Cary Grant - Der Inbegriff des charmanten und kultivierten Mannes von Welt

06.02.2017 Walter Gasperi

Raue Kerle waren nicht die Sache des 1904 geborenen Cary Grant. Komödien und elegante Thriller waren sein Terrain und seine Regisseure hießen dabei immer wieder Alfred Hitchcock und Howard Hawks, seine Partnerinnen unter anderem Katharine Hepburn, Ingrid Bergman und Grace Kelly. Das Filmpodium Zürich würdigt den 1986 verstorbenen Schauspieler mit einer Retrospektive.


Als Alexander Archibald Leach wurde Cary Grant 1904 in England geboren. Man könnte annehmen die Distinguiertheit, die sein Spiel und seine Rollen kennzeichnet, komme von dieser Herkunft. Doch Grant stammte aus einer sehr einfachen Familie, verlor früh den Vater, während die Mutter wegen psychischer Probleme mehrere Jahre in einer Heilanstalt verbrachte. Schon mit 13 verließ er die Schule und schloss sich einer Schauspieltruppe an. Während einer US-Tournee blieb er in den Staaten und erhielt 1932 einen Vertrag bei Paramount.

Schon in diesem Jahr trat er in sieben Filmen auf, spielte in «Blonde Venus» (1932; Regie: Josef von Sternberg) an der Seite von Marlene Dietrich und fungierte ein Jahr später in «She Done Him Wrong» (Regie: Lowell Sherman) und «I´m no Angel» (Regie: Wesley Ruggels) als Kontrastfigur zu Mae West. Den Studio-Vertrag, der 1937 auslief, verlängerte er nicht und wurde so der erste Hollywood-Star, der sich an kein Studio band.

Ideale Rollen boten ihm die in großbürgerlich-städtischem Ambiente spielenden Screwball-Komödien. Da waren Grants weltmännisches Auftreten und sein Charme gefragt. Zahlreich sind die großen Filme, in denen er Ende der 1930er und Anfang der 1940er Jahre spielte, herausragend Leo McCareys «The Awful Truth» (1937), George Cukors «The Philadelphia Story» («Die Nacht vor der Hochzeit», 1941) und natürlich seine Filme mit Howard Hawks.

Da durfte oder musste Grant in den Komödien sein Image des souveränen Weltmanns auch konterkarieren, in «Bringing Up Baby» («Leoparden küsst man nicht», 1938) und «Monkey Business» («Liebling, ich werde jünger», 1952) einen weltfremden und lebensunfähigen Archäologen bzw. Chemiker spielen oder in «His Girl Friday» («Sein Mädchen für besondere Fälle», 1940) einen gerissenen Reporter.

Schlecht vorstellen kann man sich diesen schlaksigen Städter mit seinem markanten Kinn dagegen in einem Western oder einem Gangsterfilm und auch der düstere Film noir war kaum sein Genre. In Abenteuerfilmen kann man ihn dagegen durchaus bewundern, als Leiter einer abgelegenen Postflugstation in Howard Hawks´ «Only Angels Have Wings» (1938) ebenso wie in George Stevens Indien-Abenteuer «Gunga Din» (1938).

Mehr als mit diesen Rollen ist Grant neben seinen Komödien aber durch die Thriller Alfred Hitchcocks in Erinnerung. «Suspicion» (1941), «Notorious» (1946), «To Catch a Thief» (1955) und «North by Northwest» (1959) sind die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit und Grant zur Seite standen als Partnerinnen Joan Fontaine, Ingrid Bergman, Grace Kelly und Eve Marie Saint.

Charmant, aber immer auch nicht ganz durchschaubar sind die Figuren Grants in diesen Filmen, der Gatte in «Suspicion», der von seiner Frau der Mordabsichten verdächtigt wird – und diesen im Film nur deshalb nicht begeht, weil das zum Ruf des Stars nicht gepasst hätte -, der amerikanische Agent in «Notorious», der Gentleman-Dieb in «To Catch a Thief» und der Werbefachmann in «North by Northwest», der seine Unschuld beweisen muss.

Das Image des – zunehmend alternden – Charmeurs pflegte er wiederum in den Filmen, in denen er in den 1950er und frühen 1960er Jahren unter der Regie von Stanley Donen spielte, in «Indiscreet» (1958) und «The Grass Is Greener» («Vor Hausfreunden wird gewarnt», 1960), aber auch in Delbert Manns «That Touch of Mink» (1962). Und auf den Spuren Hitchcocks wandelte Grant nochmals in Stanley Donens in dem komödiantischen Spionagefilm «Charade» (1963).

Als idealer Darsteller für James Bond wurde er gehandelt, doch dieses Angebot lehnte er ebenso ab wie das für die Rolle des Humbert Humbert in Kubricks Nabakov-Verfilmung «Lolita» (1962) und auch Hitchcock konnte ihn nicht mehr für die Hauptrolle in «The Birds» (1963) gewinnen.

1966 beendete Grant mit «Walk, Don´t Run» (Regie: Charles Walters) seine Karriere, arbeitete als Vorstandsmitglied eines Kosmetikkonzerns, heiratete 1981 zum fünften Mal und starb 1986 im Alter von 82 Jahren an einem Schlaganfall.

Trotz seines Starruhms gewann dieser Inbegriff des kultivierten Manns von Welt, dessen Nachfolge George Clooney angetreten hat, nur einen Ehrenoscar (1970), aber keinen für eine spezielle Rolle. Wie angesehen er aber war und immer noch ist, zeigt sich auch daran, dass er vom American Film Institute 1999 hinter Humphrey Bogart auf Platz zwei der größten männlichen Filmstars aller Zeiten gewählt wurde.

Ausschnitt aus «Binging Up Baby» («Leoparden küsst man nicht»)

Filmpodium Zürich
Nüschelerstrasse 11
CH-8001 Zürich
T: 0041 (0)44 211 66 66
E: info@filmpodium.ch
W: http://www.filmpodium.ch
  • Cary Grant (1904 - 1986)
  • Blonde Venus (Josef von Sternberg, 1932)
  • Bringing Up Baby (Howard Hawks, 1938)
  • Only Angel Have Wings (Howard Hawks, 1939)
  • The Philadelphia Story (George Cukor, 1941)
  • To Catch a Thief (Alfred Hitchcock, 1955)
  • North by Northwest (Alfred Hitchcock, 1959)
  • Charade (Stanley Donen, 1963)
Filmpodium Zürich
Nüschelerstrasse 11
CH-8001 Zürich
T: 0041 (0)44 211 66 66
E: info@filmpodium.ch
W: http://www.filmpodium.ch

artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.