Mit Pauken und Trompeten

07.09.2016 Rosemarie Schmitt

In einem Satz gesagt, ist die Sinfonie Nr. 1 in c-Moll op. 11 von Felix Mendelssohn Bartholdy ist eine romantische Sinfonie. Sie allerdings hat 4 Sätze. Die Aufführungsdauer beträgt ca. 30 Minuten. Die Besetzung: 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 2 Hörner, 2 Trompeten, Pauken und Streicher. Er war 15, als er sie komponierte.


Nachdem der Pianist Ignaz Moscheles den jungen Felix bei einem seiner Besuche im Hause Mendelssohn beim Klavierspiel zuhörte, traute er seinen Ohren nicht, und seinem Tagebuch an: «Das ist eine Familie, wie ich noch keine gekannt habe; der fünfzehnjährige Felix, eine Erscheinung, wie es keine mehr giebt [sic]! Was sind alle Wunderkinder neben ihm? Sie sind eben Wunderkinder und sonst nichts; dieser Felix Mendelssohn ist schon ein reifer Künstler und dabei erst fünfzehn Jahre alt!»

Die Uraufführung dieses Werkes fand am 19. Geburtstag seiner Schwester Fanny im Elternhaus bei einer der «Salonmusiken» in Berlin statt. Es ist eine charmante und, bedenkt man, in welchem Alter sie komponiert wurde, eine erstaunlich reife und ernsthafte Sinfonie.

Ein Meilenstein in Mendelssohns musikalischem Leben ist jedoch sein wohl bekanntestes, am häufigsten aufgeführtes Orchesterwerk: Die Sinfonie Nr. 4 in A-Dur op. 90, «Italienische». Auch deren Aufführungsdauer beträgt ca. 30 Minuten. Komoniert wurde sie, wie die 1. Sinfonie für: 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 2 Hörner, 2 Trompeten, Pauken und Streicher.

Bevor er sich im Mai 1830 auf eine seiner bürgerlichen Bildungsreisen nach Italien machte, besuchte er ein letztes Mal seinen Freund Johann Wolfgang von Goethe. Diese letzten Gespräche, so schrieb Felix Mendelssohn seinen Eltern, hätten um alles Mögliche gekreist, um Gott und die Welt, wie man zu sagen pfegt, und dass ihm rückblickend diese Gespräche mehr gegeben hätten, als er zunächst gedacht habe. Als der junge Komponist Herr Goethe dafür danken wollte, meinte dieser:«Ist ja nur zufällig, das kommt alles so beiläufig zum Vorschein, hervorgerufen durch ihre liebe Gegenwart.» (aus: Das Erbe der Mendelssohns von Julius H. Schöps / S. Fischer 2009). Ach, ich komme aber auch vom Hölzchen auf’s Stöckchen! Aber ist das denn verwunderlich, bei der Beschäftigung mit solch interessanten Persönlichkeiten?! Wo diese Redewendung mit dem Hölzchen und dem Stöckchen herkommt? Nein, darauf jetzt einzugehen, führte dann doch zu weit. Später vielleicht einmal.

Also, was könnte dem jungen Felix anderes als Reiseführer gedient haben, als Goethes literarische Ausführungen zu seiner eigenen «Italienische Reise»!? Unter den vielfältigen Eindrücken seiner Italienreise begann Mendelssohn die Sinfonie Nr. 4 zu konzipieren, die er dann 1832/33 in Berlin vollendete. Im Februar 1831 schrieb er aus Rom an seine Schwester Fanny, dass seine italienische Sinfonie große Fortschritte mache und dass es das lustigste Stück würde, das er je geschrieben hätte, vor allem der letzte Satz!

Am 10. Oktober 1830 schrieb er aus Venedig: «Das ist Italien! Und was ich mir als höchste Lebensfreude, seit ich denken kann, gedacht habe, das ist nun angefangen, und ich genieße es. Der heutige Tag war zu reich, als daß ich mich nicht jetzt des Abends ein wenig sammeln müßte, und da schreibe ich denn an Euch, und will Euch danken, liebe Eltern, die Ihr mir dies ganze Glück schenkt, und will an Euch sehr denken, Ihr lieben Schwestern, und will Dich mir herwünschen, Paul, um mich an Deiner Freude über das tolle Treiben zu Wasser und zu Lande wieder zu freuen, und möchte Dir beweisen Hensel, daß die Himmelfahrt der heiligen Maria ja das Allergöttlichste ist, was Menschen malen können! Ihr seid aber eben einmal nicht da, und ich muß also mein Entzücken in elendem Italienisch am Lohnbedienten auslassen, weil er stillhält.»

Am 26. August 2016 erschien bei SONY Classical die erste CD des neuen Sinfonien-Zyklus‘ der Kammerakademie Potsdam unter der Leitung des italienischen Chefdirigenten Antonello Manacorda. Mit der Gesamteinspielung aller Sinfonien von Mendelssohn Bartholdy läutet die KAP das nächste Aufnahme-Projekt ein und startet damit gleichzeitig in die Jubiläumssaison, in der das Orchester seinen 15. Geburtstag feiert.

Den Anfang der Gesamteinspielung bilden die Sinfonien Nr. 1 und Nr. 4 («Italienische»). Gerade mit der «Italienischen» gelang es Mendelssohn, sich von der Sinfonien-Tradition Beethovens abzusetzen und eine neue Dimension für die Orchestermusik des 19. Jahrhunderts zu schaffen. Mit der Musik, die sich aus Reiseimpressionen speist, wurde im Konzertsaal die Atmosphäre fremder Länder heraufbeschworen. In der ersten Sinfonie lassen sich die klassischen Vorbilder kaum überhören – die Komposition des Fünfzehnjährigen steht noch an der Schwelle vom Jugendwerk zur ausgereiften Sinfonik.

Seit 2010 ist Antonello Manacorda Chefdirigent der Kammerakademie Potsdam. Bei Sony Classical erschien bereits die Gesamteinspielung aller Sinfonien von Franz Schubert. Mit den Aufnahmen der 2. und 4. Schubert-Sinfonie gewann das Ensemble 2015 den Echo Klassik und wurde zum «Ensemble/Orchester des Jahres» gekürt. Neben ihrem Anspruch auf höchste künstlerische Qualität steht die Kammerakademie Potsdam für ein überaus lebendiges Musizieren und begeistert das Publikum durch musikalische Vielseitigkeit und historisch informierte Interpretationen.

Felix Mendelssohn Bartholdy starb mit nur 38 Jahren! 5 Monate nachdem seine Schwester Fanny gestorben war (sie wurde 42). Beide seien an den Folgen von Schlaganfällen gestorben

Herzlich,
Ihre Rosemarie Schmitt

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