Mit roher Gewalt

01.09.2016 Walter Gasperi

Alaska 1898: Goldgräber versuchen ihre Ansprüche gegen angebliche Vertreter des Gesetzes zu sichern. – Jess Hibbs´ 1955 gedrehter Western, bei dem der Humor nicht zu kurz kommt, ist bei Koch Media in der Edition Western-Legenden auf DVD erschienen.


1906 gelang Rex Beach mit dem Roman «The Spoilers» ein Bestseller. Nach der Adaption für die Bühne folgten auf die Erstverfilmung 1914 Remakes unter anderem mit Gary Cooper (1930) und 1942 von Ray Enright mit John Wayne, Randolph Scott und Marlene Dietrich unter dem Titel «Die Freibeuterin» («The Spoilers»), sodass es sich bei Jesse Hibbs´ Version schon um die fünfte Verfilmung handelt.

Kein Open-Air-Kino wie die großen Western von Ford, Hawks, Walsh bietet Hibbs, sondern beschränkt sich weitgehend auf Innenräume und die schlammige Hauptstraße der Kleinstadt Nome. Hier erheben sich die Goldgräber gegen den staatlichen Schürfkommissar Alex McNamara, der vorgibt, mit Hilfe eines Richters die Besitzansprüche prüfen zu müssen. Nur durch Einschreiten der Saloonbesitzerin Cherry (Anne Baxter) können Ausschreitungen verhindert werden.

Voll Sehnsucht erwartet sie die Rückkehr ihres Geliebten Roy Glennister (Jeff Chandler), doch schon bei der Ankunft wird die Freude getrübt, da sich Glennister allzu sehr um eine Mitreisende kümmert. Bald muss auch Glennister mit seinem Freund Dextry (John McIntire) um seine Mine kämpfen, vertraut zunächst aber auf die Rechtsprechung.

Ein klassisches Thema des Western ist dieses Aufeinandertreffen von Faustrecht und Rechtstaatlichkeit. Spannend ist auch hier, wie die rauen Goldgräber mit Waffengewalt ihre Ansprüche durchsetzen wollen, nur Glennister pragmatischer agiert, Kompromisse eingehen will. Doch im Gegensatz zu anderen Filmen erweist sich hier gerade die Rechtstaatlichkeit als Schimäre, als Mittel, unter dessen Deckmantel man Verbrechen begehen kann.

Geschickt lässt Hibbs den Zuschauer lange im Ungewissen, was wirklich gespielt wird. Smart und zuvorkommend tritt hier nicht nur ein Gauner auf, der seine Handlanger dirigiert, sondern auch eine scheinbar feine Dame entpuppt sich schließlich als durchtriebene Partnerin des Verbrechers.

Für amouröse Verwicklungen und Eifersüchteleien sorgt zudem, dass der Held zwischen zwei Frauen steht, bald auch seine Freundschaft aufs Spiel setzt, bis er doch erkennt, auf welche Seite er sich stellen muss.

Humor kommt nicht zu kurz, doch beeinträchtigt dieser auch die Spannung. Hinreißend ist freilich Anne Baxters Interpretation des Songs «Careless Love» und optisch einen starken Eindruck hinterlässt in diesem Technicolor-Film die für die schmutzige Kleinstadt völlig überzogen ausgestattete, in Rot getauchte Wohnung von Cherry. Diese geht freilich im Zuge der großen finalen Schlägerei ebenso zu Bruch wie der gesamte Saloon, bis der Kampf im Schlamm der Straße endet. – Diese große Keilerei ist zweifellos ein Glanzstück dieses insgesamt durchschnittlichen Western.

An Sprachversionen bietet die bei Koch-Media als 36. Titel in der Edition Western-Legenden erschienene DVD die englische Original und die deutsche Synchronfassung. Die Extras beschränken sich auf eine Bildergalerie.

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