Kunst abseits des Mainstreams entdecken

06.07.2016

Von 8. bis 10. Juli wird Dornbirn mit der 16. Art Bodensee wieder zum sommerlichen Treffpunkt für Kunstsammler, Kunstliebhaber und Neueinsteiger. Rund 60 Galerien, Museen und Institutionen aus acht Ländern sind auf der dreitägigen Salonmesse wieder vertreten. Kultur-Online unterhielt sich mit der Art-Bodensee-Projektleiterin Isabella Marte über die Ausrichtung, die Bedingungen und die Highlights der diesjährigen Art Bodensee. Das Interview führte Karlheinz Pichler.


Kultur-Online: Die globalen Märkte werden derzeit ziemlich durcheinandergerüttelt. Alles ist in Veränderung begriffen. Wie sieht dies bei einer Kunstmesse wie der Art Bodensee aus? Müssen Sie die Messe auch jedes Jahr neu erfinden? Gibt es konzeptionell gesehen Änderungen gegenüber der letzten Ausgabe?

Isabella Marte: Als regionale Messe sind wir zwar insofern auch «international», als unsere teilnehmenden Galerien mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern arbeiten, und nicht nur regionale Positionen vertreten. Wir versuchen immer Galerien aus Städten wie Berlin, Wien, Stuttgart oder Zürich zu gewinnen, um interessanten Newcomern Platz zu geben. Der Markt selbst beschränkt sich im Großen und Ganzen auf den Großraum Bodensee. Die Kaufkraft hier vor Ort ist sehr hoch, die Art Bodensee ist eine Messe für private Sammler, der Großteil der Sammler kommt aus Baden-Württemberg und der benachbarten Schweiz. Vorarlberger kaufen auch, aber nicht so viel wie die Nachbarn. Ein großes Manko für uns ist, dass die Vorarlberger Unternehmen, die zwar international ganz vorne mitspielen, keine Notwendigkeit sehen, Kunst und Kultur zu unterstützen oder zu sammeln. Unternehmen, die sammeln, kann man hierzulande – im Gegensatz zur Schweiz oder Baden-Württemberg, an einer Hand abzählen, und bis auf wenige Ausnahmen – z.B. Wilhelm Otten - sammeln sie ausschließlich Vorarlberger KünstlerInnen. Vom globalen Kunstmarkt wird die Art Bodensee nicht durchgerüttelt, die sogenannten «Blue Chips» der Kunstwelt werden woanders gehandelt.

Kultur-Online: In der Wirtschaft redet derzeit alles über die Digitale Transformation. Ist dies bei der Messe Dornbirn auch der Fall? Wie erfolgt beispielsweise bei der Art Bodensee die Abstimmung zwischen Online-Auftritt und physischer Ausstellung? Ist etwa auch so etwas wie eine Art-Bodensee-App angedacht?

Isabella Marte: Der Kunstkauf ist eine emotionale Angelegenheit. Wer eine Leidenschaft für die Kunst für sich entdeckt und sammelt, liebt die direkte Begegnung mit den Kunstwerken. Natürlich nutzen wir digitale Online-Medien für die Werbung und Kommunikation, eine eigene App ist derzeit nicht geplant, auch keine Online-Käufe. Wir möchten, dass die Menschen zu uns kommen, und einen schönen Tag auf der Kunstmesse verbringen. Ein großer Vorteil der Messe ist auch, dass wir einen niederschwelligen Zugang auch für jene BesucherInnen schaffen, die Berührungsängste mit der Kunst haben. Diese BesucherInnen holen wir mit unseren Führungen ab, die 4x täglich stattfinden.

Kultur-Online: Für die diesjährige und mittlerweile 16. Ausgabe der Art Bodensee sind wiederum rund 60 Aussteller gemeldet. Letztes Jahr ist die Qualität der Messe von den Medien explizit gelobt worden. Werden Sie dieses Niveau dieses Jahr halten oder womöglich sogar noch steigern können?

Isabella Marte: Es ist jedes Jahr erneut eine Herausforderung, die Qualität zu halten und zu verbessern. Ich bin mit der diesjährigen 16. Ausgabe sehr zufrieden.

Kultur-Online: Gibt es eigentlich so etwas wie Stamm-Galerien, die mittlerweile jedes Jahr nach Dornbirn kommen, oder müssen Sie jedes Jahr neu mit der Akquise beginnen?

Isabella Marte: Es gibt einen großen Anteil von Stamm-Galerien. Es sind alle Vorarlberger Galerien da, und sehr viele gute aus Baden-Württemberg, die uns die Treue halten. Es gibt natürlich auch Fluktuation, aus unterschiedlichsten Gründen – ein Drittel der Galerien auf der Art Bodensee wechseln häufig und hier ist es meine Aufgabe, jedes Jahr nach neuen und interessanten Ausstellern zu suchen, und diese für die Art Bodensee zu begeistern.

Kultur-Online: Wie hat sich die Art Bodensee in den letzten Jahren generell als Umschlagplatz für Kunst entwickelt? Kommen tatsächlich Sammler nach Dornbirn, um hier im grösseren Stile einzukaufen? Können die Galerien ihre Investitionen hereinholen?

Isabella Marte: Wir haben über Besucher- und Aussteller- Befragungen in den letzten Jahren einen kontinuierlichen Anstieg der Verkäufe feststellen können, was natürlich eine der wesentlichsten Erfolgs-Kriterien einer Kunstmesse darstellt. Es wird tatsächlich auch im größeren Stil eingekauft, und die Galerien können hier Geld verdienen – sonst kämen sie nicht jedes Jahr wieder. Wie schon oben erwähnt, profitiert die Art Bodensee vom Standort im 4-Länder-Eck: ohne die treuen Käufer aus dem benachbarten Ausland könnte die Kunstmesse nicht bestehen.

Kultur-Online: Gibt es etwas, mit dem Sie speziell junge KäuferInnen mit eher schmaler Geldbörse ansprechen können?

Isabella Marte: Die Preise der Kunstwerke auf der Art Bodensee bewegen sich zwischen ca. 100 Euro für kleine Arbeiten und Zeichnungen oder Drucke bis ca. 250.000 Euro für Werke von renommierten KünstlerInnen. Meistverkaufte Arbeiten bewegen sich zwischen 5000 bis 10000 Euro. Wer also nicht viel ausgeben kann, startet seine eigene Kunstsammlung mit wenigen hundert Euro, und arbeitet sich dann über die Jahre hoch.

Kultur-Online: Worin sehen Sie die wichtigste Funktion der Art Bodensee?

Isabella Marte: Sie ist ein wichtiger Marktplatz für die Kunst in der Region, ein wichtiger Treffpunkt für die Kunstschaffenden im Land, und auch für die von auswärts anreisenden Galerien ein beliebter Marktplatz, bei dem sie die entspannte Atmosphäre schätzen, und wo sich ein «Urlaubs-Gefühl» einstellt, da unsere Partner-Hotels wie der Hirschen in Schwarzenberg, Verwalter Dornbirn oder Schwärzler Bregenz bei den anreisenden Sammlern aus dem benachbarten Ausland überaus beliebt sind. Die Art Bodensee bietet zudem die Gelegenheit, Kunst abseits des Mainstreams zu entdecken.

Kultur-Online: Gibt es engere Vernetzungen mit anderen Veranstaltungen und Institutionen im Land, etwa den Bregenzer Festspielen oder den grossen Ausstellungshäusern?

Isabella Marte: Wir sind im Austausch mit den allen größeren Museen in der Region, und unterstützen uns gegenseitig in der Werbung und Kommunikation.

Kultur-Online: Kann die Art Bodensee in gewissem Sinne für heimische Künstler ein Sprungbrett in den internationalen Markt darstellen?

Isabella Marte: Nein. Die Art Bodensee ist ein regionaler Marktplatz. Die Plattform «featured artist» (formerly known as «rookie») war sicher für einige Vorarlberger KünstlerInnen eine gute Gelegenheit, sich zu präsentieren und Zugang zu Art Bodensee-Galerien zu finden. Wer als Vorarlberger Künstler/in internationale Beachtung finden will, muss aus Vorarlberg weggehen.

Kultur-Online: Welches sind aus Ihrer Sicht die diesjährigen Highlights der Messe? Was muss ein/e Besucher/In unbedingt sehen?

Isabella Marte: Ein schönes Highlight dieses Jahr ist unsere Sonderschau – eine «pop-up» Ausstellung der Sammlung Otten, in der Gemaltes in dialogischer Hängung mit alten Textilien zu sehen ist – unter anderem eine Papier-Arbeit von Eduardo Chillida und ein Peruanisches Grabtuch aus der Nasca-Periode.

  • Foto: (c) Christian Schramm
  • Isabella Marte; Art Bodensee 2015

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