Vom Toggi zum Kägi

13.06.2016 Kurt Bracharz

Möglicherweise haben sich auch Ostschweizer schon gefragt, was das «fret» in «Kägi-fret» eigentlich bedeutet. Nichtschweizer tun das auf jeden Fall, denn in den Wörterbüchern für Schweizerdeutsch scheint das Wort nicht auf und wer einen französischen Hintergrund vermutet (obwohl der Waffelriegel nach wie vor aus dem Toggenburgischen kommt), findet für «fret» Übersetzungen, die in den Bereich «Fracht, Frachtbrief, Frachtkosten» weisen.


Tatsächlich haben aber die Unternehmensgründer, die drei Brüder Otto, Eugen und Alfred Kägi, 1958 ihren Familiennamen mit einem Teil des französischen Worts «gaufrette» (Waffel) kombiniert und mit diesem Mix einen ins Ohr gehenden Markennamen geschaffen. Das Kägi-fret wird bald 60 Jahre alt, wobei sich an seiner Rezeptur seit 1960 nichts verändert haben soll, nur ist im deutschsprachigen Raum der Bindestrich weggefallen. International ist man inzwischen zu einem fret-losen «Kägi» übergegangen, während der Riegel dort zuvor als «Toggi» vermarktet wurde (obwohl das Toggenburg im Mittleren Osten und in Asien auch nicht gerade allgemein bekannt sein dürfte).

Auch sonst ging das Lichtensteiger Unternehmen auch nach Besitzerwechseln ab 1996 bei Veränderungen immer behutsam vor, die Noir-Variante des Kägi fret beispielsweise wurde erst 2010 eingeführt. Unklar ist, warum auf der Webseite steht: «Seit 1934 wird im Toggenburg eine in der ganzen Schweiz berühmte, knusprig-leichte Waffelspezialität nach unverändertem Originalrezept hergestellt – Kägi fret», wenn Kägis Waffeln doch erst seit 1952 mit Schokolade überzogen wurden, die man ab 1960 selbst besonders sorgfältig mit Längsreiber-Conchen produzierte. Aber wir wollen nicht beckmessern, das eigentliche Waffelrezept ohne Schokoladeüberzug wird schon jenes von Otto Kägi sen. sein, der ab 1934 in einer Bäckerei auf der Liegenschaft Hecht in Lichtensteig Gebäck und Waffelprodukte herstellte.

Über den Aufbau des Kägi-frets kann man auf der Webseite des Unternehmens lesen: «Die Schichten des Kägi frets schmecken nicht nur gut, sie sorgen auch für Stabilität. Für die ideale Kombination von knusprig und cremig sorgen beim  Kägi fret 4 Schichten Waffelblätter und 3 Schichten Füllung. Dank dieser ausgeklügelten Konstruktion bleiben die zerbrechlichen Waffeln stabil aber knusprig und sind durch den dezenten Geschmack der perfekte Träger für die cremige Füllung. Eine zusätzliche Schutzhülle für die empfindlichen Waffeln bildet ausserdem die Couverture aus feinster hausgemachter Schoggi.»

In dem von Alfred Haefeli herausgegebenen Buch «In aller Munde. Best of Switzerland. Die 100 beliebtesten Schweizer Lebensmittel», Lenzburg 2009, heißt es über das Kägi sogar: «Es gibt viele herrliche süße Erfindungen – eigentlich ist jede von ihnen genauso einzigartig wie eine Rose oder eine Lilie. Kägi-fret selber liegt zwischen Blume und Süßigkeit, zwischen magisch-lockender Verführung und unschuldig-reiner Genussfreude. Das Beste an Kägi-fret ist zugleich auch seine Achillesferse: Die blütenzarte Schokoladenumhüllung scheint bereits beim Gedanken an warme Hände zu schmelzen. Behutsames Anfassen und Wiederhinlegen gehören zum typischen, unvergleichlichen Kägi-fret-Genuss…»


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