Don´t Breathe

13.09.2016 Walter Gasperi

Drei Jugendliche brechen in das Haus eines blinden Irakkriegs-Veteranen ein, doch das Trio hat den Eigentümer unterschätzt. – Fede Alvarez demonstriert meisterhaft, wie man mit minimalen Mitteln und auf engstem Raum 90 Minuten nervenzerrende Hochspannung entwickelt.


Mit seinem Remake von Sam Raimis «Evil Dead» hat sich der Uruguayer Fede Alvarez vor drei Jahren einen Namen gemacht, mit dem von ihm selbst auch geschriebenen «Don´t Breathe», der sich in den USA zum Kassenschlager entwickelte, beweist er eindrücklich, dass er auch auf eigenen Beinen stehen kann.

Schauplatz der Handlung ist Detroit, aus dem immer mehr Menschen wegziehen, ganze Viertel schon entvölkert sind. Um den Traum von einem Leben im sonnigen Kalifornien zu verwirklichen, brechen die junge Rocky (Jane Levy) und Money (Daniel Zivatto) in Villen ein. Alex (Dylan Minnette), dessen Vater bei einer Sicherheitsfirma arbeitet, beschafft jeweils die Hausschlüssel. Um das Strafausmaß gering zu halten, klauen sie nur Sachgegenstände im Gesamtwert von weniger als 10.000 Dollar und verzichten auch auf Waffen.

Alles ist freilich anders, als sie den Tipp erhalten, dass in einem entsiedelten Viertel von Detroit – quasi eine Geisterstadt – ein alter und blinder Irakkriegs-Veteran lebt, der mehrere hunderttausend Dollar im alten Haus versteckt. Will Alex zunächst nicht mitmachen, ist er aus Liebe zu Rocky schließlich doch dabei.

Eine einfache Angelegenheit scheint das zu sein. Der Plan ist klar: Der Rottweiler wird betäubt, die Alarmanlage ausgeschaltet, der Eigentümer mit Chloroform außer Gefecht gesetzt und still und leise zieht man sich, nachdem man das Geld gefunden hat, wieder zurück. Doch alles kommt anders, als der vermeintlich schlafende Blinde plötzlich im Zimmer steht und sich – speziell in der Dunkelheit – als alles andere als hilflos erweist.

Nach kurzer Exposition, in der Alvarez auch Einblick in die desolaten familiären Verhältnisse von Rocky bietet und die Fluchtgedanken damit motiviert, spielt der ganze Film im Haus, erzählt quasi in Echtzeit und kommt weitgehend mit dem Einbrechertrio und dem Überfallenen sowie dessen Rottweiler als Akteure aus.

Kompakt und dicht wird «Don´t Breathe» durch diese Beschränkungen, kann auch mit einer prägnanten Charakterisierung der von unverbrauchten jungen Darstellern gespielten Protagonisten, auf deren Wissensstand der Zuschauer immer ist, punkten. Hineingezogen wird man so in ihre Situation, erlebt die Enge und Beklemmung nicht zuletzt dank der famosen Kameraarbeit von Pedro Luque, die für extrem dichte Atmosphäre sorgt, hautnah mit.

Keine Nebengeschichten, kein Unterbau und kein Spektakel sind hier nötig. Alvarez erzählt ökonomisch und stringent, beschränkt sich ganz auf den beinharten Kampf zwischen dem jugendlichen Trio und dem Eigentümer. Rasch werden hier aus den Einbrechern Eingesperrte, die nicht mehr aus dem Haus rauskommen, weil der Blinde alle Türen verriegelt, gleichzeitig weiß dieser aber nicht, wie viele Eindringlinge in seinem Haus sind.

So werden die Täter zu Opfern, um die man zittert, weil Alvarez sie durch die Exposition und ihre Perspektive zu Identifikationsfiguren gemacht hat, und das ursprüngliche Opfer, bei dem bald auch eine pechschwarze Seite zu Tage tritt, zum Täter, der freilich nicht zuletzt dank der famosen Darstellung durch Stephen Lang auch wieder als Opfer seiner Schicksalsschläge erscheint. Von außen kann hier für keine von beiden Seiten Hilfe kommen, auf sich gestellt sind sie in einer Welt, in der das Fehlen von Nachbarn auch auf ein Fehlen von Solidarität verweist.

Mit immer wieder überraschenden Wendungen treibt Alvarez so auf engstem Raum die Handlung sukzessive weiter. Besteht zunächst die Gefahr, dass die Jugendlichen sich mit jedem Laut verraten und – dem Titel entsprechend – den Atem anhalten, stößt der Blinde sie bald in völlige Dunkelheit, in der er ihnen endgültig überlegen ist.

Kein Entkommen scheint es in diesem Home-Invasion-Thriller so schließlich nicht für den Bewohner, sondern vielmehr für die Eindringlinge zu geben, doch Alvarez zeigt speziell an der von Jane Levy mit großem Körpereinsatz und sehr physisch gespielten Rocky, welche Kräfte mobilisiert werden, wenn es ums nackte Überleben geht, zeigt aber auch, was man aus Gier zu riskieren bereit ist.

Eine Lehrstunde in Sachen Spannungserzeugung ist dieser packende Thriller, der auch meisterhaft mit dem Ton arbeitet, mal die Musik losbrechen lässt, dann wieder mit absoluter Stille in Atem hält. Gespannt sein darf man auf die Zukunft von Alvarez, die allerdings hoffentlich nicht in einer Fortsetzung dieses Films besteht, deren Möglichkeit mit dem Ende in gewissem Maße schon vorbereitet wird.

Läuft derzeit im Cineplexx Hohenems

Trailer zu «Don´t Breathe»

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