Spektakuläres Unterhaltungskino und Filme mit Anspruch: Zum 70. Geburtstag von Steven Spielberg

26.12.2016 Walter Gasperi

Mit «Jaws - Der weiße Hai» erfand er 1975 den Blockbuster, mit «Schindler´s List» drehte er 1993 einen der zentralen Filme über den Holocaust. Steven Spielberg pendelt zwischen spektakulären Mainstreamfilmen und engagierten persönlichen Werken. Am 18. Dezember wurde der nach dem Einspielergebnis seiner Filme bis heute erfolgreichste Regisseur 70.


Nicht nur die University of Southern California lehnte das Ansuchen Steven Spielbergs für ein Filmstudium ab, sondern auch von University of California erhielt er eine Absage. Gleichzeitig galt der am 18. Dezember 1946 in Cincinnati, Ohio geborene Sohn eines Elektroingenieurs und einer Konzertpianistin aber als filmisches Wunderkind.

Schon als Zehnjähriger filmte er mit einer 8-mm-Kamera, mit 13 gewann er mit dem 40-minütigen Kriegsfilm «Escape to nowhere» (1960) einen Filmwettbewerb, 1969 öffnete ihm der Kurzfilm «Amblin» den Weg ins professionelle Filmgeschäft.

Er erhielt als 23-Jähriger einen Siebenjahresvertrag bei der Fernsehabteilung von Universal Pictures und drehte Folgen für Serien wie «Columbo» und «Dr. med Marcus Welby». Internationale Beachtung fand sein Fernsehfilm «Duel» (1972), der in Europa auch in die Kinos kam.

Aufgrund der Resonanz auf diesen minimalistischen Actionfilm über einen Autofahrer, der auf einem Highway durch eine Wüstengegend von einem Lastwagen, dessen Fahrer unsichtbar bleibt, verfolgt und zunehmend bedroht wird, konnte er 1974 mit «The Sugarland Express» seinen ersten Kinofilm drehen.

Finanziell war der auf einem wahren Fall beruhende Film - auch aufgrund schlechter Promotion durch das Studio - ein Misserfolg, enthält aber mit der Geschichte um ein Pärchen, das den ihnen vom Sozialamt weggenommenen Sohn entführt, schon ein zentrales Thema seines Werkes. Immer wieder stehen im Mittelpunkt von Spielbergs Filmen nämlich Kinder und immer wieder thematisiert er, dessen Eltern sich in seiner Jugendzeit scheiden ließen, den Wert der Familie, aber auch deren Bedrohung.

Der große Durchbruch gelang ihm 1975 mit «Jaws - Der weiße Hai», der gleichzeitig als erster Blockbuster gilt, für drei Jahre der erfolgreichste Film aller Zeiten war und einen Boom an Katastrophenfilmen auslöste. Als souveräner Geschichtenerzähler, der das Handwerk des Filmemachens perfekt beherrscht erwies er sich dabei, gleichzeitig wurde ihm aber immer wieder vorgeworfen, das Publikum zu manipulieren.

Zwei Jahre später schuf er mit «Close Encounters of the Third Kind» einer der wenigen Science-Fiction Filme, in dem Außerirdische nicht a priori als feindselig erscheinen, sondern versucht wird mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Gleichzeitig kommt hier aber auch mit einem Jungen und seiner alleinerziehenden Mutter die Familienthematik nicht zu kurz.

Flops wie die überdrehte Kriegssatire «1941 – Wo bitte geht´s nach Hollywood?» (1979) fehlen im umfangreichen Werk Spielbergs nicht, doch immer wieder ließ er diesen Hits folgen. So erinnerte er mit der «Indiana Jones»-Serie (1981, 1984, 1989, 2008) an das amerikanische Abenteuerkino der 1930er Jahre, rückte dagegen in dem Kassenschlager «ET» (1982) wieder einen Jungen in den Mittelpunkt, der einen kleinen Außerirdischen vor den Erwachsenen schützen muss.

Galt Spielberg lange als Meister des spektakulären, aber seichten Unterhaltungskinos, während einem ernsthaften Film wie dem Rassendrama «The Color Purple» (1985) Sentimentalität vorgeworfen wurde, so änderte sich diese Sichtweise mit dem mit sieben Oscars ausgezeichneten Holocaust-Drama «Schindler´s List» (1993).

In Schwarzweiß und frei von den für diesen Regisseur sonst üblichen Effekten erzählte er die Geschichte des Fabrikanten Oskar Schindler, der sich vom Mitläufer des NS-Regimes zum Humanisten wandelt, der unter Einsatz seines Lebens versucht, möglichst viele Juden vor Deportation und Ermordung zu retten.

Kein neuer Spielberg war damit aber geboren, doch es verstärkte sich ab nun das Pendeln zwischen großen Unterhaltungsfilmen und anspruchsvollem Kino. So entstand fast parallel zu «Schindler´s List» beispielsweise der kommerziell äußerst erfolgreiche Actionfilm «Jurassic Park», der vier Jahre später mit dem noch erfolgreicheren «The Lost World» (1997) fortgesetzt wurde. So eindimensional dabei Story und Figurenzeichnung, so spektakulär waren die Actionszenen.

Zu den Themen, die ihn von seinen jugendlichen Anfängen über Jahrzehnte begleiteten, gehört auch die Beschäftigung mit dem Zweiten Weltkrieg. Wie er in «Schindler`s Liste» sich auch mit seiner jüdischen Identität auseinandersetzte, so spielen in die von ihm und Tom Hanks produzierte TV-Serie «Band of Brothers» und «Saving Private Ryan» (1998) die Biographie seines Vaters, der im Zweiten Weltkrieg Pilot der United States Air Force war, hinein.

An eines seiner großen Vorbilder Stanley Kubrick knüpfte er an, indem er dessen Science-Fiction-Projekt «A.I.» 2001 realisierte. Gegenpol zu diesem und dem nicht weniger realistischen und ernsten Science-Fiction-Film «Minority Report» (2002) stellt wiederum das Spektakelkino dar, das er mit der Neuverfilmung von H. G. Wells «The War oft he Worlds» (2008).

Formal wieder in größtem Kontrast dazu steht das ganz vom Dialog lebende Präsidentenporträt «Lincoln» (2012) sowie das nüchterne und völlig unspektakuläre, aber mit großer Konseqeunz inszenierte Kalte-Kriegs-Drama «Bridge of Spies» (2015), in dem es um den Austausch eines US- und eines Sowjetspions in Berlin geht.

Dass dreifache Oscarpreisträger (Regie und Film für «Schindler's List»; Regie für «Saving Private Ryan»), der auch als Produzente Talente wie Joe Danteoder Robert Zemeckis entscheidend gefördert hat, aber auch die Kinder nicht aus den Augen verloren hat, beweist seine Roald Dahl-Verfilmung «BFG - Big Friendly Giant» (2016). Hier beschwört nicht nur wieder die Magie des Kinos beschwört, sondern verhandelt im Subtext einerseits seine eigene Außenseiterrolle als Kind aufgrund einer Dyslexie, aber auch seine Rolle als Filmregisseur.

70 wurde dieser Regisseur, dessen Vermögen laut Forbes 3,4 Milliarden US-Dollar beträgt, nun, Ruhestand scheint für ihn aber kein Thema: In Postproduktion befindet sich eine Adaption von Ernest Clines Science-Fiction Roman «Ready Player One», in Vorbereitung «The Kidnappping of Edgardo Mortara», der die wahre Geschichte eines jüdischen Jungen erzählt, der 1858 in Italien entführt, getauft und zum katholischen Priester erzogen wurde.

Gleichzeitig soll auch ein weiterer Film der «Indiana Jones»-Serie gedreht werden und in Planung befinden sich mit «Cortes» (alternativer Arbeitstitel: «Montezuma») ein historisches Epos über die Eroberung des Azteken-Reichs durch die Spanier und mit «It´s What I Do» eine Adaption der Memoiren der Fotojournalistin Lynsey Addario.

Die zehn besten Spielberg-Filme

  • Steven Spielberg (geb. 18.12. 1946)
  • Duel (1971)
  • Jaws - Der weiße Hai (1975)
  • Raiders of the Lost Ark (1981)
  • E.T. (1982)
  • Schindler´s List (1993)
  • Jurassic Park (1993)
  • Saving Private Ryan (1998)
  • Lincoln (2008)
  • BFG – Big Friendly Giant (2016)

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