"… nicht arm genug, um von Ihnen geliebt zu werden"

23.11.2016 Rosemarie Schmitt

Alexandre Dumas, der Fils, lernte im Jahre 1844, zwanzig Lenze jung, die umschwärmte Kurtisane Marie Duplessis kennen. Elf Monate lang war er ihr Liebhaber. Elf Monate lehrten ihn das Lieben, das Leben und das Schreiben. Die Begegnung mit Marie war glühend, und mit heißer Feder schrieb er in nur vier Wochen einen der schönsten Romane der französischen Literatur. «Die Kameliendame». Obgleich die «Kameliendame» sehr viel mehr ist als «nur» ein Roman.


Es sei mir gestattet, dieses Werk als die Autobiografie des Alexandre Dumas fils zu bezeichnen. Seiner Kameliendame Marie Duplessis, (im gleichen Jahre wie auch Alexandre), als Alphonsine Plessis geboren, schrieb er folgende Zeilen: «Meine liebe Marie, ich bin nicht reich genug, um Sie zu lieben, wie ich es wünschte, noch arm genug, um von Ihnen geliebt zu werden, wie Sie es wünschten (…)» Diese Zeilen waren das Ende einer Liaison und der Beginn von Großem.

Sie entfernten sich voneinander. Am Ende nur, waren sie sich noch ein letztes Male nahe, und dies für immer. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch wurde Alexandre Dumas auf dem Friedhof Montmartre, ein paar hundert Meter entfernt von seiner Heldin beigesetzt.

Sie wurde, nachdem er diese Beziehung beendete, die Mätresse von Franz Liszt. Dies ist nicht das vorhin erwähnte Große, und auch er machte die Bekanntschaft eines bedeutenden Komponisten jener Zeit, denn ein Zufall spielte ihm an der polnischen Grenze einen Briefwechsel zwischen der Schriftstellerin George Sand und deren Geliebten Frédéric Chopin in die Hände. Eine Freundschaft nahm ihren Beginn. Eine Freundschaft die ein Leben lang halten sollte.

Die Briefe, die Alexandre Dumas von George Sand erhielt, begannen mit der Anrede «Mein lieber Sohn», Briefe die «der Sohn» mit der Anrede «Liebe Maman» zu beantworten pflegte. Eine große Sache, doch bei der Uraufführung seines Theaterstückes «Die Kameliendame», am 2. Februar des Jahres 1852, geschah das wirklich Große. Unter den Zuschauern saß Giuseppe Verdi!! Ein Jahr später wurde aus dieser Begegnung der Literatur mit der Musik, die vielleicht schönste Oper aller Zeiten geboren: «La Traviata» !

Ich weiss nicht, ob es eine Oper gibt, die öfter auf Tonträger aufgenommen und auch verfilmt wurde, als La Traviata. Eine meiner Favoriten unter den Gesamteinspielungen ist jene unter der Leitung Ricardo Mutis mit Renata Scotto in der Rolle der Violetta.

Warner Classics präsentiert eine exklusive Auswahl der besten Opernaufnahmen aller Zeiten. Hier treffen die Interpretationen großartiger Sänger und Dirigenten auf hochkarätige Chöre und Orchester. Die Aufnahmen entstanden in der besten Klangqualität, welche in der jeweiligen Zeit verfügbar und möglich war. Zusätzlich enthält jedes Set ein vollständiges Libretto samt Übersetzung - was einst bei Operngesamtaufnahmen üblich war, heute jedoch selten geworden ist.

Riccardo Mutis Einspielung von Verdis «La Traviata» entstand zwischen den Zeitaltern. Heute immerhin 36 Jahre alt, wurde sie 1980 bereits voll digital eingespielt – so dass die Remastering-Experten der Abbey Road Studios auf exzellentes Ausgangsmaterial zurückgreifen konnten. Wie alle Dokumente der Reihe «Oper Deluxe» erscheint die Aufnahme in Verbindung mit einem umfangreichen, reich bebilderten Hardcover-Booklet mit mehrsprachigem Libretto und Original-Cover.

Hier die Aufnahmen der Reihe Oper deluxe: www.warnerclassics.de


Renata Scotto, die in Mutis Einspielung in der Titelrolle zu erleben ist, galt 1980 als eine der bedeutendsten Violetta-Darstellerinnen überhaupt. Auch Alfredo Kraus ist hier auf dem Zenit seiner Karriere zu erleben. Schon in den 50ern hatte er an der Seite von Maria Callas in «La Traviata» Triumphe gefeiert – und beweist sich hier als einer der größten Tenöre des direkten Nach-Callas-Zeitalters. Was neben den sängerischen Leistungen an der Aufnahme besonders fasziniert, sind die Dramatik und das zupackende Engagement, mit der Muti die tragische Handlung gestaltet. Der Maestro, der im Juli seinen 75. Geburtstag feiert, zeigt sich hier als einer der bedeutendsten Verdi-Dirigenten unserer Zeit.

Mille Grazie, Senior Giuseppe Verdi! Je vous en remercie beaucoup, Monsieur Alexandre Dumas! Tausendfachen Dank für diese Veröffentlichungen, Warner-Classics!

Herzlich,
Ihre Rosemarie Schmitt

  • La Traviata - Plakat zu einer Aufführung mit Toscanini am 29. Juni 1906
  • Ricardo Muti im Jahre 2002 - Foto: Warner Classics, Fotograf: Reg Wilson

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