Stephen Cripps. Performing Machines

11.01.2017

27.01.2017 bis 01.05.2017  Museum Tinguely

Das Museum Tinguely zeigt die erste grosse, monographische Ausstellung des britischen Ausnahmekünstlers Stephen Cripps (1952 – 1982). «Stephen Cripps. Performing Machines» versammelt über 200 Arbeiten, darunter neben einigen Filmen und «Sound Works», viele Zeichnungen und Collagen, die Einblick in die reiche und ungewöhnliche Ideenwelt des Künstlers geben.


Ausgehend von seinem Interesse für kinetische Skulpturen und Maschinen, aber auch für Feuerwerk und das poetische Potential von Zerstörung sowie für neue Formen der Musik bewegte sich die äusserst experimentelle künstlerische Praxis von Cripps insbesondere in Bereichen des Performativen. Cripps’ Performances waren radikale Grenzgänge, die heute aufgrund ihres Gefährdungspotentials für Publikum und Umgebung schlicht undenkbar wären. Viele seiner Ideen sind im Medium der Zeichnung überliefert und blieben häufig unrealisiert. Im Fokus des Schaffens des jung verstorbenen Künstlers standen vor allem Experimente mit Klang. Das Museum Tinguely präsentiert mit dem medial übergreifenden Werk des Künstlers eine echte Wiederentdeckung.

Cripps’ künstlerische Praxis entzieht sich bewusst der Kategorisierung. Er war kein Künstler, der sich auf ein spezielles Medium festlegte. In der kurzen Schaffenszeit von seiner Ausbildung an der Bath Academy of Art in Corsham von 1970 bis 1974 bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1982 baute er Maschinen und interaktive Installationen und realisierte pyrotechnische Performances. Er konstruierte kinetische, mechanische Skulpturen, er performte, er produzierte Sound Works, er experimentierte mit Film und nicht zuletzt fertigte er Collagen und zeichnete. Sehr häufig kombinierte Cripps diese Praktiken miteinander. Das Flüchtige, Provisorische und Experimentelle sind zentrale Komponenten seines Werks. Damit nahm er Teil am Projekt der Entgrenzung der Künste, wie es sich ab den 1960er Jahren vollzog.

Das reiche Spektrum von Cripps’ künstlerischen Projekten umfasste Environments, die eine Aktualisierung unserer Vorstellung des Gartens als Entspannungsort vorschlugen und unter anderem den Lärm von Rasenmähern und bellenden Hunden ertönen liessen. Mithilfe eines Helikopterrotors entstand eine Maschine, die den Galerieraum attackierte und sich dabei zugleich selbst zerlegte. Er realisierte Installationen, bei denen der Ausstellungsbesucher selbst aktiv werden musste, wie etwa in Shooting Gallery. Hier konnte mit einer modifizierten Pistole auf Becken, ein Xylophon und andere klangerzeugende Objekte geschossen werden. Wie damaligen Beschreibungen zu entnehmen ist, waren seine pyrotechnischen Performances multisensorielle Erlebnisse und echte Grenzgänge mit Gefährdungspotential nicht nur für den Galerieraum, sondern auch für den eigenen Leib und das Leben der Zuschauenden. Cripps‘ Werk entwickelte sich in einem durch regen Austausch gekennzeichneten, künstlerisch-kollaborativen Klima an Orten wie der Butlers Wharf oder Acme Gallery, die Raum für radikale Interventionen boten.

Eine wichtige Inspirationsquelle für Cripps waren Jean Tinguelys Maschinenskulpturen und seine Aktionen mit sich selbstzerstörenden Kunstwerken wie unter anderem «Homage to New York» (1960). Auch verfasste er seine Abschlussarbeit an der Akademie zu «Jean Tinguely». Das Werk des Briten weist viele Verbindungen zu seinem künstlerischen Vorbild auf: Die Integration des Zufalls, der Zerstörung oder des Einfluss’ der Elemente als ästhetisches Konzept sind grundsätzliche Themen, die das Werk beider Künstler durchziehen.

Cripps’ Werke waren höchst ephemer und existieren zu einem grossen Teil heute nicht mehr. Sie bestanden aus Feuer und Licht, Schall und Rauch und verflüchtigten sich häufig mit ihrer Realisation. Auch seine performativen Maschinen hatten nie den Charakter eines unabänderlichen Objekts, sondern wurden den Gegebenheiten angepasst oder je neu konstruiert. In der Kombination von Arbeiten auf Papier, Audiomaterial, Filmen und Dokumentationsmedien wird die Hybridität, die Cripps’ transmediale und multisensorielle, performative Praxis kennzeichnet, in die Ausstellung übertragen. Zeichnung und Klangaufnahmen, Visuelles und Akustisches ergänzen sich zu einem das Auge und das Ohr ansprechenden Erlebnis.

Sein Schaffen wird präsentiert in einer thematischen Gruppierung, die versucht, strikte Kategorisierungen zu vermeiden und Raum für Korrespondenzen und Assoziationen zu lassen. Die Ausstellung «Stephen Cripps. Performing Machines» zielt darauf – gerade auch mit dem Fokus auf seine Zeichnungen – den transmedialen Charakter von Cripps’ Werken mit seinen multisensoriellen Qualitäten ins Zentrum zu rücken.

Im Museum Tinguely sind zum ersten Mal, die bis dato unbekannt gewesenen Sound Works von Cripps zu hören. Der Künstler sammelte ausserdem lärmende Geräusche, etwa von Düsenjets und Rasenmähern. Sie waren primär als künstlerisches Material gedacht und liefern an passender Stelle den Klangteppich zu seinen Konzeptionen maschineller Welten. Dadurch entstehende kakophonische Überlappungen entsprechen dem grundsätzlichen Charakter seiner Kunst wie auch der lärmenden, teils überfordernden Klangkulisse der modernen, industrialisierten Welt, die vielfach den Ausgangspunkt für Cripps’ Schaffen bildete.


Stephen Cripps. Performing Machines
27. Januar bis 1. Mai 2017

Museum Tinguely
Paul Sacher-Anlage 1
CH-4002 Basel
T: 0041 (0)61 68193-20
F: 0041 (0)61 68193-21
E: infos@tinguely.ch
W: http://www.tinguely.ch


Öffnungszeiten

Di bis So 11 – 18 Uhr
Montag geschlossen

 


  • Stephen Cripps: Ohne Titel, (Machine Carrying Hot Air Balloon), 1970 – 1976. Bleistift und Gouache auf liniertem Papier, 25,1 x 20,2 cm; © The family of Stephen Cripps/ Leeds Museums and Galleries (Henry Moore Institute Archive)
  • 'Cripps at the Acme. Drawings & Performances', 9. – 17.05.1980. The Acme Gallery, London, 1980; Farbdiapositiv. © Courtesy Acme, Acme Archive
  • 'Cripps at the Acme. Drawings & Performances', 9. – 17.05.1980. The Acme Gallery, London, 1980; Farbdiapositiv. © Courtesy Acme, Acme Archive
  • 'Halo Lines' während '5 days in July', 8. – 13.06.1977. The Acme Gallery, London, 1977; Farbdiapositiv. © Courtesy Acme, Acme Archive
  • Stephen Cripps auf Garden Swing, Artists for Democracy, Fitzrovia Cultural Centre, London, 1976. S/W-Fotografie; © Foto: Jane England
Museum Tinguely
Paul Sacher-Anlage 1
CH-4002 Basel
T: 0041 (0)61 68193-20
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E: infos@tinguely.ch
W: http://www.tinguely.ch


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