Dr. Zyklop

28.07.2016 Walter Gasperi

Ein Wissenschaftler entdeckt in seiner Forschungsstation im Amazonasdschungel eine Möglichkeit, Menschen und Tiere zu verkleinern und zu vergrößern. Bald probiert er das an einigen Kollegen aus, die sich damit wie Odysseus und seine Gefährten in den Fängen eines Riesen sehen. – Ernest B.Schoedsacks 1940 gedrehte, ökonomisch erzählte, technisch beeindruckende und originelle Variation der «Odyssee»-Episode ist bei Koch Media auf DVD erschienen.


Zusammen mit Merian C. Cooper drehte Ernest B. Schoedsack nicht nur den legendären «King Kong und die weiße Frau» (1933), sondern auch weitere Klassiker der Stummfilm- und frühen Tonfilmzeit wie den Abenteuerfilm «Chang» (1927) oder den Horrorfilm «The Most Dangerous Game – Graf Zaroff – Genie des Bösen» (1932). Bei dem 1940 gedrehten «Dr. Cyclops» zeichnet aber Schoedsack allein für die Regie verantwortlich, Cooper wird zumindest nicht in den Credits genannt.

Keine billige B-Produktion ist dieser Film trotz seiner knappen 78 Minuten Länge, sondern ein aufwändiger Technicolor-Film. Dennoch wurde er im deutschsprachigen Raum erstmals 1977 im Fernsehen ausgestrahlt und erscheint nun erstmals hierzulande auf DVD.

Ungemein knapp ist die Exposition, in der der Wissenschaftler Dr. Thorkel in seiner Forschungsstation im Amazonasdschungel vor flackerndem Licht seinen Chef ermordet, weil er dessen Befehl seine Objekte zu vernichten nicht ausführen will. Als «Mad Scientist», der sich göttliche Macht anmaßt, wird dieser Forscher vorgestellt.

Geradezu in atemlosem Tempo geht es in höchst verknappter Erzählweise weiter, wenn in den USA ein Team zusammengestellt wird, das Thorkel im Dschungel besuchen soll, dieses Team bald in Lateinamerika ankommt und von einem Bergbauingenieur zu Thorkels Forschungsstation geführt werden. Bald hegt diese Gruppe Misstrauen gegenüber dem Wissenschaftler, doch werden sie, als sie entdecken, dass dieser Tiere auf Miniaturgröße schrumpft, selbst mittels seiner Apparatur verkleinert.

So entwickelt sich eine unterhaltsame, zwischen Ironie und Spannung pendelnde Variation der «Odysseee»-Episode vom Zyklopen. Denn wie dieser einäugige Riese leidet auch Thorkel an einer Sehschwäche und benötigt eine Brille, die die Däumlinge schließlich zerstören. Zuvor aber macht der Wissenschaftler wie der Zyklop in Homers Epos Jagd auf die Winzlinge.

Schoedsack entwickelt daraus ein auch dank vorzüglicher Rückprojektion gelungenes Spiel mit Größenverhältnissen, wenn eine Katze für die Menschlein zu einem gefährlichen Gegner wird, ein Krokodil wie ein gigantischer Saurier wirkt und sich aus dem Niederbrennen einen Grasstreifens eine lebensgefährliche Situation entwickelt.

Wie der mythologische Zyklop sperrt Dr. Thorkel seine Opfer aber auch in seine Hütte ein, doch außer Frage steht, dass die Winzlinge schließlich den aus ihrer Sicht riesigen Forscher besiegen werden.

So knapp die Exposition gehalten ist, so kurz ist das Ende, sodass genügend Raum für die im Zentrum stehende Konfrontation zwischen Dr. Thorkel und seinen Opfern bleibt. In seinen Experimenten mit Tier und Mensch kann man freilich auch eine Vorwegnahme der und Parallele zu den bestialischen Versuchen eines Dr. Mengele in Nazi-Deutschland sehen, gleichzeitig wird hier auch die Frage aufgeworfen, was den Menschen ausmacht, wird betont, dass letztlich nicht die Größe, sondern sein Intellekt entscheidend sind und ihm den Sieg über vermeintlich übermächtige Gegner sichern.

An Spannung und Einfallsreichtum kann es «Dr. Cyclops» zwar nicht mit Jack Arnolds 17 Jahre später entstandenem «The Incredible Shrinking Man» aufnehmen, bietet aber auch heute noch kurzweilige Unterhaltung, die technisch beeindruckt und viel Reiz aus dem Spiel mit und der Variation des entsprechenden Abenteuers des Odysseus bezieht.

An Sprachversionen verfügt die bei Koch Media erschienene DVD über die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie über englische Untertitel. Die Extras umfassen den englischen Trailer, eine Super-8-Fassung des Films und eine Bildergalerie sowie einen Audiokommentar von Rolf Giesen, der ausführlich über Schoedsack und vielfältige Hintergründe und Parallelen informiert, aber über weite Strecken kaum auf den vorliegenden Film an sich eingeht.

Trailer zu «Dr. Zyklop»

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