Carnage Park

06.04.2017 Walter Gasperi

Der Titel, der übersetzt «Blutbad / Massaker Park» heißt, deutet schon darauf hin, dass es in Mickey Keatings 2016 gedrehtem Spielfilm blutig zugeht: Ein Psychopath treibt in der kalifornischen Einöde sein Unwesen. Bei Tiberius Film ist der atmosphärisch dichte minimalistische Krimi-Horrorthriller auf DVD und Blu-ray erschienen.


Ein Insert verankert die Handlung im Jahr 1978 und in der wüstenhaften kalifornischen Einöde. Aus dem Off sinniert eine Stimme über die Sparmaßnahmen im Bereich der psychiatrischen Behandlung, und macht die Regierung für die potentiellen Folgen verantwortlich.

Bald kommt der Sprecher ins Bild. Mit Sturmgewehr, auf dem «Born to lose» steht, steht er in der menschenleeren Wüstengegend und macht offensichtlich Jagd auf einen Menschen. Ein blutverschmierter Mann stolpert in der nächsten Einstellung durch die offene Landschaft und wird alsbald vom Jäger eiskalt erschossen.

In die Gegend des Anwesens dieses Wyatt Moss (Pat Healy) verschlägt es aber auch zwei Bankräuber auf der Flucht vor der Polizei. Im Kofferraum führen sie die Farmerstochter Vivian (Ashley Bell) als Geisel mit sich. Während der eine der Bankräuber bald an einer Schussverletzung stirbt, versucht Vivian dem anderen zu entkommen, sieht sich aber bald mit einer größeren Gefahr konfrontiert, als der psychopathische Killer den zweiten Bankräuber erschießt und sie selbst mit Handschellen an den Toten fesselt.

Vivian kann sich zwar befreien, doch ihr Versuch dem offensichtlich vom Vietnamkrieg schwer traumatisierten Killer zu entkommen, lässt sie in der menschenverlassenen Gegend auf immer neue bestialische Gräueltaten stoßen und schließlich in dessen Hütte und Tunnelsystem, das wiederum Assoziationen an die Tunnels der Vietcong im Vietnamkrieg weckt, vordringen.

Nebensächlich ist, dass «Carnage Park» auf einem wahren Fall beruhen soll, hinwegsehen muss man auch über einige dramaturgische Unstimmigkeiten, wichtiger ist schon, wie Keating mit Bild- und Tongestaltung sowie kompakter Inszenierung Spannung erzeugt.

Knackige 80 Minuten ist dieser dreckige und ruppige kleine Low-Budget-Film lang, der mit seinen überzeichneten Charakteren und der Lust an blutigen Szenen sichtlich als Hommage an das Exploitation-Kino der 1970er Jahre angelegt ist.

Ohne Exposition setzt die Handlung ein, konzentriert sich weitgehend auf das Duell zwischen dem Killer und Vivian und spielt abgesehen von wenigen Rückblenden zum Banküberfall ausschließlich in der Einöde. Bestimmen zunächst ganz in Brauntöne getauchte und sonnendurchflutete Bilder der kalifornischen Wüste den Film, so tritt an deren Stelle nach etwa einer Stunde fast völlige Dunkelheit, wenn Vivian in die unterirdischen Gänge vordringt.

Zwar übt Keating nebenbei auch Kritik an Banken, die kleine Farmer ausbeuten, im Zentrum steht aber - auch das ganz in der Tradition des Horrorfilms der 1970er Jahre - das Ziel den Zuschauer in Angst zu versetzen und dicht den Schrecken zu evozieren, den der Terror des Killers auslöst.

Dieser freilich ist wieder stark an die amerikanische Geschichte und die amerikanische Gesellschaft gebunden, denn in der Verteidigung seines Hofes und den bestialischen Morden kann man auch seine persönliche Fortsetzung des Vietnamkriegs sehen.

An Sprachversionen bietet die bei Tiberius Film erschienene Blu-ray und DVD die englische Original- und die deutsche Synchronfassung, die Extras beschränken sich auf den Trailer.

Trailer zu «Carnage Park»

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