Worlds Apart

24.01.2017 Walter Gasperi

Anhand von drei Liebesgeschichten zeichnet Christopher Papakaliatis schlaglichtartig ein Bild des von Krisen geschüttelten Griechenlands von heute. Gefällig inszeniert und stark gespielt bleibt bei diesem griechischen Kassenschlager aber leider vieles mehr Behauptung statt wirklich spürbar zu werden.


Mit 700.000 Eintritten verzeichnete «Worlds Apart» in Griechenland mehr Eintritte als «Star Wars». Radikale Filmkunst, mit der Yorgos Lanthimos und andere Vertreter der «Neuen Griechischen Welle» in den letzten Jahren international für Aufsehen sorgten, darf man somit kaum erwarten, sondern schon eher massentaugliche Unterhaltung.

Diese bietet Christopher Papakaliatis auch mit seinen drei hintereinander erzählten Liebesgeschichten, die schließlich auf ziemlich unglaubwürdige, ja geradezu brutale Weise miteinander verknüpft werden. Die drei Paare, um die die Episoden «Boomerang», «Loseft 50mg» und «A Second Chance» kreisen, öffnen dabei mit zwei jungen Erwachsenen, zwei etwa 40-Jährigen und zwei Rentner nicht nur den Blick auf drei Generationen, sondern erzählen jeweils auch von Beziehungen über nationale Grenzen und Kommunikationsprobleme hinweg.

Da verliebt sich in der ersten Episode die junge Studentin der Politikwissenschaften Daphne in den syrischen Flüchtling Farris, der sie vor einer drohenden Vergewaltigung gerettet hat. Gleichzeitig ist die Liebe aber bedroht durch eine faschistische griechische Bürgerwehr, die, frustriert über die ökonomische Krise, ihre Wut an den Flüchtlingen auslässt.

In der zweiten Episode entwickelt sich aus einem One-Night-Stand eine Beziehung zwischen dem griechischen Büroangestellten Giorgos, der angesichts von Eheproblemen ohne Antidepressiva nicht mehr leben kann, und der schwedischen Unternehmensberaterin Elise, die Umstrukturierungen – respektive also Entlassungen – im Betrieb von Giorgos vornehmen soll.

Im Mittelpunkt der dritten Episode stehen schließlich die griechische Hausfrau Maria, die immer wieder vor dem Supermarkt steht, dessen Lebensmittel sie sich nicht mehr leisten kann, und dem pensionierter deutschen Historiker Sebastian.

In allen drei Geschichten muss die Kommunikation aufgrund der sprachlichen Barrieren auf Englisch geführt werden. Ein Rätsel bleibt freilich, wieso der deutsche Historiker vom Amerikaner J. K. Simmons – und nicht von einem deutschen Schauspieler – gespielt wird. So fern sich freilich die Menschen von ihrer Herkunft und ihrer sozialen Position her sein mögen, so schwer sie die aktuelle Lage belastet, so lässt doch die Liebe eine glückliche Zukunft als möglich erscheinen. In diesen tristen Zeiten ist sie der Wert, der Hoffnung schenkt.

Betont wird ihre Kraft durch die Bezugnahme auf den antiken Gott Eros und den Mythos von «Eros und Psyche», der in allen drei Episoden angeschnitten und vom Historiker schließlich ausformuliert wird. In dieser letzten Episode wird auch immer wieder die fundamentale Bedeutung des antiken Griechenland und der griechischen Geschichte, mit der sich der Historiker in der Nationalbibliothek beschäftigt, herausgestrichen und der heutigen Situation gegenübergestellt. «Second Chance» gilt so nicht nur für die Liebe der Rentner, sondern verbreitet auch Hoffnung auf einen Aufbruch Griechenlands aus den Trümmern.

Schlaglichtartig streift Papakaliatis, der in der mittleren Episode auch den Büroangestellten spielt, so mehrere Problemfelder von der prekären Situation des einfachen Bürgers über Massenentlassungen und daraus resultierende Selbstmorde bis zum grassierenden aggressiven Nationalismus und der Flüchtlingskrise.

Diese breite Streuung, aber auch die Hoffnung, die «Worlds Apart» letztlich verbreitet, dürfte den großen Erfolg des Films erklären, unübersehbar zu viel hat Papakaliatis damit aber auch hineingepackt. Da mögen die Schauspieler noch so überzeugend spielen, einfühlsam die schwierige Situation ihrer Figuren vermitteln, so bleibt in der Fülle doch vieles ausgesprochen holzschnittartig, bleibt mehr Behauptung als wirklich ausformuliert zu werden.

Nicht aus den Liebesgeschichten heraus entwickeln sich hier die Einblicke in die Problemfelder, sondern vielmehr sind die Episoden gerade darauf angelegt, um etwas zu beweisen und zu demonstrieren. Konstruiert ist zweifellos jeder Film, doch hier bleibt die Konstruktion immer spürbar.

In sich funktionieren die Geschichten durchaus, bewegen, ohne in Sentimentalität abzugleiten. Unglaubwürdig wirkt aber, wie Elise und Giorgos zueinander finden und nur schwer vorstellen kann man sich auch, dass sich vor dem Supermarkt eine Beziehung zwischen einem deutschen Historiker und einer griechischen Hausfrau entwickelt.

So bleibt insgesamt ein durchaus gefällig inszenierter, unterhaltsamer und in der Verknüpfung von individuellen Geschichten und gesellschaftlicher und politischer Situation interessanter Film, doch es bleibt auch das Gefühl zurück, dass hier mehr drinnen gewesen wäre.

Läuft derzeit im Takino Schaan und im Kinok in St. Gallen

Trailer zu «Worlds Apart»

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