Der erste schwarze Hollywoodstar: Zum 90. Geburtstag von Sidney Poitier

20.02.2017 Walter Gasperi

Mit zahlreichen Rollen wurde Sidney Poitier in den 1950er und 1960er Jahren zum Vorbild für das friedliche Zusammenleben von Schwarz und Weiß. Als erster schwarzer Schauspieler gewann er 1964 den Oscar für den besten Hauptdarsteller und gehörte Ende der 1960er Jahre zu den bestbezahlten Schauspielern Hollywoods. Am 20. Februar wird der 1974 von der Queen zum «Sir» erhobene Star 90.


Bis in die 1950er Jahre waren Afroamerikaner im Hollywoodkino auf Nebenrollen reduziert, durften fast nur Diener, Chauffeure, Kellner und Dienstmädchen spielen, die den Stars zuspielen mussten. Wenig verwunderlich ist somit auch, dass gerade Hattie McDaniel für ihre Verkörperung eines Dienstmädchens in «Gone With the Wind» (1939) als einzige Afroamerikanerin mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.

Auch für Sidney Poitier war der Weg ins Filmgeschäft nicht einfach, stammte er doch aus einer armen Familie von den Bahamas. Da er aber während eines Floridaaufenthalts der Eltern geboren wurde, hatte er von Geburt an neben der Staatsbürgerschaft der Bahamas auch die der USA. Mit 13 musste er aufgrund der Armut der Eltern die Schule verlassen, wurde mit 15 zu seinem Bruder nach Miami geschickt, wo er sich mit verschiedenen Gelegenheitsjobs durchschlug.

Mit 18 ging er nach New York und spielte bald in Harlem beim America Negro Theatre, ehe ihm der Sprung an den Broadway und 1950 nach Hollywood gelang. Seine Hautfarbe prädestinierte ihn für Filme, in denen das Rassenthema diskutiert wurde. In Joseph L. Mankiewicz «No Way Out» («Der Hass ist blind», 1950) trifft er als junger Arzt auf einen weißen Rassisten (Richard Widmark), in Richard Brooks «The Blackboard Jungle» («Die Saat der Gewalt», 1955) spielt er einen aggressiven Afroamerikaner, den ein verständnisvoller Lehrer (Glenn Ford) zur Erkenntnis bringt, dass Gewalt keine Lösung ist.

Zu den Klassikern gehört Stanley Kramers «The Defiant Ones» («Flucht in Ketten», 1958), in dem ein schwarzer und ein rassistischer weißer Häftling gemeinsam flüchten und aufeinander angewiesen sind, da sie aneinander gekettet sind. Kramer, der immer ein Spezialist für Filme zu einem Thema war, drehte mit Poitier auch knapp acht Jahre später «Guess Who's Coming to Dinner» (1967), in dem eine junge Frau aus gutem Hause vor der schwierigen Aufgabe steht, ihren Eltern ihren farbigen Freund vorzustellen. Erstmals gibt es in diesem Hollywoodfilm auch einen Kuss zwischen einer Weißen und einem Farbigen zu sehen – wenn auch verschämt nur durch den Rückspiegel eines Taxis.

Die Rollen von Poitier waren nie kämpferisch, sondern zielten immer auf ein harmonisches Zusammenleben der Ethnien ab. Zum Vorbild wurde er so für die einen, aber auch angegriffen von kämpferischen Gruppierungen. Prototypisch für dieses Streben nach Harmonie ist Ralph Nelsons «Lilies of the Field» ( 1963), in dem Poitier einen Gelegenheitsarbeiter spielt, der aus der DDR nach Arizona geflohenen Nonnen beim Aufbau einer Kirche hilft. Für diese Verkörperung des Homer Smith wurde Poitier 1964 als erster afroamerikanischer Schauspieler mit dem Oscar für den besten Hauptdarsteller ausgezeichnet.

Damit gehörte er endlich zu den großen Stars Hollywoods und mit Norman Jewisons meisterhaftem Polizeithriller «In the Heat of the Night» (1967), in dem Poitier als Detective Virgil Tibbs in einem Mordfall in Mississippi ermittelt und sich dabei gegen einen rassistischen lokalen Polizisten (Rod Steiger) behaupten muss, folgte ein weiterer Welterfolg, der auch zwei Fortsetzungen nach sich zog.

In den 70er Jahren verlegte sich Poitier mehr auf die Regie und inszenierte bis 1990 neun Spielfilme, seine letzte Kinorolle spielte er 1997 in Michael Caton-Jones Remake des Thrillers «The Jackal». Bis 2001 trat er noch in Fernsehfilmen auf und wurde 2002 – im Jahr als mit Denzel Washington und Halle Berry sowohl der Oscar für den besten männlichen als auch der für die beste weibliche Hauptdarstellerin an Afroamerikaner ging - mit einem Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Schon 1974 erhielt er als Bürger der Bahamas und damit Teil des britischen Commonwealth von der Queen den Orden Knight Commander of the Britisch Empire, der mit der Anrede «Sir» verbunden ist. 1997 wurde er von den Bahamas zum Botschafter in Japan ernannt, übte diese Aufgabe aber nur pro forma aus und 2009 zeichnete ihn Barack Obama mit der Presidential Medal of Freedom aus.

Oscarverleihung an Sidney Poitier für «Lilies of the Field»

  • Sidney Poitier (geb. 20.2. 1927)
  • No Way Out (Joseph L. Mankiewicz, 1950)
  • The Defiant Ones (Stanley Kramer, 1958)
  • Lilies of the Field (Ralph Nelson, 1963)
  • Guess Who's Coming to Dinner (Stanley Kramer, 1967)
  • In the Heat of the Night (Norman Jewison, 1967)

artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.