California

15.09.2016 Walter Gasperi

Vor dem Hintergrund des kalifornischen Goldrauschs und der Eingliederung des Westküstenstaates in die USA entwickelt John Farrow einen unterhaltsamen epischen Western. Der 1947 entstandene Technicolor-Film ist bei Koch Media in der Edition Western-Legenden auf DVD und Blu-ray erschienen.


Ein Song und ein Off-Erzähler preisen, unterstützt von Landschaftsaufnahmen die Schönheiten Kaliforniens von den Küsten bis zu den Bergen, von den Redwood-Bäumen bis zu den Obstplantagen, ehe die eigentliche Handlung einsetzt. - Schon diese Exposition besticht durch Farbenpracht, doch zu eng wirken die Bilder aufgrund des klassischen 4:3-Formats, können nicht epische Breite entwickeln.

Noch weit ist aber der Weg nach Kalifornien für den Treck, den Jonathan Trumbo (Ray Milland) anführt. Gegen seinen Willen wird in einer Kleinstadt die Sängerin und Kartenspielerin – und wohl auch Prostituierte - Lily Bishop (Barbara Stanwyck) in die Planwagen-Karawane aufgenommen, als sie von den ehrbaren Damen ausgewiesen wird.

Schon aus John Fords «Stagecoach» – und natürlich aus dem biblischen Gleichnis vom Pharisäer und dem Zöllner - kennt man diese Konstellation von Bürgern, die auf ihren Anstand stolz sind, und andere, die sich nicht an ihre Regeln halten, ausstoßen. Auch zwischen Trumbo und der unabhängigen Frau, die offen ihre Meinung sagt und selbstständig handelt, herrscht Feindseligkeit, gleichzeitig ist aber doch von Anfang an klar, dass sie am Ende zueinander finden werden.

Als die Nachricht von Goldfunden in Kalifornien den Treck erreicht, brechen viele überstürzt auf und auch Lily schließt sich einem windigen Geschäftsmann an. In Kalifornien freilich werden die Neuankömmlinge vom reichen Pharaoh Coffin, der die Macht im Land an sich reißen und einen Anschluss an die USA verhindern will, ausgebeutet. Lily aber, die mit Coffin kooperiert, kann zur Saloonbesitzerin aufsteigen, ihre persönlichen und geschäftlichen Beziehungen führen aber auch wieder zum Konflikt mit Trumbo, in dessen Vergangenheit es aber auch einen dunklen Fleck gibt.

Sehr frei geht John Farrow mit der Geschichte um den Anschluss Kaliforniens an die USA um, kann aber so klassische Western- und uramerikanische Motive ins Spiel bringen. Denn statt reichem Rancher und armen Farmern treffen hier die mulitkulturellen Neuankömmlinge, die nichts besitzen, auf einen ehemaligen Sklavenhändler, der mit seiner Privatarmee und seinem Einfluss die Macht an sich reißen will. – Großkapital steht so dem einfachen Volk gegenüber, das allerdings mobilisiert werden kann, sodass die Pläne des mächtigen Schurken durchkreuzt und der Putschversuch niedergeschlagen werden kann: «Power to the People und das Land gehört dem Volk und nicht einem Einzelnen» ist Farrows Botschaft.

Privates wird so mit Politischem verbunden, Technicolor und prächtige lange Einstellungen von Kameramann Ray Rennahan sorgen für optische Reize und die Handlungsfülle dafür, dass kein Leerlauf aufkommt, verhindert aber auch, dass einzelne Szenen, Themen und Figuren präziser ausgelotet werden. – Zu kurzatmig ist «California» mit seinen gut 90 Minuten für seinen epischen Ansatz. Farrow bietet zwar solide Unterhaltung, kann aber das Potential des Stoffes nicht ausschöpfen.

An Sprachversionen bietet die bei Koch Media als 41. Titel in der Edition Western-Legenden erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische Untertitel. Die Extras beschränken sich auf den Trailer und eine Bildergalerie sowie ein Booklet.

Trailer zu «California»

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