Die glorreichen Sieben

27.09.2016 Walter Gasperi

Nicht viel Neues bringt Antoine Fuquas Remake von John Sturges Western-Klassiker, bietet aber immerhin solide, wenn auch einfach gestrickte Unterhaltung.


Schon John Sturges´ 1960 gedrehter Western «The Magnificent Seven» war ein Remake von Akira Kurosawas «Die sieben Samurai» (1954). Verlegte Sturges immerhin noch die Handlung aus dem japanischen Mittelalter in den amerikanischen Westen des 19. Jahrhunderts, fällt bei Fuqua zwangsläufig diese Variation schon einmal weg.

Doch wurde bei Sturges ein mexikanisches Dorf von einem Banditen terrorisiert, so geht es bei Fuqua um eine amerikanische Kleinstadt mit weißen Siedlern. An die Stelle eines Banditen rückt hier ein Geschäftsmann, der sich mit den Unternehmern Rockefeller und Vanderbilt vergleicht, und die Bewohner wegen der Goldmine mit Hilfe einer Armee von Söldnern vertreiben möchte.

Wirklich weiter getrieben wird diese Kapitalismuskritik freilich nicht, sorgt aber immerhin für einen durchaus auch als aktuell zu lesenden Akzent. Recht formelhaft ist dann die Handlung aufgebaut, bei der auf einen brutalen Übergriff des bis zur Karikatur überzeichneten Bösewichts (Peter Sarsgaard) die Suche nach schlagkräftigen Männer zum Schutz der Stadt folgt.

Zum Standard solcher Filme um ein Kollektiv von Profis gehört die Rekrutierung unterschiedlicher Typen, wobei der schwarzgekleidete Sam Chisolm (Denzel Washington) die Führung übernimmt. Wie im Original muss die Truppe bunt gemischt sein, doch deutlich weiter treibt Fuqua diesen Aspekt. Nicht nur ein Mexikaner gehört hier dazu, sondern auch ein Kartenspieler (Chris Pratt) ein Indianer, der selbstverständlich mit Pfeil und Bogen kämpft, ein bärenhafter Skalpjäger, ein chinesischer Messerwerfer und ein Scharfschütze (Ethan Hawke).

Wohl auch um verschiedene Zuschauergruppen anzusprechen ist die Truppe multiethnisch, auffallend aber, dass im Film nie ein Wort darüber verloren, dass als selbstverständlich hingenommen wird, dass ein Afroamerikaner der Anführer ist, ein Indianer auf ihrer Seite kämpft oder der Chinese und der Scharfschütze gemeinsam durch den Westen ziehen.

Profil gewinnen aber nur wenige dieser Figuren, werden weitgehend auf Typen reduziert, nur Ethan Hawkes Scharfschütze darf ein Geheimnis mit sich tragen und Chisolms Einsatz für die Stadt erweist sich vom Ende her als keineswegs uneigennützig. Von diesem Ende her erscheint dann diese Truppe, die nur durch Chisolm zusammengehalten wird, auch gar nicht mehr als so glorreich, ihr Handeln nicht mehr als so moralisch, sondern als geschickt von ihrem Anführer für seine eigenen Interessen instrumentalisiert.

Recht formelhaft setzt sich die Story mit erster großer Schießerei beim Eintreffen der sieben Helden und anschließender Vorbereitung für den bevorstehenden finalen Kampf fort. Mehr Wert auf Action als auf ruhige Szenen mit differenzierter Figurenzeichnung legt Fuqua, bis schließlich im mit 30 Minuten überlangen Showdown nur noch die Waffen sprechen. Wieso dabei der Angreifer freilich zunächst zahllose Männer in den Tod schickt und erst dann seine stärkste Waffe auspackt, werden wohl nur Fuqua und sein Drehbuchautor erklären können.

Den großen eigenen Ansatz sucht man hier also vergebens. Ganz klassisch hat Fuqua die Geschichte inszeniert, verzichtet auf Modernismen und ironische Spielereien. Begeisterung kann dieses Remake damit kaum auslösen, bietet aber nach Timur Bekmambetovs miserablem «Ben Hur» immerhin solide Unterhaltung, bei der auch die zahlreichen prächtigen Landschaftsaufnahmen das Auge erfreuen.

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