In Sterns Welt

10.09.2016 Bernhard Sandbichler

Spiele müssen erfunden werden, das Spielen selbst nicht: Kinder tun es einfach - solange sie von Erwachsenen nicht davon abgebracht werden. André Stern legt dieses sein Plädoyer nun in Buchform vor.


  • Achse 1: Diagnose
    Dass Kinder spielen, dass Spielen Lernen und Lernen Leben ist: liegt alles in den Genen.
     
  • Achse 2: Prognose
    Probieren, experimentieren, studieren: das machen sie alles intuitiv - und «begeistert».
     
  • Achse 3: Entwicklung
    Mit dieser Begeisterung und in seinem Tempo schafft jeder, was er schaffen will: Kinder müssen keine Genies werden - sie sind Genies.
     
  • Achse 4: Intelligenz
    Das erwachsene Besserwissen demonstriert eigentlich nur, dass genetischeVeranlagung und Intuition verlernt werden. Anleitung und Korrektur sind erwachsenen-, nicht kindzentriert. Und: Was die Autoritären falsch machen, machen die Anti-Autoritären nicht richtiger.
     
  • Achse 5: Körper
    Kinder brauchen Körperkontakt, Zuwendung, Geborgenheit. Bindung, so Stern, macht sie autonom.
     
  • Achse 6: Psyche
    Kinder mögen Rituale, das, was zur selben Zeit am selben Ort auf dieselbe Weise stattfindet. «Die Notwendigkeit der Wiederholung ist für das Kind eine enorme Befreiung», sagt Stern; Wiederholung langweilt das Kind keineswegs.
     
  • Achse 7: Alltag
    «Wir müssen komplett umdenken»: Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Begeisterung, Ernsthaftigkeit, Tiefe, Offenheit des Herzens brauchen nicht gelernt zu werden. Erwachsene sollten sie sich von Kindern wieder abschauen und sich bewusst machen, was Kinder sich umgekehrt von Erwachsenen abschauen können. Soziale Konditionierungen bitte ablegen: So wie wir angesehen werden, sehen wir uns selber an («Ich bin nicht gut in…»). «Die Versöhnung mit dem verletzten Kind», so Stern, «wird die Welt verändern.»
     

André Stern: Spielen, um zu fühlen, zu lernen und zu leben. München: Elisabeth Sandmann Verlag 2016, 136 Seiten, EUR 20,60

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