Besessen – Das Loch in der Wand

04.08.2016 Walter Gasperi

Der Niederländer Pim de la Parra wandelt in seinem 1969 gedrehten Thriller auf den Spuren von Michael Powells «Peeping Tom» und Alfred Hitchcocks «Das Fenster zum Hof». Der als europäische Genreproduktion durchaus interessante, wenn auch nicht ganz überzeugende Film ist bei Koch Media auf DVD und Blu-ray erschienen.


Direkt und knapp ist der Einstieg: Ein Bild fällt von der Wand, womit sich ein Loch auftut. Bildfüllend sieht man ein Auge, das offensichtlich ein sich leidenschaftlich liebendes Paar in der benachbarten Wohnung beobachtet. Eingeführt ist damit das Motiv des Voyeurismus, um das Michael Powells «Peeping Tom» kreiste und sich auch in Hitchcocks «Psycho», vor allem aber natürlich in «Das Fenster zum Hof» findet.

Erst nach diesem Einstieg stellt Regisseur Pim de la Parra den Medizinstudenten Nils (Dieter Geissler) vor, der zunehmend davon besessen ist, den Bewohner der Nachbarswohnung zu beobachten, schließlich sich auch selbst Zutritt zu der Wohnung verschafft und sie durchsucht. Recht freizügig ist der Film bei diesen Voyeurszenen, beobachtet Nils den Nachbarn doch vor allem beim Sex, kommt aber auch hinter Drogengeschäfte.

Etwas holprig wird diese Geschichte mit einem Mordfall verknüpft, in dem Nils´ als Journalistin arbeitende Freundin (Alexandra Stewart) ermittelt und auch davon abgesehen entwickelt sich die Handlung ziemlich ungelenk und unglaubwürdig.

Wichtiger als das Ganze scheinen de la Parra einzelne Szenen gewesen zu sein, in denen er seinem Vorbild Hitchcock seine Reverenz erweisen wollte. Wie mit der Lust am Voyeurismus das Grundmotiv von «Das Fenster zum Hof» übernommen wird, werden mit einer Duschszene, aber auch mit dem Auge an der Wand Elemente aus «Psycho» übernommen und ganz im Stile des Meisters Suspense zu erzeugen, versucht der Niederländer, wenn er parallel zeigt, wie Nils die Wohnung durchsucht, während schon die Rückkehr des Besitzers naht.

Auch eine spektakuläre Montagesequenz fehlt nicht, in der im Traum die ganzen vergangenen Ereignisse auf Nils nochmals hereinbrechen, und stark ist auch das Finale, in dem der Voyeur für seinen Voyeurismus bestraft wird. Doch auch wenn hier Martin Scorsese am Drehbuch mitgearbeitet hat und Hitchcocks Hauskomponist Bernard Herrmann für die Musik verantwortlich zeichnet, vermag dieser Thriller dennoch nicht wirklich zu begeistern.

Das liegt aber nicht nur an der holprigen Dramaturgie, sondern in gewissem Maße auch an der Bildqualität. Verwaschen bräunlich wirken hier alle Bilder, klare Farbdramaturgie lässt sich keine erkennen.

An Sprachversionen bietet die bei Koch Media erschienene DVD und Blu-ray die englische Originalfassung, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, sowie die deutsche Synchronfassung. Die Extras umfassen neben einer Bildergalerie auch ein etwa 20minütiges Interview mit dem Produzenten und Hauptdarsteller Dieter Geissler.

Dieser erzählt nicht nur über seinen Weg zum Filmbusiness, sondern auch ausführlich über Entstehungsgeschichte und Erfolg von «Besessen – Das Loch in der Wand». Dabei klärt er auch das Missverständnis der Indizierung auf. Denn während der Film bei der Kinoauswertung ab 16 Jahren freigegeben wurde und mit dem Prädikat «Wertvoll» versehen wurde, wurde der Verkauf in der Videothek nach einer Anzeige verboten. Grund für die Anzeige war, dass dieser Thriller versehentlich in einer Ecke für Kinderfilme aufgestellt war. Nicht verständlich ist freilich, wieso dieses Missverständnis nicht aufgeklärt wurde, um die Indizierung aufzuheben.



Trailer zu «Besessen - Das Loch in der Wand»

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