Welcome to Norway

15.11.2016 Walter Gasperi

Ein rassistischer Hotelbesitzer möchte in der Einsamkeit Nordnorwegens mit der Flüchtlingskrise ein Geschäft machen, doch der Kontakt mit den Asylanten lässt ihn langsam umdenken. Rune Denstad Langlos Tragikomödie ist auf der Höhe der Zeit und kennt keine Scheu vor bissigem schwarzhumorigem Witz, entwickelt mit Fortdauer aber auch berührende Momente.


Als Hotelier ist Primus (Anders Baasmo Christiansen) wenig erfolgreich, auch das Familienleben ist zerrüttet. Eine Chance um sich finanziell zu sanieren, sieht er in der Einquartierung von Flüchtlingen in dem leerstehenden Gebäude, zahlt doch die norwegische Regierung dafür pro Kopf eine beträchtliche Summe.

In schneller Bewegung folgt die Kamera Primus durch das Hotel bei seinen letzten notdürftigen Renovierungsarbeiten. Mitgefühl kennt er mit den Flüchtlingen keines, spricht ganz selbstverständlich von «Negern» und hat zur Verpflegung jede Menge tiefgefrorenes Brot, das er mit der Motorsäge portioniert, sowie vor Jahren von ihm selbst gefangene Fische, vorbereitet.

Probleme stellen sich ein, als klar wird, dass kaum einer der Flüchtlinge Englisch oder Norwegisch kann. So wird rasch der Afrikaner Abedi (Olivier Mukuta) zum Helfer und Dolmetscher von Primus. Beträchtlichen Witz bezieht die Tragikomödie aus dem Aufeinandertreffen des eigennützigen Norwegers, der freilich nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch Schweden oder Südnorweger mit rassistischen Bemerkungen abkanzelt, mit den Neuankömmlingen.

Auch die Einquartierung sorgt hier für Turbulenzen, kann doch weder ein Christ mit einem Moslem noch ein Schiite mit einem Sunniten und schon gar kein Mann mit einer Frau in einem Doppelzimmer untergebracht werden. Ihre Unzufriedenheit mit der Unterkunft äußern die Flüchtlinge mit den Banneraufschriften «Guantanamo» und «Gulag», denn sie wollen selbstverständlich auch Fernseher und Playstation – auch wenn die Fußball-Übertragungen dann wieder zu Streit führen.

Primus ist das ziemlich egal, denn er will nur das Geld, das aber die Sozialarbeiterin nicht so einfach zugestehen will. Da müssen nicht nur eine Bibliothek eingerichtet und Norwegisch-Kurse gehalten werden, sondern Primus muss auch dem Drängen der Frau nach körperlicher Nähe nachgeben. Öl ins Feuer seiner schon bestehenden familiären Probleme ist das natürlich wiederum.

Langsam öffnet er sein Herz aber, als er die Fähigkeiten eines irakischen Ingenieurs (Slimane Dazi) ebenso wie die Dolmetschertätigkeit und den Organisationssinn, aber auch die Sanftmut Abedis zu schätzen und in ihnen Menschen zu sehen beginnt. So wird er dann auch am Ende vor einer Entscheidung stehen, die am Beginn wohl jenseits seines Vorstellungsvermögens lag.

Rune Denstad Langlos („Nord“) Tragikomödie besticht durch den genauen Blick für die Realität, für Typen und Situationen. Schwarzhumorige Komik entwickelt sich durch den wunderbar unbekümmerten und frechen Umgang mit dem ernsten Thema. Geschickt regt der Norweger so den Zuschauer an, auch über seine eigenen Vorurteile nachzudenken, und bietet nach rasantem und bissigem Beginn auch zunehmend bewegende Einblicke in die Flüchtlingsschicksale.

Da kommen kurz traumatische Erfahrungen in der Heimat wie die Vergewaltigung durch mehrere Soldaten ebenso zur Sprache wie das stets über ihnen hängende Damoklesschwert der Abschiebung. Deutlich wird, dass auch die Angst vor rassistischen Übergriffen nicht unberechtigt ist, doch gekonnt schlagen Primus und der Iraker in einer Szene zurück, die auch für einen witzigen Höhepunkt sorgt.

Im trockenen Erzählton, im sicheren Timing und treffsicheren Dialogen, aber auch in den perfekt gecasteten Figuren ist das ein typisch skandinavischer Film. Beiläufig, aber präzise ist die Handlung auch in die verschneite Einöde Nordnorwegens eingebettet, die wiederum einen trefflichen Kontrast zu den aus südlichen Ländern stammenden Flüchtlingen bildet. Nie verlässt «Welcome to Norway» diesen recht eng gefassten Raum um das Hotel und gewinnt auch durch diese Beschränkung, die auch mit einer inhaltlichen Fokussierung korrespondiert, Dichte.

So sehr dieser Primus dabei am Beginn ein Kotzbrocken ist, so sehr muss er einem mit Fortdauer auch ans Herz wachsen. Aber auch zu den Flüchtlingen, bei denen sich Langlo geschickt auf wenige beschränkt, die knapp, aber prägnant charakterisiert werden, gewinnt man zunehmend Zugang, sodass sie und ihre verschiedenen Schicksale über das Filmende hinaus haften bleiben.

Spielboden Dornbirn: Fr 18.11. + Sa 26.11. - jeweils 19.30 Uhr (norweg. O.m.U.)
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 21.12., 20 Uhr; Do 22.12., 20 Uhr; Fr 23.12., 22 Uhr (jeweils norweg. O.m.U.)

Trailer zu «Welcome to Norway»

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