Farb- und Lichtdramaturgie sowie die Ausstattung.

Nicht nur die Protagonisten des Films durchleben hier einen Alptraum und schrecken auch mehrfach aus Träumen hoch, sondern der Film selbst entwickelt eine surreale, traumartige Stimmung. In irreales grünes und blaues Licht und Farben sind hier immer wieder Teile der Einstellungen getaucht, Spinnweben verhängen die Räume, die vielfach wie überfüllte Rumpelkammern wirken.

Surreale Stimmung kommt bei diesem filmisch virtuosen Alptraum auch in einer Verfolgung auf, wenn Eswai immer wieder aufs Neue durch dasselbe Zimmer zu rennen, es durch eine Tür zu verlassen und dann wieder zu betreten scheint, und eine endlos in die Tiefe führende Wendeltreppe deutet ein Abtauchen ins Unterbewusste an.

Bei Koch Media ist «Die toten Augen des Dr. Dracula» als dritter Titel in der «Mario Bava Collection» als Special Edition im edlen Collection-Design erschienen. Auf einer Blu-ray und zwei DVD werden nicht nur jeweils der Film geboten, sondern auch ein Audiokommentar des Filmwissenschaftlers Tim Lucas und Interviews mit mehreren Darstellern sowie eine Bildergalerie und der Trailer. Dazu kommt ein 16-seitiges Booklet mit einem ausführlichen und informativen Text von Marco Koch, dem stellvertretenden Chefredakteur der Zeitschrift «35 Millimeter - Das Retro Filmmagazin».

An Sprachversionen verfügen Blu-ray und DVD über die italienische Originalfassung, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, sowie die englische und die deutsche Synchronfassung.

Trailer zu «Die toten Augen des Dr. Dracula»

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