Der Mann, der König sein wollte

29.12.2016 Walter Gasperi

John Hustons Verfilmung von Rudyard Kiplings 1888 erschienener Erzählung ist ein Abenteuerfilm alten Stils. Bei Koch Media ist der mit großen Kinobildern auftrumpfende und von den lustvoll spielenden Hauptdarstellern Sean Connery und Michael Caine getragene Film auf Bluray erschienen.


In eine große Klammer verpackt John Huston die Erzählung, wenn er einen Bettler im Arbeitszimmer des Reporters Rudyard Kipling auftauchen lässt. Der zerlumpte Mann entpuppt sich als Kiplings früherer Bekannter Peachy (Michael Caine), der ihm während der folgenden zwei Stunden von seinen Abenteuern mit seinem Freund Daniel (Sean Connery) erzählt.

Die beiden aus der britischen Indien-Armee desertierten Soldaten brachen vom Subkontinent über den Himalaya nach Kafiristan – dem heutigen Nordosten Afghanistans - auf. Dort erwarben sich diese Haudegen und Angeber Ruhm, indem sie einem lokalen Warlord zum Sieg über seine Feinde verhalfen. Schließlich stieg Daniel sogar zum König und Gott auf, weil man ihn für einen Nachfahren Alexanders des Großen hielt.

Leichthändig und mit Lust an Übertreibung und auch an Witz ist der teilweise um Chamonix und in Marokko gedrehte Film inszeniert. Spektakuläre Bilder gelingen Huston bei der Überquerung des verschneiten Himalayas, ehe er in die archaische Welt der Stämme von Kafiristan eintaucht, bei denen mit den Köpfen der getöteten Gegner Polo gespielt wird.

Kiplings Vorstellung von der Überlegenheit der weißen Rasse und der Führungsposition der Engländer verkehrt sich im Blick Hustons ins Satirische. Spott kennzeichnet bei ihm die Zivilisierungsmaßnahmen der Briten, die den Bewohnern Kafiristans militärische Ordnung und Drill beibringen wollen. Gleichwohl kennzeichnet den Blick auf diese Stämme doch auch wieder westliche Arroganz, werden sie doch als primitiv und barbarisch charakterisiert.

Abenteuerkino wie aus den 1930er oder 1940er Jahren bietet Huston mit diesem Film, den er seit den 1950er Jahre immer wieder drehen wollte, aber erst 1975 realisieren konnte. Statt in die Tiefe zu gehen will er mit großen, farbintensiven Bildern und abenteuerlichen Ereignissen unterhalten. Dies gelingt dem Amerikaner auch ganz prächtig. Er mischt Spannung mit Witz, erzählt leichthändig und kann auf seine zwei blendend harmonierenden Hauptdarsteller Sean Connery und Michael Caine vertrauen, denen diese Rollen sichtlich Spaß gemacht haben.

Gleichzeitig ist der 1987 verstorbene Regisseur mit diesem Stoff auch ganz bei sich. Bestens identifizieren konnte sich Huston, der selbst auch ein höchst abenteuerliches Leben führte, wohl mit seinen Protagonisten, und auch sein zentrales Motiv von großen Träumen, leidenschaftlichem Kampf und finalem Scheitern kommt hier nicht zu kurz. Unweigerlich an «Der Schatz der Sierra Madre» muss man denken, wenn gegen Ende der mit Schätzen beladene Muli Daniels durchgeht, die Packsäcke aufplatzen und die wertvollen Silbergefäße im Sand verstreut werden.

An Sprachversionen bietet die bei Koch Media erschienene Bluray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in Englisch und Deutsch. Die Extras beschränken sich auf den Kinotrailer und eine Bildergalerie.

Trailer zu «Der Mann, der König sein wollte»

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