Unter dem Sand

13.10.2016 Walter Gasperi

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mussten kriegsgefangene deutsche Soldaten an der dänischen Westküste Landminen entschärfen. Martin Zandfliets nervenzerrendes Drama, das ein weitgehend vergessenes Kapitel der Geschichte in Erinnerung ruft, ist bei Koch Media auf DVD und Blu-ray erschienen.


Groß ist der Hass der dänischen Bevölkerung im Mai 1945 als die fünfjährige deutsche Besetzung endet. Schon die Auftaktszene macht dies deutlich, wenn der Feldwebel Carl Rasmussen (Roland Møller) mit seinem Jeep an einer langen Kolonne deutscher Soldaten entlangfährt und einen jungen Mann, der eine dänische Flagge bei sich trägt brutal, zusammenschlägt.

Der Krieg ist zwar zu Ende, aber über zwei Millionen Landminen, mit denen die Nazis eine potentielle Invasion der Alliierten abwehren wollten, liegen noch an der dänischen Westküste begraben. Rasmussen erhält die Aufgabe mit rund einem Dutzend junger deutscher Soldaten einen Küstenstreifen von den heimtückischen Granaten zu säubern.

Schuljungen sind das im Grunde noch, die hier für die Verbrechen ihrer Väter büßen müssen, erst in den letzten Kriegsmonaten wurden sie eingezogen und im «Volkssturm» verheizt. Dennoch tritt Rasmussen ihnen gegenüber mit unerbittlicher Härte auf. Schon beim Training kommt einer von ihnen um, nur vier werden schließlich überleben.

Nervenzerrende Spannung erzeugt Zandfliet in der Schilderung der Entschärfung der Minen, denn jederzeit kann hier eine hochgehen. Der Däne schreckt auch nicht davor zurück die verheerende Wirkung zu zeigen, wenn einem Jungen beide Arme weggerissen werden, von anderen nach der Explosion praktisch keine Überreste mehr gefunden werden.

Ganz auf die Jugendlichen, die als Kriegsgefangene nach der Genfer Konvention freilich nicht zu dieser Aufgabe verpflichtet werden können und sie offiziell freiwillig gegen das Versprechen der Freilassung verrichten, auf ihren Vorgesetzten und den Küstenstreifen konzentriert sich Zandfliet.

Vorhersehbar ist freilich die Handlung mit der langsamen Wandlung Rasmussens. Denn trotz seines Hasses rührt ihn das Schicksal der Jugendlichen zunehmend. Stiehlt er zunächst im Basislager Nahrung für sie, verriegelt er bald ihre Unterkunft nachts nicht mehr und spielt sogar mit ihnen Fußball am Strand. Zu den gewohnten dramaturgischen Kniffen gehört auch ein Rückschlag in dieser Entwicklung, aber das starke Spiel Roland Møllers als Rasmussen und die ausdrucksstarken Gesichter der Jugendlichen, die allerdings aufgrund ihrer großen Zahl als Individuen kein Profil gewinnen, lässt darüber hinwegsehen.

Nah an ihnen dran ist die Kamera von Camilla Hjelm, lässt hautnah ihr Schicksal und ihre Ängste, aber auch ihre Träume miterleben, sodass dieses auch durch die konzentrierte Inszenierung packende Drama haften bleibt und gleichzeitig ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte in Erinnerung ruft. Darüber hinaus erzählt Zandfliet aber auch eindrücklich von der Überwindung des Hasses, vom Sieg der Menschlichkeit und von Zivilcourage, wenn sich Rasmussen am Ende über den Befehl seines Vorgesetzten hinwegsetzt.

An Sprachversionen bieten die bei Koch Media erschienene DVD und Blu-ray die dänisch-deutsche Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Die Extras umfassen außer Teaser und Trailer Interviews mit dem Cast und der Crew sowie ein Feature zu den Dreharbeiten («Behind the Scenes»).

Trailer zu «Unter dem Sand»

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