Paul Klee und die Surrealisten

07.03.2017

19.11.2016 bis 12.03.2017  Zentrum Paul Klee

Die Ausstellung «Paul Klee und die Surrealisten» thematisiert zum ersten Mal die faszinierende und überraschende Beziehung zwischen Paul Klee und den Surrealisten. Für die Schau wurden über 250 Ausstellungsstücke aus bedeutenden Museen der Welt zusammengeführt, darunter zahlreiche Meisterwerke des Surrealismus, von Salvador Dalí, Giorgio de Chirico über Max Ernst, Alberto Giacometti bis hin zu René Magritte, Joan Miró und Man Ray.


Die Liste der Autoren, Künstler und Verleger, die im Paris der 1920er und 1930er Jahre von Klee inspiriert wurden und über ihn publizierten oder mit ihm korrespondierten, liest sich wie ein Auszug aus dem Who is Who des Surrealismus. Dass er als deutscher Künstler in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg für die Surrealisten zum Orientierungspunkt werden konnte, ist ebenso erstaunlich wie die Tatsache, dass Klee Ende der zwanziger Jahre in Paris zu dem meist verkauften Künstler zählte.Die in Frankreich entstandene Bewegung des Surrealismus, die ihren Ausdruck in der Literatur, Malerei, Fotografie und Film fand, strebte nach der Erschaffung einer freien, revolutionären und unabhängigen Kunst. In Paul Klee erkannten die Surrealisten, die ihre Inspiration in der Hinwendung zum Traumhaften, Surrealen und Unbewussten fanden, einen Bildzauberer und kongenialen Vorläufer.

In den ersten Jahren der surrealistischen Bewegung waren es die Literaten und Dichter, die Klee als Vorbild einer noch zu erfindenden surrealistischen Malerei propagierten. «In Weimar blüht eine Pflanze, die einem Hexenzahn gleicht», schreibt Louis Aragon im Mai 1922 über Klee in der von ihm, André Breton und Philippe Soupault herausgegebenen Zeitschrift Littérature. Antonin Artaud bezeichnete ihn 1923 als «peintre mental», und Robert Desnos sprach Klee die Fähigkeit zu, «den Blinden die Malerei zu lehren». Der Besuch der ersten Paul Klee-Ausstellung, die 1925 in Paris stattfand, wurde für die surrealistischen Maler André Masson und Joan Miró zum künstlerischen Initiationserlebnis. Paul Klees Fantasie galt als grenzenlos. Er pflegte ein Image als weltabgewandter Künstler, was der von ihm verfasste Satz «diesseitig bin ich gar nicht fassbar» auf wunderbare Weise ausdrückt. Die Beziehung verlief aber nicht einseitig: Klee empfing seinerseits von den Surrealisten wichtige Impulse und war trotz seiner Zurückhaltung gegenüber ihren Vereinnahmungsversuchen ein Geistesverwandter.

Die Beziehungen zwischen Paul Klee und den Surrealisten umfassend zu präsentieren und zu erforschen und ihr künstlerisches Potential fast hundert Jahre später erneut zum Leben zu erwecken, das hat sich das Zentrum Paul Klee mit der Ausstellung «Paul Klee und die Surrealisten» und dem dazugehörigen Katalog zum Ziel gesetzt. Gezeigt wird eine Vielzahl surrealistischer Meisterwerke, von denen der Grossteil zum ersten Mal in Bern zu sehen sein wird, darunter Giorgio de Chiricos «Ritratto (premonitore) di Guillaume Apollinaire», «La vache spectrale» von Salvador Dalí oder die Skulptur «Table» von Alberto Giacometti.

Die facettenreiche Wechselwirkung zwischen Paul Klee und den Surrealisten wird in sieben thematischen Sektionen nachgezeichnet: ausgehend von der «écriture automatique» – oder mit den Worten Klees «dem psychischen Automatismus» – über den Traum, den imaginären oder surrealen Raum, die surrealen Porträts und Masken bis hin zum Geheimnis der Objekte. Den Höhepunkt dieser thematischen Begegnung bilden drei zentrale Felder: Eros und Sexualität und die damit zusammenhängende Fragmentierung und Instrumentalisierung des Körpers sowie das wundersame Reich der «Histoire naturelle», der imaginären Pflanzen- und Tierwelten, die Klee mit den Surrealisten, allen voran mit Max Ernst, verbindet.

Die Ausstellung wurde durch die enge Zusammenarbeit mit dem Centre Pompidou in Paris möglich, das dem Zentrum Paul Klee über 60 Werke zur Verfügung stellt. Weitere Werke dieser umfassenden Schau stammen aus bedeutenden Museen der Welt, darunter das MoMA und das Guggenheim Museum in New York, die Menil Collection in Houston, das Philadelphia Museum of Modern Art, die Pinakothek der Moderne, das Kunstmuseum Basel, die Fondation Beyeler und das Kunsthaus Zürich sowie bedeutende Sammler.


Katalog: «Paul Klee und die Surrealisten.» Herausgegeben von Michael Baumgartner und Nina Zimmer, Zentrum Paul Klee, Bern; Verlag: Hatje Cantz. Mit Beiträgen von Michael Baumgartner, Kai-Inga Dost Guitemie Maldonado, Osamu Okuda, Jürgen Pech, Sophie Petit-Emptaz, Hans-Peter Wittwer. 400 Seiten, mit ca. 380 farbigen Abbildungen, Ausgabe in Deutsch (ISBN 978-3-7757-4154-5) / Französisch (ISBN 978-3-7757-4155-2)

Paul Klee und die Surrealisten
19. November 2016 bis 12. März 2017

Zentrum Paul Klee
Monument im Fruchtland 3
CH-3000 Bern
T: 0041 (0)31 35901-01
F: 0041 (0)31 35901-02
E: kontakt@zpk.org
W: http://www.zpk.org


Öffnungszeiten

Di bis So 10 – 17 Uhr
montags geschlossen

 


  • Paul Klee (1879 - 1940): Der Blick des Ahriman, 1920, 148. Aquarell und Deckfarbe auf Papier auf Karton, 12,5 x 20,5 cm; Privatsammlung
  • Giorgio de Chirico (1888 – 1978): Ritratto [premonitore] di Guillaume Apollinaire, 1914. Öl und Kohle auf Leinwand, 81,5 x 65 cm; Centre Pompidou, Paris. Photo © Centre Pompidou, MNAM-CCI, Dist. RMN-Grand Palais / Adam Rzepka. © 2016, ProLitteris, Zurich
  • René Magritte (1898 – 1967): La sortie de l’école, 1927. Öl auf Leinwand, 73 x 100 cm; Privatsammlung Bern. © 2016, ProLitteris, Zurich
  • Max Ernst (1891 – 1976): Jardin gobe-avions, 1935. Öl auf Leinwand, 54 x 74 cm; Centre Pompidou, Paris. Photo © Centre Pompidou, MNAM-CCI, Dist. RMN-Grand Palais / Philippe Migeat; © 2016, ProLitteris, Zurich
  • Man Ray (1890 – 1976): Rencontre d’une machine à coudre et d’un parapluie sur une table dissection, 1932 - 1933. Collage und Zeichnung; Tusche und Silbergelatine-Abzug, 27,4 x 47,5 cm; Birger Raben-Skov, Copenhagen. © Man Ray Trust / 2016, ProLitteris, Zu
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W: http://www.zpk.org


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