Susanne Kircher-Liner in der Bludenzer Gallerie Allerart

06.03.2017

Im Werk der 1976 in Tirol geborenen Künstlerin Susanne Kircher-Liner verschränkt sich auf bildnerische Weise gleichsam die analoge mit der digitalen-wissenschaftlichen Welt. Kircher-Liner, die an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert hat, malt und zeichnet zwar in klassischer Tradition, stellt in und mit ihren Arbeiten aber durchaus auch naturwissenschaftliche und informationstechnologische Fragen. Nicht von ungefähr übertitelt sie ihre Ausstellung in der Galerie Allerart in der Bludenzer Remise mit «Schnittstelle». Eine Schnittstelle, englisch Interface, verkörpert den Verbindungspunkt von einem System in ein anderes.


Ein zentrales Anliegen der Tirolerin ist es, ihre Arbeiten stets mit vielen Informationsebenen zu überlagern. Wobei sie das Werk selbst eben auch als Schnittstelle zwischen Künstler und Betrachter ansieht. Und um zu sehen, muss die Information letztlich über materielle Schnittstellen ins Gehirn übertragen werden.

Anhand von Gemälden wie etwa «Dolly» oder «Schlaflabor», die verkabelte (Kinder)Köpfe darstellen, wird die zunehmende Auflösung der Grenzen zwischen realer und virtueller Welt evident. Über die Anzapfung der Gehirnströme versuchen Wissenschaftler der Komplexität des Denkens auf die Schliche zu kommen. Andererseits wird versucht, die billionenfach vernetzten Gehirnzellen als Vorbild für intelligente Maschinen (neuronale Netze) heranzuziehen. Der US-amerikanische Informatikriese IBM beispielsweise arbeitet erfolgreich daran, seinem softwarebasierten Supercomputer «Watson» kognitives Denken beizubringen.

In einigen Werken versucht die Tiroler Künstlerin auch, den Speicherprozess in der Bildmaterialität sichtbar zu machen. Und zwar verwendet sie fluoreszierende Pigmente, die die Information Licht in die Dunkelheit übertragen. «Das fluoreszierende Material repräsentiert den Prozess des Denkens, der Aktivität im Gehirn. Die fluoreszierende Masse steht für die 100 Billionen (1014) neuronalen Schnittstellen im Denkorgan, über die eine Nervenzelle in Kontakt zu einer anderen Zelle steht,» erläutert Kircher-Liner.

Die Hauptarbeit in der Galerie Allerart trägt den Titel «Gully». Bei dieser 120 mal 180 Zentimeter grossen Öl und Acryl auf Leinwand Arbeit verfolgt die Künstlerin anhand von aufgeschäumter Farbe das bereits schon früher aufgegriffene Thema des Bläschenbildens weiter. Kircher-Liner: «Eine Reaktion vom Zusammenschliessen mehrerer Blasen ist das Verbinden zu jederzeit kleinsten Oberflächen zwischen Punkten und Kanten. Die dabei entstehende Membran der zusammen-geschlossenen interagierenden Blasen wölbt sich, je nach Innendruck der Seifenblase, in das jeweilige Gegenüber. In der grossen Menge zu Schaum verdichtet, bildet sich dabei eine architektonische Konstruktion mit unzähligen Schnittstellen. Diese Konstruktionen und Schnittstellen sind in ähnlicher Form im Mikro- und Makrokosmos, in den kleinsten (Zellbiologie) bis zu den grössten Strukturen des Weltalls (Astrophysik und Kosmologie) wiederzufinden.»

So versucht die Künstlerin durch die Kombination von organischen Formen und Materie Bezüge zwischen wissenschaftlichen Erkenntinissen und der menschlicher Existenz herzustellen. Sie deutet in diesem Zusammenhang auch an, dass die Seifenblase bereits «in der barocken Kunst wegen ihrer Schönheit aber auch Flüchtigkeit als endliche Zeitraumdarstellung verwendet wurde und somit auf die Endlichkeit dieser Schnittstellen und des Lebens verweist». Von den Betrachtern erhofft sie, dass sie anhand ihrer eigenen Erinnerungen und Erfahrungen, ihrem materiellen Wissen und ihren Gefühlen und im Dialog mit den Bildern in ihren Vorstellungen ganz eigene Welten erstehen lassen.

Neben Öl-Acryl-Bildern zeigt Kircher-Liner auch Zeichnungen in Bludenz. Sie stehen autonom für sich und befinden sich von der Wertigkeit her auf Augenhöhe mit den gemalten Werken. Die Zeichnungen ergänzen die naturwissenschaftlichen Themen, die die Tirolerin mit den Gemälden anstösst. Für sie sind es «Baupläne innerkörperlicher Empfindungen». Aus der weissen Fläche des Bildträgers heraus arbeitet sie sich gleichsam in die Gefühlswelt voran.


Susanne Kircher-Liner: Schnittstelle
10. März bis 23. April 2017
Eröffnung: 9. März, 20 Uhr

Galerie Allerart
Am Raiffeisenplatz 1
A-6700 Bludenz
T: 0043 (0)664 500 55 36
W: www.allerart-bludenz.at


Öffnungszeiten

Mi bis Sa, So u. Fe: 15 - 18 Uhr

 

  • Dolly, 2015. Öl und Acryl auf Leinen
  • Gully, 2017. Öl und Acryl auf Leinwand
Galerie Allerart
Am Raiffeisenplatz 1
A-6700 Bludenz
T: 0043 (0)664 500 55 36
W: www.allerart-bludenz.at


Öffnungszeiten

Mi bis Sa, So u. Fe: 15 - 18 Uhr

 

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