Albrecht Kunkel: "Quest". Fotografien 1989–2009

17.04.2017

11.12.2016 bis 23.04.2017  ZKM

Die Ausstellung «Quest» präsentiert erstmals einen Überblick über das fotografische Werk von Albrecht Kunkel (1968–2009). Kunkel war ein Suchender, der sich in seinem Schaffen konsequent den Grundfragen menschlicher Existenz widmete. Seine Fotografien fokussieren Landschaften und Räume von besonderer historischer, kultureller oder sozialer Bedeutung und spüren den ihnen eingeschriebenen kulturellen Praktiken nach.


Die Motive spannen einen Bogen von den frühesten kultischen Höhlen- und Felszeichnungen bis zur zeitgenössischen multimedialen Bilderflut. Der Künstler integrierte auch fremdes Fotomaterial in sein Werk, darunter topografische Luftbilder oder historische Archivaufnahmen, und lotete die Bedingungen und Möglichkeiten des fotografischen Mediums an der Schwelle zur Digitalität aus.

Albrecht Kunkel studierte u.a. an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG) bei Thomas Struth, bei Bernd und Hilla Becher und war Meisterschüler bei Katharina Sieverding. Er lebte in Berlin, Paris und New York. Sein fotografischer Nachlass ging 2013 als Schenkung an die Sammlung des ZKM | Karlsruhe.

Das Schaffen von Albrecht Kunkel zeugt nicht nur von einem kulturhistorisch und philosophisch breit orientierten Interessenhorizont, es weist den Fotografen auch als einen sich der Paradigmen seines Mediums bewussten Künstler aus. Kunkel wollte keine Abbilder der Welt schaffen, sondern die Welt – im Medium der Fotografie – theoretisch durchdringen: «Mich interessiert, wie Menschen über Bilder Wertesysteme für die Welt entwickeln, welche Vorstellungen Bilder vermitteln und welche Mechanismen in den Bildern stecken» (Albrecht Kunkel).

Seine Aufnahmen führen in künstliche Unterwasserlandschaften (Life, 1994) oder zu den Brennpunkten heutiger Medienereignisse (Cannes / Red Carpet, 2003). Sie zeigen bedeutsame Orte des kollektiven Gedächtnisses, darunter prähistorische Höhlen (1996/1998), die Ausgrabungsstätten von Troja (2002) oder die heiligen Stätten Jerusalems (2007). Albrecht Kunkels künstlerisches Anliegen lässt sich als Verortung der Kultur mit den Mitteln der Fotografie beschreiben. In kritischer Distanz oder interessierter Nähe fokussieren seine Aufnahmen ihren Bildgegenstand – die Kultur – und verweisen so auf die bildimmanente Konstruktion von Geschichte und Wirklichkeit.

Dass Kunkel sich auch kritisch mit den Möglichkeiten und Beschränkungen seines eigenen Mediums auseinandersetzte zeigt u.a. seine Serie «Color Excerpts Monochrome» (1998). Diese Werkgruppe großer monochromer Fotoabzüge schuf er ohne Kamera, allein auf Basis der immensen Vergrößerung eines winzigen Ausschnittes seiner Höhlenfotografien. Befreit vom Anspruch der Repräsentation steht das Medium unweigerlich selbst im Fokus der Aufmerksamkeit.

Im Zuge des Donald-Judd-Stipendiums an der Chinati Foundation im US-amerikanischen Marfa erweiterte Kunkel abermals die Palette seiner künstlerischen Verfahren. Er begann damit, fremdes Fotomaterial in seine Arbeiten aufzunehmen, in dessen Auswahl sich sein Interesse an Verschränkungen von Natur- und Kulturräumen spiegelt. Von der amerikanischen Landwirtschaftsbehörde USDA akquirierte er von bestimmten Orten der Vereinigten Staaten topografische Luftbilder, von denen er schwarz-weiß Abzüge erstellte.

Die daraus hervorgehende Serie «Aerial Views» (2002–2006) zeigt in den typisch schachbrettartigen Erschließungswegen amerikanischer Siedlungen die Einfügung (sub-)urbaner Zivilisation in landschaftliche Naturräume. In ihrer konzeptuellen Auswahl, Anordnung und Betitelung referieren die teilweise unvollendet gebliebenen Arbeiten auf die Wirkungsorte von Künstlerkollegen aus der Konzeptkunst und Land Art wie Dan Graham und Robert Smithson oder auf historische Filmschauplätze, wie jenen von Michelangelo Antonionis Zabriskie Point.

Diente das per Flugzeug aufgenommene Bildmaterial ursprünglich als Grundlage und Analysewerkzeug unterschiedlicher Forschungsinstitutionen, nutzt es Kunkel zur Produktion einer kunsthistorischen Kartografie, die den abgebildeten Flecken eine zunächst nicht sichtbare Relevanz beimisst.

Mit seiner Frage nach den Ursprüngen und Bedingungen von Bildlichkeit vereint Kunkels Werk die Suche nach Orten des Ursprungs von Kultur. In der Serie «Pilgrimage» (2007) fotografierte er die heiligen Stätten Jerusalems, die zurückgehen auf die ersten räumlichen Verortungen jüdischen und christlichen Glaubens. Seine Bilder präsentieren sie zugleich im Fokus religiöser Wirksamkeit und touristischer Attraktion und zeigen sowohl Gläubige beim Gebet wie auch die Gruppen reisender Besucherströme. Die Ausstellung präsentiert auch seine Porträtserien von Schwangeren, den Nachkommen von Auswanderern oder Novizen sowie Auftragsarbeiten für Magazine und Verlage, die komplementär zu seinen konzeptuellen Serien stehen.


Albrecht Kunkel: «Quest». Fotografien 1989–2009
11. Dezember 2016 bis 23. April 2017

ZKM
Lorenzstraße 19
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Öffnungszeiten

Mi bis Fr 10 - 18 Uhr
Sa/So 11 - 18 Uhr
Mo/Di geschlossen

 


  • Ohne Titel (Times Square), 2007. Farbfotografie; © 2016 Nachlass Albrecht Kunkel, ZKM | Karlsruhe
  • Mary’s Tomb I, 2007. Chromogener Abzug, Diasec, Alu-Dibond, 100 x 140 cm; © 2016 Nachlass Albrecht Kunkel, ZKM | Karlsruhe
  • Tilda Swinton [ZEITmagazin, Ich habe einen Traum], 2007. Chromogener Abzug, PE-Papier, digital ausbelichtet, 38 x 30 cm; Privatsammlung. © 2016 Nachlass Albrecht Kunkel, ZKM | Karlsruhe
  • Ohne Titel, 2009. Chromogener Abzug, PE-Papier, digital ausbelichtet, 38 x 30 cm; Privatsammlung. © 2016 Nachlass Albrecht Kunkel, ZKM | Karlsruhe
  • Cannes / Red Carpet, 2003. Chromogener Abzug PE-Papier, digital ausbelichtet, 167 x 242 cm. © 2016 Nachlass Albrecht Kunkel, ZKM | Karlsruhe
  • Ohne Titel (Monaco, Grand Prix 2005), 2005. Farbfotografie; © 2016 Nachlass Albrecht Kunkel, ZKM | Karlsruhe
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