Speer der Rache - Chief Crazy Horse

22.12.2016 Walter Gasperi

Viel Pathos und Heroisierung des Sioux-Häuptling Crazy Horse (1842-1877) bietet George Shermans 1955 gedrehter Western, revidiert aber auch das negative Bild das in früheren Jahrzehnten im Kino von den amerikanischen Ureinwohnern gezeichnet wurde. Bei Koch Media ist «Speer der Rache» in der Reihe «Classic Western in HD» auf Blu-ray erschienen.


Als Wilde wurden die amerikanischen Ureinwohnern im Kino bis Anfang der 1950er Jahre meist gezeichnet, erst mit Delmer Daves «Broken Arrow» (1950) änderte sich diese Sicht. Immer noch wurde zwar aus der Perspektive eines weißen Vermittlers erzählt und die Indianer von weißen Schauspielern gespielt, doch sie wurden auch als von den weißen Eroberern ausgebeutete und verdrängte Stämme dargestellt, die im Grunde in Frieden leben wollen und nur um ihre Freiheit und ihren Lebensraum kämpfen.

In einer großen Rückblende lässt Westernspezialist George Sherman einen US-Major, der einst von Crazy Horse (Victor Mature) gerettet und so zu seinem Freund wurde, sich an das Leben des legendären Sioux-Häuptlings erinnern. Schon in diesem Einstieg wird beklagt, dass das Wild auf den Weiden der Black Hills im Gegensatz zu früheren Zeiten rar ist. Nicht ausgesprochen wird, aber ahnen kann man, dass hier die Weißen die Büffelherden nahezu ausgerottet haben.

Grundlegend anders als die meisten Western wirkt «Speer der Rache» visuell durch die Situierung in den in Süd-Dakota gelegenen Black Hills. Statt der rotbraunen Halbwüste des Südwestens bestimmen grüne Felder den mit großartigen Landschaftsaufnahmen punktenden Cinemascope-Film. Gewöhnungsbedürftig ist freilich, dass die Indianer von Weißen gespielt werden, ziemlich lächerlich wirken ihre Frisuren.

Kitschig ist auch die Vision, mit der sich Crazy Horse schon als Junge an einem Gewitterhimmel als zukünftig zentrale Figur in seinem Stamm sieht. Als Erwachsener wird er die Rolle des Häuptlings der Sioux übernehmen, dass er dabei aber auch andere Stämme im Kampf gegen die Weißen geeint hat, erschließt sich im Grunde erst aus der Auflösung dieses Bündnisses.

Ganz aus der Perspektive der Indianer erzählt Sherman, stellt aber auch nicht die offiziellen US-Truppen, sondern vielmehr geld- und goldgierige Kaufleute als Auslöser der Kämpfe dar. Trotz klarer Abmachungen dringen diese nämlich in ihrer Goldgier ins Indianergebiet vor.

Bei den sich anschließenden Gefechten zeichnet Sherman Crazy Horse als gewieften Taktiker, der die US-Truppen mehrfach durch Listen besiegt. Arg verknappt wird hier bei einer Spielzeit von knapp 90 Minuten freilich vieles. Die legendäre Schlacht bei Little Big Horn findet komplett im visuellen Off statt, denn die Kamera schwenkt mit Schlachtbeginn in den Himmel und man hört nur Kriegslärm, ehe nach Ende der Schlacht sich der Blick aufs Schlachtfeld öffnet.

Zum Helden verklärt wird Crazy Horse freilich auch, wenn er letztlich nicht im Kampf besiegt wird, sondern aufgrund des Winters und des Hungers mit seinem Stamm Zuflucht im Reservat suchen muss.

Dort wird schließlich auch der Konflikt mit einem Stammesgenossen, der am Beginn des Films aus dem Lager vertrieben wurde und bei der Armee Unterschlupf fand, zu Ende geführt. Wie dieser Konflikt freilich insgesamt kaum entwickelt wird, so bleiben auch sonst die Figurenzeichnung und Konfliktfelder sehr holzschnittartig. Zügige Entwicklung der Handlung und jede Menge Action sind hier wichtiger als Komplexität und Ambivalenzen, ein passables Porträt dieses Indianerhäuptlings, das zu weiterer Beschäftigung mit seiner Person anregen kann, ist das dennoch.

An Sprachversionen bietet der bei Koch Media in der Reihe «Classic Western in HD» auf Blu-ray erschienene Film die englische Original- und die deutsche Synchronfassung, aber keine Untertitel. Die Extras beschränken sich auf den amerikanischen Kinotrailer und eine Bildergalerie.

Trailer zu «Speer der Rache»

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