Comanche Station - Einer gibt nicht auf

06.10.2016 Walter Gasperi

Ein Mann, eine Frau und eine Bande von Outlaws auf einem Ritt durch Indianerland. – Mehr brauchte Budd Boetticher nicht, um daraus einen meisterhaften, entspannt spannenden Western zu schaffen. Bei Explosive Media ist «Comanche Station» auf DVD und Blu-ray erschienen.


Fast austauschbar sind Handlung und Schauplatz der sieben Western, die Budd Boetticher zwischen 1956 und 1960 drehte. Kaum mehr als 70 Minuten sind sie lang, im Mittelpunkt steht immer ein schweigsamer Außenseiter, der von Randolph Scott gespielt wird.

Mit einer Totale der Felsen der Halbwüste um das kalifornische Lone Pine beginnt dieser Cinemascope-Film, erfasst in der Distanz einen Mann mit zwei Pferden und folgt ihm in einem langen Schwenk. Am Ende wird sich diese Einstellung wiederholen: Nichts wird sich für den Einzelgänger geändert haben, sein Leben wird weitergehen wie zuvor, doch das Leben einer Frau hat er entscheidend verändert.

Auf der Hut ist dieser Jeff Cody (Randolph Scott), greift beim kleinsten Geräusch zum Gewehr, sieht sich aber dennoch bald von Indianern umstellt. Er bietet seine Waren an, doch mit den Stoffen und Töpfen sind sie nicht zufrieden, sondern wollen auch noch sein Gewehr. Kein Wort fällt die ersten fünf Minuten, erst als eine weiße Frau aus einem Tipi gezerrt wird, wird klar, worum es geht: Cody will die Gefangene gegen seine Waren eintauschen.

Anstelle des Handelsguts sitzt nun die Frau auf dem zweiten Pferd, erscheint so auch als Ware, denn immerhin sind ja für ihre Befreiung von ihrem Mann 5000 Dollar Belohnung ausgesetzt. Als Cody und die Frau zu einer verlassenen Postkutschenstation kommen, trifft bald eine Band von vier Outlaws ein. Gemeinsam müssen sie sich durch das feindliche Indianerland zur nächsten Stadt durchschlagen.

Wichtiger als die äußere Bedrohung durch die Indianer sind die inneren Spannungen in der Gruppe, denn selbstverständlich will die Bande Cody ausschalten und die Belohnung für die Frau selbst kassieren. Aber auch innerhalb der Bande kommt es zu Spannungen und zudem ist die Frau zumindest zunächst misstrauisch gegenüber Cody, glaubt sie doch, dass er sie nur wegen der Belohnung gerettet hat.

Entspannt ist der Erzählrhythmus. Szenen vom Ritt, bei dem die Landschaft vom Wüstengebiet in eine bewaldete Flussregion und dann wieder in die Wüstenlandschaft übergeht, wechseln in gelassenem Rhythmus mit gruppendynamischen Prozessen.

Minimalistisch ist im Grunde die Handlung dieses ebenso wortkargen wie lakonischen Western, aber gerade in dieser Reduktion liegen die Schönheit und Meisterschaft von «Comanche Station». Hier lenkt nichts vom Wesentlichen ab, gibt es keinen historischen Hintergrund, sondern die ganze Konzentration liegt auf den unterschiedlichen Charakteren der kleinen Gruppe und ihrem Ritt.

Und so konkret die Geschichte auch ist, so sehr erzählt Boetticher darin freilich auch grundsätzlich Menschliches. Da steht auf der einen Seite Geldgier und auf der anderen tut einer einfach das, was er tun muss. Da geht es um die Entscheidungsfreiheit der Menschen, aber auch darum, wie sehr ihn die eigene Geschichte und Erinnerung prägt und bindet, wenn klar wird, dass Cody über den Verlust seiner eigenen Frau nie hinwegkam und dieser Verlust nun sein ganzes Leben bestimmt. Und am Ende wartet Boetticher noch mit einer großen Überraschung auf.

An Sprachversionen bietet die bei Explosive Media erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras umfassen außer Trailer und Bildergalerie einen Mitschnitt der Pressekonferenz Boettichers während des Filmfests München, das ihm 1995 eine Retrospektive widmete.

Trailer zu «Comanche Station»

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