Emil Siemeister. Vom Rufen zum semiotischen Fallenstellen

15.02.2017

09.12.2016 bis 19.02.2017  Museum Folkwang Essen

Siemeisters Plakate sind zumeist – wie seine Fotos auch – integraler Bestandteil seiner Performances, Ausstellungen und Filmprojekte. Damit sind sie von Anfang an Teil eines Gesamtkonzepts und selten «nur» Werbefläche. Seine Gestaltungen stehen oftmals auch in diametralem Gegensatz zur allgemeinen Lehrmeinung, etwa wenn es um die Frage geht, wodurch man Wirkung im öffentlichen Raum erzielen kann. Damit bewegt er sich spielerisch pendelnd zwischen Werbefläche und Kunstprodukt.


Siemeister bedient sich dafür einer ganzen Palette von Möglichkeiten: Gedruckte Kleinauflagen werden individuell grafisch weiterbearbeitet, so dass aus einer Auflage gleichartiger Blätter eine signierte und nummerierte Serie von Varianten wird. Gleiche Motive werden auf verschiedene Materialien gedruckt, die zum Teil vorher händisch eingefärbt wurden. Zu einer Ausstellung werden verschiedene Motive in kleiner Auflage hergestellt, in reiner Handarbeit oder als individuelle Überarbeitungen gedruckter Motive. Mittels Siebdruck, Offsetdruck, Digitaldruck und Belichtungen auf Reprofolie, mit Kugelschreiberpaste, Blei- und Farbstiften werden die Motive auf verschiedene Trägermaterialien gebracht; neben unterschiedlichen Papieren (vom Löschkarton bis zum Transparentpapier) sind dies z. B. auch PVC-Folien. Dabei steht die Verständlichkeit der Botschaft nicht im Vordergrund.

Es scheint fast so, als wolle Siemeister mit dem «Massenmedium» Plakat die «Masse» eher ausschließen als einbeziehen. Für das einfache oder schnelle Aufnehmen einer Botschaft oder als Assoziationsfläche sind seine Plakate nicht gedacht. Sie verstecken mehr als sie preisgeben, fordern Aufmerksamkeit und Einlassung und verweigern letztlich doch den Zugang über das Nötigste hinaus. In diesem Sinne befreit Emil Siemeister seine Plakate weitgehend von ihrem medialen Zweck und widmet sich in der Gestaltung überwiegend der freien Form – damit sind sie fast so etwas wie die «Antiplakate» unter den Plakaten.

Erstmals überhaupt widmet sich eine Ausstellung dem Plakatwerk von Emil Siemeister. Seine extreme Positionierung des Plakats als Teil seiner freien Kunst besetzt eine ebenfalls extreme Randposition dessen, was ein Plakat leisten kann.


Emil Siemeister. Vom Rufen zum semiotischen Fallenstellen
9. Dezember 2016 bis 19. Februar 2017

Museum Folkwang Essen
Goethestraße 41
D-45128 Essen
T: 0049 (0)201 8845 301
F: 0049 (0)201 8845 330
E: info@museum-folkwang.essen.de
W: http://www.museum-folkwang.de


Öffnungszeiten

Di bis So 10 – 18 Uhr
Do und Fr 10 - 20 Uhr

 


  • Rufen + Jarlen, 2000. Digitaldruck, originalgrafisch überarbeitet, 71,8 x 101,5 cm; © 2016 Emil Siemeister. Foto: Jens Nober, Museum Folkwang
  • Fake Pansori, 2010. Digitaldruck, 100 x 70 cm; © 2016 Emil Siemeister. Foto: Jens Nober, Museum Folkwang
  • Irre ist weiblich. Künstlerische Interventionen von Frauen in der Psychiatrie Sammlung Prinzhorn, 2004. Offsetdruck, 83,9 x 59,3 cm; © 2016 Emil Siemeister. Foto: Jens Nober, Museum Folkwang
Museum Folkwang Essen
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