Ubu roi rules

05.12.2016 Kurt Bracharz

Die ersten Beispiele dafür, wie sich Trump das Regieren vorstellt, liegen schon jetzt vor, obwohl er noch gar nicht Präsident ist. Sie lassen vermuten, dass seine Amtszeit reichlich Stoff für Anekdoten bieten wird – hoffen wir, dass es dabei bleibt, also bei Geschichtchen. Wenn Trump stattdessen Geschichte schreiben will, könnte es eng werden.


Kurz nach seiner Wahl rief Trump Greg Hayes, den Chef des Industriekonzerns United an, der eine Klimaanlagenfabrik von ihrem bisherigen Standort Indiana nach Mexiko verlegen wollte, was Trump schon im Wahlkampf aufgegriffen und kritisiert hatte. Trump twittert ja eigentlich lieber, aber hier musste er doch direkter agieren. Nach seiner eigenen Schilderung sagte er, die Jobs müssten im Land bleiben, und Greg verstand das, sagte aber, die Fabrik in Mexiko sei schon fast fertig gestellt, worauf Trump erwiderte: «Greg, das ist mir egal. Vermiete sie, verkaufe sie, reiß sie ab.»

Mit so einfachen Worten konnte er Hayes natürlich sofort überzeugen – und Trumps Zusage, dafür dem Betrieb in Indiana Steuererleichterungen zu gewähren, wird auch eine Rolle dabei gespielt haben, dass United nun immerhin 800 von den fraglichen 2100 Stellen im Land behält. Es haben bereits andere Unternehmen Interesse an einem solchen Deal gezeigt. Firmen, die auf Trumps Vorschläge anders reagieren, sollen mit 35 Prozent Zoll auf den Import von Waren aus ihren ausgelagerten Firmen bestraft werden, einfach per Ukas des Präsidenten. Das dürfte der Wirtschaftsanwaltsbranche starken Auftrieb geben (den sie allerdings gerade in den USA nicht gebraucht hätte).

Bernie Sanders meinte dazu, dann könne jetzt ja jeder Konzern mittels Abwanderungsfantasien Steuererleichterungen von der Regierung erpressen, die wiederum die Arbeiter zu bezahlen hätten.

Möglicherweise überträgt Trump dieses im ersten Fall so erfolgreiche Gesprächsmodell auch auf die Außenpolitik. Da er keinen Alkohol trinkt, wird er zwar nicht wie beispielsweise Richard Nixon nachts besoffen endlose Telefongespräche führen, aber man kann sich vorstellen, dass Trump stocknüchtern in Nordkorea anruft (der Geheimdienst wird ihn schon durchstellen können, so unfähig ist die NSA ja auch wieder nicht): «Hey, Fat Boy, ist es nicht ein komischer Zufall, dass eine der Hiroshima-Bomben genau so hieß wie du? Das ist doch nur ein Spaß, Kim! Aber ich sag dir was: Du brauchst keine Atombomben. Was du damit machst, ist mir egal. Vermiete sie, verkaufe sie, schmelz sie ein. Aber wirf sie nicht irgendwo ab, sondern gib sie auf. Wir haben eh die größeren. Meine Generäle wissen, wo du wohnst. Wenn du’s machst, schick ich dir auch einen Haufen Football-Stars und Hollywood-Bitches.»


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