Ein Gespenst auf Freiersfüßen - The Ghost and Mrs. Muir

20.10.2016 Walter Gasperi

Eine Witwe zieht in ein Haus, in dem es spukt - doch statt Schrecken entwickelt sich aus der Begegnung mit dem Geist bald eine hinreißende romantische Liebesgeschichte. – Joseph L. Mankiewicz bietet klassisches Hollywood-Kino vom Feinsten. Bei Winkler Media ist der 1947 entstandene Mix aus Komödie und Romanze auf DVD erschienen.


Mit dem Insert «London um die Jahrhundertwende» wird die Handlung zeitlich und geographisch verankert, doch schon beim Vorspann haben die berühmten britischen Kalksteinfelsen im Hintergrund angedeutet, dass die Küstenregion eine zentrale Rolle spielen wird.

In den Erzählfluss versetzt den Zuschauer schon die erste Einstellung, wenn die Kamera durch die Londoner Straßen gleitet, auf ein Haus zufährt und quasi mit unsichtbarem Schnitt die Mauern durchschreitet und den Zuschauer zum Zeugen eines heftigen Wortwechsels macht. Grund dafür ist, dass die verwitwete Lucy Muir (Gene Tierney) gegen den Willen ihrer Schwägerin und Schwiegermutter ausziehen und mit ihrer Tochter (Nathalie Wood) und ihrer Haushälterin ein Häuschen am Meer mieten will.

Mit einem Schnitt versetzt Mankiewicz den Zuschauer schon ins Büro eines Maklers, der Mrs. Muir zwar einige Objekte anbietet, aber ihr gerade das malerisch an der Küste gelegene kleine Haus, das sie besonders interessiert, ausreden will. Doch wie bei der Auseinandersetzung am Beginn erweist sich Mrs. Muir auch hier als selbstbewusste und entschlossene junge Frau und setzt sich durch.

Obwohl es schon bei der Besichtigung im Haus spukt und der Makler ihr erklärt, dass der Geist von Kapitän Gregg (Rex Harrison), der hier Selbstmord beging, alle Mieter vertreibt, lässt sie sich nicht einschüchtern und zieht mit Tochter und Haushälterin ein.

Der Geist ist von dieser starken Frau sichtlich beeindruckt, beginnt eine Beziehung mit ihr, die freilich platonisch bleiben muss, fehlt ihm doch der Körper. Nur Lucy kann den verstorbenen Seemann dabei freilich sehen, doch vertreibt er mit Geisterhand unliebsame Besucher, hilft der Witwe in ihrer finanziell schwierigen Situation, wird aber auch eifersüchtig, als sie sich in einen anderen Mann verliebt.

Die Geschichte, die auf R. A. Dicks 1945 veröffentlichten Roman «The Ghost and Mrs. Muir» beruht, mag einfach und dünn sein, doch Mankiewicz hat sie mit so viel Geschmack und Esprit inszeniert, dass man an diesem Film geradezu die Qualitäten des klassischen Hollywood-Kinos studieren kann. Bestechend hält er die Balance zwischen Komödie und Romanze, erzählt gleichzeitig leichthändig und mit Ironie durchzogen und dennoch bewegend von der Unmöglichkeit einer Liebe zwischen zwei Menschen, die sich im Innern so nahe sind und bei denen schon der Name der Protagonistin auf die Nähe zum verstorbenen Seemann verweist, heißt doch «muir» auf Gälisch «Meer».

Während die Liebe in anderen Filmen mit der Zeit verblasst, ist sie, obwohl oder gerade weil sie unerfüllt bleibt, in diesem Film das einzig Bleibende, scheint mit den Jahren gar zuzunehmen. Ebbe und Flut, das Altern der Figuren, das Verwittern einer Landmarke signalisieren den Fluss der Zeit, doch während der Tod die Menschen sonst trennt, ist es hier gerade dieser, der erst die Gemeinschaft ermöglicht.

Geschliffene Dialoge und die beiden sichtlich mit Lust agierenden Hauptdarsteller Gene Tierney und Rex Harrison sorgen aber dafür, dass der Witz nicht zu kurz kommt. Charles Langs für den Oscar nominierte Kameraarbeit und die bestechende Schwarzweißfotografie evozieren wiederum die Atmosphäre der Jahrhundertwende und sorgen zusammen mit Dorothy Spencers den Erzählfluss unterstützendem quasi unsichtbaren Schnitt für ein ungetrübtes Filmvergnügen.

An Sprachversionen bietet die bei Winkler Film erschienene DVD die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische und deutsche Untertitel. Die Extras beschränken sich auf den Trailer und eine Bildergalerie.

Trailer zu «The Ghost and Mrs. Muir»

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