Spiele

07.08.2016 Haimo L. Handl

Die Fußballeuropameisterschaft bewies, dass Feststimmung auch im Polizeistaat mit langem Ausnahmezustand und einer enorm hohen Präsenz schwer bewaffneter Soldaten «friedlich» ablaufen kann. In Brasilien werden so viele Polizeikräfte und Militär eingesetzt, wie noch nie zuvor irgendwo. Es scheint, je korrupter das Land, je tiefer die Klüfte zwischen den Armen und Reichen, der zynischen Elite, desto frecher die Sprüche. Hier geht es nicht mehr um Sport, schon gar nicht um Spiele, hier geht’s ganz schnöde um Geschäft.


Zur Korruption im Lande gesellt sich die der großen Sportorganisationen. Russland, das erwiesener Maßen Doping nicht nur begünstigt hat, sondern gezielt organisierte, darf trotzdem auftreten; nur wenige Sportler wurden gesperrt. Die Humanisten des IOC wollen keine Sippenhaft. Wie einfühlsam.

Der brasilianische Präsident wurde ausgepfiffen. Recht so, dass ein Putschist zumindest nicht bejubelt wird. Eigentümlich die Passivität der Unterschichtler, die, politisch viel zu schwach organisiert, nur wenig Protest zeigen. Der Schwere des Staatsversagens, des Betrugs, des Hinhaltens entspräche ein heftiger Protest, ja sogar ein Bürgerkrieg. Aber die Staatsmacht ist gerüstet und erstickt sogar leisen Protest in einem Nebel von Tränengas und Pfeffersprays und Verhaftungen.

Nationale Festspiele attrahieren natürlich nicht solche Massen, bieten aber jährlich hohe künstlerische Qualität mit ihren Opern und ihrem Schauspiel. Ohne diese Festspiele erlitten wir eine Qualitätseinbuße, weil nur Festspiele besondere Anstrengungen rechtfertigen, die dann ausstrahlen als Gradmesser.

Die verschiedenen Spiele dienen unterschiedlichen Zwecken. Nationale Identifikation, Imagepolitik, Stadterneuerung, Ablenkung, künstlerische Hochleistungen. Wie gut, dass Österreich gegenwärtig nicht mehr mitmacht als Veranstalter des fragwürdigen olympischen Spektakels, wie lobenswert, dass wir als relativ kleines Land auch ein hochkarätiges Festival in Salzburg haben.

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