Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia

21.07.2016 Walter Gasperi

Verrisse hagelte es 1974 bei Erscheinen von Sam Peckinpahs neuntem Spielfilm. Auch das Publikum lehnte den brutalen Mix aus Roadmovie und Action-Thriller ab. Inzwischen hat sich die Einschätzung von Peckinpahs persönlichstem Film, der nun bei Koch Media in einem Mediabook mit zwei DVD und einer Blu-ray erschienen ist, aber grundlegend gewandelt.


Zermürbt von der schwierigen Produktion des von MGM produzierten «Pat Garrett and Billy the Kid“, der ihm vor dem Endschnitt entzogen worden war, zog sich Sam Peckinpah 1973 nach Mexiko zurück, wo schon Major Dundee (1965), »The Wild Bunch« (1969) und »Pat Garrett and Billy the Kid« (1973) entstanden waren. Als unabhängige Produktion begann er hier mit einem Budget von nur zwei Millionen Dollar »Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia« zu realisieren.

Gewinnen konnte er dafür wieder einige von ihm bevorzugte Mitarbeiter. In einer kleinen Rolle sieht man Kris Kristofferson, während für die Filmmusik sein bevorzugter Komponist Jerry Fielding verantwortlich zeichnete und Gordon T. Dawson schrieb zusammen mit Peckinpah das Drehbuch.

Geradezu lyrisch beginnt es an einem idyllischen See, an dem sich eine schwangere junge Frau über ihren Bauch streicht. Der Zeit enthoben ist diese Szene und, als sie zwei Mexikaner auf Pferden zu ihrem Vater eskortieren, könnte man den Film für einen Western halten. Mit Schlägen versucht der »El Jefe« genannte Vater von seiner Tochter zu erfahren, wer sie geschwängert hat. Als sie Alfredo Garcia als Vater ihres ungeborenen Kindes nennt, setzt »El Jefe« eine Million Dollar als Belohnung für den aus, der ihm den Kopf dieses Mannes bringt.

Von der Hacienda, in der noch eine patriarchale Ordnung herrscht, springt der Film mit einem landenden Flugzeug ins Mexico City der 1970er Jahre. Zwei von »El Jefe« angeheuerte Killer stoßen bei ihrer Suche nach Garcia, auf den Barpianisten Bennie (Warren Oates). Mehr schlecht als recht schlägt sich dieser Verlierer in Mexiko durch und erklärt sich bald bereit gegen 10.000 Dollar den Kopf des Gesuchten zu verschaffen.

Der freilich ist schon vor kurzem bei einem Autounfall ums Leben gekommen, sodass er in seinem Heimatdorf exhumiert werden muss.
Doch nicht nur Bennie macht sich gemeinsam mit seiner Geliebten Elita (Isela Vega), die nicht weiß, was er vorhat, auf, sondern auch weitere finstere Gestalten lockt die Hoffnung aufs schnelle Geld an – und schließlich akzeptiert auch Garcias Familie nicht, dass der Tote geschändet wurde…

Das ist zunächst einmal ein linear erzähltes Roadmovie quer durch Mexiko, versetzt freilich mit zunehmend brutaleren und ausgedehnteren Schießereien, bei denen Peckinpah selbstverständlich auch nicht auf die für ihn charakteristischen Zeitlupen verzichtet. Keine Nebenhandlung gibt es hier, einziges Ziel ist die Beschaffung des Kopfes.

Mit dieser Reise durch öde Halbwüsten lässt Peckinpah den Zuschauer aber auch auf eine von Brutalität und Gier geprägte Welt blicken, in der es keine Moral mehr gibt, sondern jeder nur auf seinen Vorteil schaut und ein Menschenleben nicht viel zählt. Hier gibt es keine Sympathieträger, sondern so schäbig und trist die Städte sind, so schäbig und skrupellos sind auch die Figuren dieses Films, der mit dem Blick in einen Gewehrlauf endet.

Gleichzeitig kann man »Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia« aber auch als autobiographisches Werk lesen und in Bennie, der ähnlich exzessiv harte Spirituosen trinkt wie Peckinpah selbst, das Alter Ego des Regisseurs sehen. Wie dieser ist Bennie nämlich ein Einzelgänger, bewegt sich außerhalb jedes Systems und rechnet mit diesem schließlich auch ab.

An Sprachversionen bietet das bei Koch Media erschienene Mediabook, das zwei DVD und eine Blu-ray enthält, die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Umfangreich sind die Extras. Neben dem englischen und deutschen Trailer und einem deutschen Audiokommentar des Peckinpah-Experten Mike Siegel, finden sich auf einer eigenen DVD unter anderem Siegels knapp einstündige Dokumentation »Passion & Poetry – Sam´s Favorite Film«, die sich ausschließlich »Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia« widmet, und das halbstündige Featurette »A Writer´s Journey – With Sam Peckinpah in Mexico«. Dazu kommt noch ein achtseitiges Booklet, in dem Mike Siegel die Produktionsgeschichte und die Reaktionen auf diesen Film nachzeichnet.

Trailer zu »Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia"

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