Stadt im Meer - City Under the Sea

01.12.2016 Walter Gasperi

Ein Kapitän, der in einer Stadt unter dem Meer herrscht, entführt Menschen, damit diese Maßnahmen gegen einen drohenden Vulkanausbruch setzen. Jacques Tourneurs letzter Film, der auf einem Gedicht von Edgar Allan Poe basiert, ist bei Alive AG in einem Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienen.


Mit «Cat People» (1942) und «I Walked With a Zombie» (1943) schuf Jacques Tourner in den 1940er Jahren atmosphärisch ungemein starke Horrorfilme, mit dem Film Noir «Out of the Past» gelang dem gebürtigen Franzosen 1947 eines der zeitlosen großen Meisterwerke des Kinos.

Vielversprechend beginnt auch diese 1965 entstandene Adaption von Edgar Allan Poes Gedicht «City Under the Sea». Verunsicherung erzeugt Tourneur mit einem Leichenfund an der Küste Cornwalls und mysteriösen Vorgängen in einem Hotel. Die Spannung kippt aber sogleich auch wieder ins Komödiantische, wenn der junge Bergbauingenieur Ben Harris auf den Künstler Harold trifft, der stets sein Huhn Herbert bei sich hat.

Als Jill, die Besitzerin des Hotels von einem mysteriösen Wesen entführt wird, entdecken Ben und Harold bald einen Geheimgang, durch den sie in eine Welt unter dem Meer vordringen, in der ein Kapitän (Vincent Price) eine absolute Herrschaft aufgebaut hat. Dieser sieht aber sein Reich durch einen Vulkan bedroht. Ben und Harold sollen diese Gefahr bannen, versuchen aber mit Jill aus der versunkenen Stadt, in der die Menschen aufgrund eines speziellen Gasgemisches kaum altern, zu flüchten.

Kann Tourneur im Hotel, in dem sich der Film auch durch die Farbgestaltung auf den Spuren von Roger Cormans klassischen Poe-Filmen bewegt, durchaus noch atmosphärische Spannung aufbauen, so können die Unterwasserszenen nicht überzeugen. Ganz offensichtlich hat es hier an Geld gemangelt.

Statt mit starken Kulissen eine fremde Welt zu evozieren, wirkt die Ausstattung billig, statt dynamischer Handlungsentwicklung dominieren Dialoge und Großaufnahmen. Wenig Spannung entwickelt sich auch in einer langen Unterwasserszene, in der einerseits der Kapitän und seine Helfer Ben, Harold und Jill verfolgen, andererseits selbst von hier lebenden Kiemenmenschen, deren Gesicht wieder leicht als Maske erkennbar ist, angegriffen werden.

Blass bleiben auch die Figuren, von denen nur der Kapitän mit Vincent Price mit einem charismatischen Star besetzt ist. Auch die permanente Sorge Harolds um sein Huhn Harold, das er sogar in seine Taucherglocke mitnimmt, wirkt einerseits spannungshemmend, andererseits entwickelt sich daraus auch bestenfalls schaler Witz.

An Sprachversionen bietet das bei Alive AG erschienene Mediabook, das DVD und Blu-ray des Films enthält, die englische Original- und die deutsche Synchronfassung. Die Extras beschränken sich auf den Trailer und die deutsche Titelsequenz sowie ein Booklet zur Karriere von Vincent Price.

Trailer zu «Stadt im Meer»

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