The Great Wall

17.01.2017 Walter Gasperi

Der Titel lässt einen Historienfilm erwarten, doch Zhang Yimou nützt die legendäre chinesische Mauer nur als Hintergrund für ein Action- und Fantasyspektakel. Der Chinese demonstriert sein Gespür für Massenszenen und Farbdramaturgie, arbeitet auch effektvoll mit 3D, doch die Handlung ist ziemlich formelhaft und hohl. Immerhin sorgen zahlreiche Actionszenen für kurzweilige 100 Minuten.


Auf Fakten zur Chinesischen Mauer folgt schon der Hinweis auf die zahlreichen Legenden, die mit dem berühmten Bauwerk zusammenhängen. Einzig das Interesse von Europäern an dem in China schon früh erfundenen Schwarzpulver dürfte so bei dieser chinesisch-amerikanischen Koproduktion sein neben der Mauer an sich eine historische Komponente sein.

Gezielte Marketingstrategie ist diese Zusammenarbeit freilich, denn während Matt Damon als Hauptdarsteller im Westen das Publikum ins Kino locken soll, soll die geographische Verankerung der Geschichte im Reich der Mitte in China für Zuschauerinteresse sorgen.

Das Interesse am Schwarzpulver hat den britischen Abenteurer William (Matt Damon) und seinen spanischen Freund Pero (Pedro Pascal) mit drei weiteren Begleitern nach China geführt. Während diese drei Begleiter bei einem nächtlichen Angriff von einem mehr hörbaren als sichtbaren Ungeheuer getötet werden, kann William dem mysteriösen Wesen ein Bein abschlagen. Als sie auf der Flucht vor einem Bergvolk an die Große Mauer gelangen, werden sie von der Armee und ihrer Kommandantin Lin gefangen genommen.

Williams Erzählung über die Besiegung des Ungeheuers verbreitet bei den Führern Angst und bald erfolgt auch ein massiver Angriff von zahllosen Echsen. Dieser kann aber vorerst auch aufgrund des Einsatzes von William, der sich dadurch Respekt erwirbt, abgewehrt werden. Aber so schnell wird das von einer Königin geleitete Heer der Echsen nicht klein beigeben.

Doch nicht nur die Chinesen sind von William beeindruckt, der in der Halle des Palastes seine Künste als Bogenschütze à la Robin Hood demonstriert und «sich geehrt fühlt, geehrt zu werden», sondern auch er ist fasziniert von der Loyalität der Chinesen und ihrem Einsatz für das Gemeinwesen und ihrer Opferbereitschaft.

So wandelt er sich zum Helden, der uneigennützig für die Verteidigung des Reiches kämpft, während sein Freund zusammen mit einem zweiten, seit Jahren in China lebenden Europäer (Willem Dafoe) weiter die Flucht und den Diebstahl des Schwarzpulvers plant.

Die Handlung ist ausgesprochen simpel gestrickt und wirkt schablonenhaft aus klassischen Versatzstücken zusammengebastelt. Praktisch nur Füllmaterial ist sie für spektakuläre Actionszenen mit Einsatz von Brandbomben und Dynamit und mit Zweikämpfen gegen die Echsen, die an die Legende vom Heiligen Georg erinnern.

Effektvoll setzt Zhang Yimou, der um 1990 mit «Gelbes Kornfeld» und «Rote Laterne» dem chinesischen Film zu Triumpfen auf internationalen Filmfestivals verhalf und bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking die Eröffnungs- und Abschlussfeier inszenierte, aber auch 3D ein. Er sorgt damit dafür, dass man als Zuschauer im Kinosessel mehr als einmal vor den angreifenden Echsen oder den fliegenden Messern zurückweicht.

Unübersehbar mit dem Computer gearbeitet wurde bei den Landschaftsaufnahmen ebenso wie bei Massenszenen, spektakuläre Bilder gelingen dem Chinesen dabei dennoch immer wieder. Dazu trägt auch die Kameraarbeit bei, die zwischen Totalen und Großaufnahmen wechselt und immer wieder auch direkt die Perspektive eines fliegenden Pfeils oder Brandgeschosses übernimmt.

Sein Gespür für Farbdramaturgie demonstriert Yimou, wenn gelben Fußtruppen, rote Bogenschützen und blaue Kämpferinnen, die wie beim Bungee-Jumping an einem Seil befestigt todesmutig von der Mauer springen, um die Echsen im Nahkampf zu besiegen.

Immer wieder neue Techniken fährt Yimou auf, wenn bald versucht wird Echsen mit Widerhaken zu fangen, bald die Mauer einen Spalt in die Höhe gehoben wird, um mit rotierenden Messern den Angreifern tödliche Verletzungen zuzufügen und schließlich auch Heißluftballone eingesetzt werden.

Leerlauf kommt so kaum auf, andererseits bleibt «The Great Wall» auch ganz dem oberflächlichen Spektakel verhaftet. Außer Matt Damons William wird hier keine Figur differenzierter gezeichnet, offen bleibt wie Willem Dafoe nach China kam, auch die chinesische Kommandantin Lin dient in erster Linie als optischer Aufputz und um eine Liebesgeschichte zwischen ihr und Damon anzudeuten.

So wird man zwar zwei Stunden kurzweilig unterhalten, aber mit Ende des weitgehend sinnfreien Spektakels verpufft die Wirkung auch schon wieder.

Läuft derzeit in den Kinos

Trailer zu «The Great Wall»

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