Klassiker des Horrorfilms: Universal Monsters

03.04.2017 Walter Gasperi

Frankenstein, Dracula, The Wolf Man – Geschaffen und geprägt wurden diese klassischen Figuren des Horrorfilms in den frühen 1930er Jahren durch die Filme der Universal Studios. Zahllose Fortsetzungen, Ableger, Remakes und Parodien folgten, ein Wiedersehen mit den Originalen ermöglicht nun eine Filmreihe im Berner Kino Rex.


Schon in den 1920er Jahren drehten die Universal Studios mit «The Phantom of the Opera» (1925) und «The Hunchback of Notre Dame» (1923) erste Horrorfilme. Lon Chaney, der die Masken für diese Rollen selbst kreierte, wurde dadurch zum Star. Zum wirklichen Durchbruch des Genres kam es jedoch Anfang der 1930er Jahre.

Kein Zufall ist es wohl dass diese erste Blüte des Horrorfilms mit den Folgen der Weltwirtschaftskrise zusammenfiel. Der Horror des Alltags mit Not und Arbeitslosigkeit wurde auf der Leinwand gespiegelt, gleichzeitig konnte man – wie David J. Skal in seinem Buch «The Monster Show» darlegt - in einem missgestalteten Außenseiter wie Frankensteins Monster auch eine Metapher für die physischen Verletzungen des Ersten Weltkriegs, die im Alltag präsent waren, sehen.

Wie die Wirtschaftskrise die Existenz der amerikanischen Familie bedrohte, so bedrohte auf der Leinwand das Fremde die Helden. Ein galanter – freilich nicht amerikanischer, sondern osteuropäischer – Verführer ist in Tod Brownings «Dracula» (1931) der Fürst der Vampire. Er will in diesem Film, der als «The Strangest Love Story of All» angekündigt wurde, ebenso eine junge Engländerin verführen, wie der wieder zum Leben erwachte altägyptische Priester Im-Ho-Tep in Karl Freunds «The Mummy» (1932).

Als verletzliche kindliche Kreatur legt dagegen der Brite James Whale das «Monster» in «Frankenstein» (1931) an, aggressiv agieren hier vielmehr die Menschen, die das Andersartige nicht tolerieren und bekämpfen. Verschärft hat Whale, der mit der H. G. Wells-Verfilmung «The Invisible Man» (1933) einen weiteren Klassiker der «Universal Monsters» schuf, diesen Aspekt noch in der Fortsetzung «The Bride of Frankenstein» (1935) und man darf annehmen, dass er damit durchaus auch seine Situation als offen Homosexueller in Hollywood verarbeitete.

Geprägt wurde dabei das Bild dieser klassischen Horror-Figuren auch durch die markante Besetzung. Der aus dem heutigen Rumänien stammende Bela Lugosi wurde sein Leben lang ebenso mit Dracula identifiziert wie Boris Karloff mit Frankensteins Geschöpf. Für den unverwechselbaren Stil der Filme sorgte aber auch ein Team von Spezialisten, das fast ausschließlich für das Horror-Genre arbeitete. Wie die Stars auf ihre Rollen fixiert waren, so wurden auch Nebenrollen wie die der verrückte Wissenschaftler, die alte Zigeunerin oder die verfolgte unschuldige junge Frau immer von den gleichen Schauspielern verkörpert.

Unübersehbar ist aber auch in der Kameraarbeit des Deutschen Karl Freund bei «Dracula» und «The Mummy» der Einfluss des deutschen Expressionismus. Großen Wert wurde auf stimmungsvolle Schwarzweißfotografie und atmosphärische Dichte gelegt.

Der Erfolg der Originale führte bald zu Fortsetzungen, in denen Söhne und Töchter der Monster im Zentrum standen, doch mit der Verschärfung der Zensur in den USA im Jahre 1934 wurde der Horrorfilm zunehmend zurückgedrängt und Universal zog sich aus diesem Genre zurück.

Als sich «Dracula» und «Frankenstein» bei einer Wiederaufführung 1938 aber zum großen Erfolg entwickelten, wurden neue Projekte in Angriff genommen, deren Erfolg eine zweite Horrorfilmwelle auslöste. Als neue Hauptfigur wurde «The Wolf Man» (George Waggner, 1941) geschaffen, der von Lon Chaney Jr. gespielt wurde.

Kurz währte aber dieser Boom, brach mit Ende des Zweiten Weltkriegs ab, erlebte aber in den 1950er Jahren mit der atomaren Bedrohung mit den Filmen von Jack Arnold eine neue Blüte. Einen Klassiker schuf dieser Meister des B-Films nicht nur mit dem Tierhorror «Tarantula» (1955), sondern auch mit «Creature from the Black Lagoon» (1954), in dem Forscher am Amazonas auf einen vorzeitlichen Kiemenmenschen stoßen. Wie bei Lugosis – und später Christopher Lees – Dracula gehen dabei Horror und Erotik Hand in Hand, wenn dieser Kiemenmensch sich in eine junge Amerikanerin verliebt, sie aus dem Wasser beobachtet und parallel zu ihr unter Wasser schwimmt.

Schrecken mögen diese Filme und ihre Monster kaum mehr verbreiten. Zu oft wurden sie schon kopiert und parodiert, sind dadurch aber auch längst zu Ikonen der Filmgeschichte geworden. Immer noch faszinieren sie und auch Universal glaubt offensichtlich nach wie vor an die Zugkraft dieser Figuren: Ein Remake von «The Mummy» (Alex Kurtzman) ist abgedrehte und wird am 9. Juni in die Kinos kommen und Neuverfilmungen unter anderem von «The Wolf Man», «Creature from the Black Lagoon» «The Invisible Man» sind geplant.

Trailer zu «The Bride of Frankenstein»

  • Dracula (Tod Browning, 1931)
  • Frankenstein (James Whale, 1931)
  • The Mummy (Karl Freund, 1932)
  • The Invisible Man (James Whale, 1933)
  • The Wolf Man (George Waggner, 1941)
  • Creature from the Black Lagoon (Jack Arnold, 1954)
  • The Mummy (Alex Kurtzman, 2017)

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