Life (2017)

28.03.2017 Walter Gasperi

Die Besatzung einer Raumstation entdeckt außerirdisches Leben, doch die Begeisterung kippt bald in pures Entsetzen, als sich das Wesen als äußerst aggressiv erweist. – Die Parallelen zu «Alien» sind unübersehbar, aber immerhin bietet Daniél Espinosa kompaktes spannendes Genrekino.


Groß ist die Begeisterung auf der Internationalen Raumstation ISS, als die Marssonde Pilgrim mit einem Einzeller einen Beweis für außerirdisches Leben bringt. Zeit lässt sich Espinosa mit der Untersuchung dieses Wesens und dem Versuch Kontakt aufzunehmen, baut geschickt Spannung auf, weil man ahnen kann, dass dieses bald rasch wachsende gallertartige Wesen, dem eben noch bei einer Videokonferenz mit der Erde von einem Volksschüler liebevoll der Name Calvin gegeben wurde, eine Gefahr darstellt.

Spannung erzeugt der in Chile geborene und in Schweden lebende Regisseur auch durch die Konzentration auf die Raumstation und ihre sechs Besatzungsmitglieder. Wie schon Morten Tyldum in «Passengers» inszeniert auch Espinosa ein Kammerspiel in den Weiten des Weltraums. Kein Entkommen gibt es aus diesem Huis clos, gleichzeitig bietet das von Metall bestimmte, in Grautöne und Weiß getauchte Setting mit seinen Gängen und Schleusen aber auch viel fürs Auge des Zuschauers.

Sehr stylisch ist «Life» durch Ausstattung (Nigel Phelps) und lange gleitende Kamerafahrten (Seamus McGarvey), die die Schwerelosigkeit vermitteln, majestätisch in den Weltraumbildern und dem Blick auf die ziemlich originalgetreu nachgebaute Raumstation ISS. Nicht abgehoben futuristisch, sondern sehr realistisch wirken somit Schauplatz und Figuren, im Grunde wird aber natürlich mit dem großem produktionstechnischen Aufwand eines A-Films eine klassische B-Film-Story erzählt.

Denn verlegt in den Weltraum ist dies im Grunde nichts anderes als ein waschechtes Home-Invasion-Movie. Auf einen philosophischen Unter- oder Überbau verzichtet Espinosa, verleiht bei der sechsköpfigen Besatzung auch nur dem von Jake Gyllenhaal gespielten Arzt und dem Japaner Sho einen gewissen biographischen Hintergrund, beschränkt sich davon abgesehen auf die Rolle der Figuren im Rahmen ihrer Mission.

Kompaktes Genrekino wird so geboten, bei dem die Action- und Horrorszenen in sicherem Timing mit ruhigeren Momenten wechseln. Vorhersehbar und altbekannt aus Filmen wie Ridley Scotts «Alien» oder John Carpenters «The Thing», ist zwar die Handlung, wenn erwartungsgemäß die Besatzung sukzessive reduziert wird, dennoch gelingt es Espinosa die Spannung hochzuhalten.

Dafür sorgen die schnörkellose Inszenierung und die stringente Handlungsführung mit dem Überlebenskampf der Besatzung als einzigem Thema, ebenso wie einige Wendungen. Zu weit treibt es Espinosa mit letzteren freilich im Finale, wenn diese einzig noch dazu dienen, diese Kinomaschine am Laufen zu halten, aber im Grunde nichts mehr erzählt wird.

Wenig befriedigend ist auch das Ende, das schon ganz offensichtlich auf eine mögliche Fortsetzung angelegt ist, aber von diesen Schwächen abgesehen bietet «Life» immerhin 100 Minuten spannende Unterhaltung mit einigen starken Weltraumbildern.

Läuft derzeit in den Kinos

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