Sabotage

23.02.2017 Walter Gasperi

Nach Joseph Conrads Roman «The Secret Agent» erzählt Alfred Hitchcock von einem Mann, der mit Sabotageakten in London Angst und Verunsicherung schüren will. Bei Lighthouse Film ist der 1936 entstandene Thriller in digital restaurierter Fassung auf Bluray erschienen.


Mit meisterhaften Thrillern wie «The 39 Steps» (1935) und «A Lady Vanishes» (1938), aber auch mit «Sabotage» (1936) empfahl sich Alfred Hitchcock (1. Teil) (2.Teil) im England der 1930er Jahre für Hollywood, wo er ab 1940 zahlreiche Klassiker der Filmgeschichte drehte.

Die Geschichte von «Sabotage», für den Hitchcock Conrads Roman «The Secret Agent» ins London der 1930er Jahre verlegte, ist einfach gebaut. Von Anfang an ist klar, dass sich hinter dem Kinobesitzer Verloc (Oskar Homolka) in Wahrheit ein Saboteur verbirgt. In seinem Doppelleben ist dieser eine klassische Hitchcock-Figur wie Norman Bates in «Psycho» (1960) oder der nette Onkel Charlie in «Shadow of a Doubt» (1943). Früh wird auch schon aufgedeckt, dass der nette Mann vom Gemüseladen nebenan (James Loder) in Wahrheit ein Mitarbeiter von Scotland Yard ist, der Verloc überwachen soll.

Mit einem den Film eröffnenden Wörterbuchauszug, in dem der Begriff «Sabotage» erklärt wird, wird auch gleich das zentrale Thema vorgestellt, doch die sich unmittelbar daran anschließende erste Aktion des Saboteurs ruft bei der Londoner Bevölkerung mehr Gelächter als Verunsicherung hervor. Dies soll sich mit einem zweiten großen Anschlag ändern, bei dem der feige Verloc den kleinen Bruder seiner Frau (Sylvia Sidney) einspannt.

Ein Lehrstück in Hitchcockschem Suspense ist diese Szene. Während der Junge nämlich nichts von der Bombe weiß, die er bei sich trägt und zum Piccadilly Circus bringen soll, ist der Zuschauer darüber informiert, weiß auch, dass diese Bombe zu einem bestimmten Zeitpunkt explodieren wird. Gesteigert wird die Spannung zusätzlich noch dadurch, dass der Junge auf seinem Weg immer wieder aufgehalten wird und gleichzeitig weisen Uhren auf das Näherrücken der Explosion hin.

Virtuosität beweist Hitchcock aber auch in einer Mordszene, die ganz ohne Worte auskommt, aber spüren lässt, wie langsam beim Schneiden von Fleisch einerseits Mordgedanken aufkommen, andererseits auch das Opfer erkennt, was ihm droht. Mit meisterhafter Montage, durch die alles erzählt wird, wechselt Hitchcock zwischen Großaufnahmen des Opfers und des Täters und Zwischenschnitten auf das Fleischmesser, das zur Tatwaffe wird.

Nicht fehlen darf freilich auch eine zarte Liebesgeschichte, die sich zwischen dem Beamten von Scotland Yard und Verlocs Frau entwickelt. In typischer Hitchcock-Manier findet dabei auch eine Schuldübertragung statt, denn ungesühnt bleibt ein Verbrechen, weil es durch ein anderes verdeckt wird. Wie freilich der Täter/die Täterin und der Mitwisser mit der Schuld leben werden, lässt der Master of Suspense geschickt offen.

An Sprachversionen bietet die bei Lighthouse Film erschienene Bluray die englische Originalfassung, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, sowie die deutsche Synchronfassung. Extras fehlen leider gänzlich.

Ausschnitt: Die Lieferung der Bombe

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