Fliegende Zeilen

… ist «ein poetisches Spiel um Sinn und Unsinn», so die Autoren Max J. Kobbert und Alexander Herbst. Die poetische Essenz dieser Mini-Poetik: Verse berühmter AutorInnen; die poetische Lizenz: der kreative Input der SpielerInnen; die poetische Potenz: der so produzierte Text.


1. Die Story: Seit zwei Jahren bereits fliegen sie, diese Zeilen, frei wie Vögel, entledigt ihres Ursprungsnests, flügge. Versammelt sind sie im Vers-Verzeichnis, insgesamt 6 x 6 x 6, also 216. Zum Fliegen bringt sie ein ordinärer Würfel, der dreimal geworfen wird, um eine eine dreistellige Kombination seiner Augenzahl zu ergeben. Ist der Vers - von Paul Fleming herauf bis zu Marcel Beyer - erst einmal gefunden, kommen die Aufgabenkarten zum Zug - und dann zählt die Zeit der Sanduhr: 90 Sekunden.

2. Die HeldInnen: Dies ist ein Spiel für «Poetry-SlammerInnen, VersschmiedInnen, AnkdotensammlerInnen, SprachakrobatInnen, MaulheldInnen, MusenküsserInnen, StifterasslerInnen, SüßholzrasplerInnen und FreestylerInnen» - so steht es auf der roten Banderole dieser schön gestalteten Spielbox (Nicole Köhring).

3. Der Sound: … hängt ganz von der Aufgabenstellung ab. «Ergänzen Sie die Zeile im Sprachdukturs eines Bibelverses!», heißt es da zum Beispiel oder «Wandeln Sie die Zeile zu einer PC-Fehlermeldung um!»

4. Coole Bilder: Die Bilder sind hier poetisch! Zum Beispiel: «wie ein einziger unermesslicher Käse» (Alfred Brendel) oder «wenn das Auge versteint» (Hans Keilson).

5. Coole Wörter: «Wortpluderdunen entbammeln dem Stammler» (Albert Vigoleis Thelen)

6. Zum Nachdenken: «für etwas großes ist es zu klein» (Gerhard Rühm)

7. Die Autoren: Max Jürgen Kobbert ist Professor für Wahrnehmungspsychologie und Spieleautor mit bemerkenswerter «Ludografie». Alexander Herbst? Muss ihm wohl ebenbürtig sein...

8. Das Spiel: Max J. Kobbert, Alexander Herbst: Fliegende Zeilen. Ein poetisches Spiel um Sinn und Unsinn. Kempen: moses.Verlag 2014, EUR 25,00

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