Allied - Vertraute Fremde

03.01.2017 Walter Gasperi

Robert Zemeckis mixt Versatzstücke aus dem Kultfilm «Casablanca» und Alfred Hitchcocks «Notorious» zu einem klassischen Melodram: Altmodisches Kino wird geboten, aber das wendungsreiche Drehbuch von Steven Knight, perfekte Ausstattung und Brad Pitt und Marion Cotillard in den Hauptrollen sorgen für ebenso stilsichere wie in sich stimmige spannende Kinounterhaltung.


Ein Insert verankert die Handlung in Französisch-Marokko, 1942. Ein Fallschirmspringer landet in der Sahara, wird von einem Wagen abgeholt und in die nächste Stadt gebracht.

Eine klassische Westerneröffnung ist die Ankunft eines Fremden, hier aber beginnt ein Melodram. Jede Menge Assoziationen werden wach, wenn sich die Stadt als Casablanca entpuppt und wie in Michael Curtiz´ Kultfilm geht es auch bei Robert Zemeckis sogleich in einen noblen Club.

Dort wird der soeben angekommene kanadische Nachrichtenoffizier Max Vatan (Brad Pitt) die französische Agentin Marianne Beausejour (Marion Cotillard) treffen. Noch nie haben sie sich gesehen, geben sich aber als Mann und Frau aus. Keiner traut freilich dem anderen ganz, gegenseitig stellen sie sich auf die Probe, bis effektvoll mitten in einem Sandsturm doch die Leidenschaft ausbricht.

Nur als McGuffin, als Auslöser für die Handlung, wirkt dagegen ihr eigentlicher Auftrag bei einem Fest den deutschen Botschafter zu ermorden. Nicht thematisiert wird, welchen Zweck dieser Anschlag hat, ausgespart werden auch dessen Folgen, denn nach vollbrachter Tat überspringt der Film drei Wochen und wechselt von Casablanca nach London.

Hierher holt Max seine Marianne nach und heiratet sie. Ein glückliches Familienleben führen sie mit ihrer kleinen Tochter, bis der Geheimdienst Marianne zu verdächtigen beginnt, eine Spionin der Nazis zu sein. Zwangsläufig kommt damit auch Max in einen Gewissenskonflikt und versucht die Loyalität seiner Frau zu beweisen.

Geschickt werden auch beim Zuschauer Zweifel hoch gehalten. Undurchschaubar bleibt diese Marianne, die doch schon in Casablanca betont hat, dass sie überlebe, weil sie es verstehe, Gefühle echt wirken zu lassen: Während Handlungen eine klare Sprache sprechen, können Gefühle vorgetäuscht sein.

«Old Fashioned» ist wohl das erste, das einem zu diesem Mix aus Melodram und Thriller einfällt. Keine modernen Brechungen, keine ironischen Momente gibt es hier, sondern Robert Zemeckis schwelgt ganz in der Erzähltradition des klassischen Hollywoodkinos. Nicht nur mit dem Schauplatz des ersten Teils und dem Club sowie der Liebesgeschichte wird hier aber der Klassiker «Casablanca» zitiert, sondern auch später streuen Drehbuchautor Steven Knight und Regisseur Zemeckis geschickt Reminiszenzen ein, wenn auch hier die Marseillaise eine zentrale Rolle spielt und das Finale auf einem Flugfeld stattfindet.

Gleichzeitig orientiert sich «Allied» aber auch sichtlich an Hitchcocks «Notorious» (1946). Wie in vielen Filmen des Master of Suspense geht es auch hier um unsichere Identitäten und Täuschungen, gekonnt spielt Zemeckis dazu auch immer wieder mit Spiegeln, überträgt so die Frage nach Schein und Realität auf die visuelle Ebene.

Wie in «Notorious» besteht auch hier die Möglichkeit, dass eine feindliche Spionin in eine Gemeinschaft eingeschleust wurde, wie in Hitchcocks Klassiker kommt auch hier einem Fest eine zentrale Rolle zu.

Zum hohlen Zitatenkino wird das aber nie, viel zu gekonnt verpacken Knight/Zemeckis diese Referenzen in ihre eigene, bruchlos dahinfließende Geschichte. Ganz klassisch, aber sehr stilsicher wird diese erzählt, zum nostalgischen Kinogenuss trägt auch die perfekte Ausstattung von Gary Freeman, die Kostüme von Joanna Johnston und die beiden stark spielenden Hauptdarsteller Brad Pitt und Marion Cotillard bei, die das Wechselbad aus Verdächtigungen und Zweifel auf der einen Seite und die Entwicklung von Leidenschaft zu tiefer Liebe auf der anderen überzeugend vermitteln.

Läuft derzeit im Cineplexx Hohenems

Trailer zu «Allied - Vertraute Fremde»

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