Toy, toy, toy!

02.11.2016 Rosemarie Schmitt

Wo Yello draufsteht, da ist auch Yello drin! Und so ist das seit 38 Jahren!


Da gibt es seit beinahe 40 Jahren eine sehr erfolgreiche Zwei-Mann-Band. Die beiden sind die Elektropopper überhaupt, denn man sagt, sie haben es erfunden. Also ihn erfunden, diesen ganz speziellen Sound. Na ja, es sind halt Schweizer. Das ist vielleicht auch einer der Gründe, warum sie sich erst nach 38 Jahren entschieden haben, ein Livekonzert zu geben. Nein, das ist so nicht korrekt, denn es waren gleich 4 an der Zahl! Allesamt fanden sie im Berliner Kraftwerk statt und waren innerhalb kurzer Zeit ausverkauft.

Yello, das sind der Dieter Meier und der Boris Blank. Und «Toy», so heisst ihr 13. Studioalbum, das seit einem Monat auf dem Markt ist (Polydor/Universal-Music).

Was ich an diesem neuen Album besonders mag, ist diese rhythmisch, rollende Melancholie mancher Titel, bei denen ich mir beim Hören wünsche, sie blieben instrumental. Wobei ich diese ganz spezielle Stimme von Meier schon interessant finde. Ich bin auch immer recht schnell versöhnt, wenn er dann doch beginnt, brummelnd zu sprechsingen. Auf die von Frauen hingesäuselten Texte könnte ich gut und gerne verzichten. Da steh ich halt nicht so drauf. Eine der Frauen heißt Fifi, und ich finde, das hört man.

Die beiden Musiker sind seit fast 4 Jahrzehnten ihrem Stil treu. Und ich wette, dass sich Großeltern und ihre Enkel um die Eintrittskarten zu den Berliner Konzerten gestritten haben! Als die beiden damals begannen, war es etwas sehr besonderes und neues elektronische Musik zu machen. Inzwischen ist das nicht mehr so, dennoch ist und bleibt Yellos Musik besonders! Ihre Klangbilder sind wie die eines Malers unverwechselbar. Das ist eben typisch Yello.

Und wer ist für diese Klangbilder zuständig? Das ist ganz klar! Denn während Dieter Meier in der Welt auf seinen zig «Baustellen» unterwegs ist, klöppelt Boris Blank erst so 8 Stunden im Yello-Studio, dann nach Feierabend im Freiberufler-Home-Studio an den Songs. Blank sagte, er sei sich während der Arbeit an «Toy» im Yello-Studio oft wie ein Mönch vorgekommen, der solitär vor sich hin arbeitet, durch nichts und von niemandem gestört oder aus der Ruhe gebracht.

Schluss mit der Ruhe ist spätestens, wenn Herr Meier dann anreist und die instrumentalen Klangbilder von Herr Blank zunächst einmal in einer nicht existierenden Sprache zu besingen beginnt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es da schon die ein oder andere Diskussion (um es milde auszudrücken) gegeben hat. Boris Blank sagt: «Dieter ist ein Transitmensch. Er liebt es anzukommen, kurz zu verweilen und dann wieder weiterzugehen.»

Blank hingegen ist Perfektionist und arbeitet Jahre lang in «Einsamkeit» an einem Projekt. Das muss doch dann sein, als rase ein ICE durch seine Höhle, wenn Herr Meier auftaucht. Doch der «Mönch» hält das aus - genießt es möglicherweise sogar. Genießt und hält aus, vielleicht ob des Wissens darum, dass dieser Meier ganz sicher so schnell wieder abtaucht, wie er aufzutauchen gedachte, und dass während dieser kurzen und heftigen Zeit seiner Anwesenheit etwas sehr Besonderes entsteht. - So wie das aktuelle Album «Toy». Es ist typisch und doch so besonders!

«Toy» ist erhältlich als Schallplatten-Doppelalbum (ja, aus richtigem Vinyl!) mit 17 Tracks, als Deluxe-CD mit ebenfalls 17 Tracks und als Standard-CD mit 14 Titeln.

Was mir außerdem unwahrscheinlich gut gefällt, ist nicht etwa ein bestimmter Titel von Yello, sondern, was Dieter Meier sagte: «So lange ich lebe ist es für mich wie Weihnachten für ein Kind, wenn ich mit Boris im Studio bin. Fast schon wie die Madeleine-Kekse in Marcel Prousts »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« katapultieren mich die Klänge von Boris in das kindliche Staunen als kleiner Junge, wenn meine Mutter die Tür zum Wohnzimmer öffnete und mein Blick auf das Wunder des Christbaums fiel. Ich erlebe in den Klangräumen von Boris das Ende des Zweifels und es entfällt mir ein gegrummeltes »Oh Yeah!«»
Schön! Nicht wahr?!

Herzlich,
Eure Rosemarie

  • Yello; Foto: Universal Music, Helen Sobiralski

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